Mönchengladbach: Gegen Kaiserslautern boxte sich Bailly weg
VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 10.09.2011 - 02:30Mönchengladbach (RP). Es war der 18. März, als Logan Bailly Borussia Mönchengladbachs Hoffnung auf den Klassenerhalt scheinbar wegboxte. Der Eckball, den Kaiserslauterns Christian Tiffert getreten hatte, flog auf den belgischen Torwart zu. Und statt das Spielgerät zu fangen, lenkte Bailly den Ball mit der Faust ins eigene Netz. 0:1, Gladbach hatte ein Heimspiel verloren, das als richtungsweisend definiert worden war. "Viele dachten: Das war's", sagte Marco Reus, der später mit seinen Toren wesentlich dazu beitrug, das Gegenteil zu beweisen.
Da Bailly schon wenige Minuten zuvor einen ähnlichen, aber noch nicht folgenschweren Lapsus fabriziert hatte, wurde gemutmaßt, dieses Tor sei kein Zufall gewesen. Bewiesen ist das natürlich nicht. Des Belgiers finanzielle Situation war, so berichtete später der "Spiegel", bedenklich, er habe hohe Verbindlichkeiten gehabt. Nach der Boxeinlage war Trainer Lucien Favre klar, dass er Bailly nicht mehr bringen konnte, dass er ein zu großes Risiko war im Klassenkampf. Einmal noch stand Bailly im Borussen-Tor, das 0:1 beim FC Bayern eine Woche nach dem Treffen mit den "Roten Teufeln" war der Endpunkt seiner Zeit in Gladbach. Borussia hat ihn an Xamax Neuchatel ausgeliehen.
Wenn heute der 1. FC Kaiserslautern wieder nach Gladbach kommt (Anstoß 15.30 Uhr), wird Marc-André ter Stegen (19) im Tor stehen. Favre hätte ter Stegen sofort ins Tor befördert, als er Mitte Februar kam, das räumte er jetzt ein. Doch fehlte der Teenager wegen eines Muskelfaserrisses einige Wochen. Darum spielte Bailly. Beim Derby gegen Köln, das Borussia 5:1 gewann, gab ter Stegen sein Debüt. Und er wurde zu einem "Mosaikstein" (Sportdirektor Max Eberl) der Relegations-Rettung. Zuletzt war ter Stegen angeschlagen, doch Favre gab Entwarnung. "Er ist okay", sagte der Schweizer – mit einem Unterton der Erleichterung.
Denn ter Stegen, der heute erst sein elftes Erstligaspiel machen wird, ist einer der Spieler, "die den Unterschied ausmachen", wie Sportdirektor Max Eberl sagt. "Sehr, sehr stark" sei seine Nummer eins, sagt Favre. Das ist auch Marco Reus. Der verhinderte Nationalspieler, der Bundestrainer Joachim Löw viermal absagen musste wegen Verletzungen, hatte Adduktorenprobleme. Die sind überwunden. Gestern übte er erstmals wieder mit dem Team, der Test verlief positiv. Reus kann heute mitspielen.
Favre mag über das seltsame 0:1 im März und das dazugehörige Gegentor nicht gern sprechen, gesteht aber: "Es war ein Tor, das nicht oft passiert." Doch Favre schaut nach vorn und nicht zurück. Bailly ist Vergangenheit, und das soll auch die ganz große Abstiegsangst sein. Sieben Punkte hat Borussia in den ersten vier Spielen eingesammelt, es war ein guter Start. Nun sollen drei Punkte dazu kommen. Marc-André ter Stegen soll heute nicht die Hauptrolle spielen. Doch er kann dem Team helfen, auch wenn er keine Glanzparaden zeigt. Sein unaufgeregtes Torwartspiel, das Wissen um sein Können, das gibt den Kollegen Sicherheit. Und die ist wichtig, denn Geduld könnte gefragt sein, bis heute die entscheidenden Lücken gefunden sind. Lautern indes muss sich eine andere Taktik ausdenken als einst im März. "Wir wussten, dass Bailly unsicher ist, deshalb habe ich ihm die Eckbälle immer nah vors Tor gezogen", sagte Christian Tiffert.
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