Augsburg: Frauen-Nationalteam trotz Sieg verunsichert
zuletzt aktualisiert: 19.09.2011 - 02:30Augsburg (RP). Es bleibt wohl das Geheimnis von Silvia Neid, warum sie ein anderes Spiel als die meisten Zuschauer im Augsburger Stadion gesehen haben will. Selbst ihre Spielführerin Nadine Angerer sprach nach dem 4:1 (1:0) der deutschen Fußball-Frauen gegen die Schweiz im ersten Qualifikationsspiel zur EM 2013 in Schweden davon, dass ihren Mitspielerinnen "die Verunsicherung nach der WM anzumerken war. Das ist doch klar", sagte die 32 Jahre alte Torhüterin.
Doch die Bundestrainerin behauptete in der Pressekonferenz glatt das Gegenteil. Die Mannschaft sei "von Anfang an im Spiel gewesen", sagte die 47-Jährige. Oder: "Wir haben schnell zu unserem Kombinationsspiel gefunden. Alle Spielerinnen haben ihre Aufgaben toll erfüllt." Dabei war ihre Elf verkrampft und unsouverän gestartet.
70 Tage nach der WM-Viertelfinalniederlage gegen Japan wirkte die Mannschaft, als sei sie auf der Suche nach einer neuen Identität. Nicht nur die dreimalige Weltfußballerin Birgit Prinz ist nicht mehr da, auch wichtige Figuren wie Kerstin Garefrekes und Ariane Hingst haben ihre Karriere im Sommer beendet. Es dauerte bis zur zweiten Hälfte, bis die spielerische deutsche Klasse gegen müde werdende Schweizerinnen sich in Toren von Lira Bajramaj (32, 66.), Linda Bresonik (73.) und Martina Müller (79.) vor teilweise leeren Rängen niederschlug.
Nur 6632 Zuschauer wollten das erste Spiel nach der WM sehen. Die Männer-Bundesliga lief zeitgleich und in München eröffnete Oberbürgermeister Christian Ude das Oktoberfest. Nachdem bei der WM alle deutschen Spiele ausverkauft waren, mehr als 15 Millionen Menschen vor den TV-Bildschirmen saßen, war dies ein harter Schlag für den Frauenfußball. "Man muss die nächsten Heimspiele abwarten, um das richtig einordnen zu können", sagte Neid.
Positiv hingegen fiel Fatmire Bajramaj auf. Die 23-Jährige war die beste Frau auf dem Platz gegen die Schweiz. "Sie hat in der zentralen Rolle ein gutes Spiel gemacht", lobt die Bundestrainerin. Gegen die Schweiz wirkte die Frankfurterin befreit. "Ich hatte richtig Lust auf Fußball", sagte sie. Und Bajramaj erzielte nicht nur zwei Tore, sondern war auch immer anspielbar, dribbelstark. Die zentral offensive Position stand ihr gut. Ob dies eine Alternative sei, wolle Neid in den nächsten Spielen testen.
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