Frankreich blamiert sich wieder
zuletzt aktualisiert: 06.09.2010 - 02:30Paris/Düsseldorf (bei/sid) Nach seinem ersten Pflichtspiel als Trainer der französischen Nationalmannschaft hat Laurent Blanc dem für die weißrussische Auswahl zuständigen Kollegen Bernd Stange die Hand gegeben. Das ist üblich, das zeugt gerade nach einer 0:1-Niederlage von ordentlichen Umgangsformen und das verbessert auch Blancs Chancen, noch ein Weilchen Coach der Equipe Tricolore zu bleiben.
Denn formell jedenfalls hat ein nicht erteilter Händedruck Blancs Vorgänger Raymond Domenech den Job gekostet. Der Verband FFF begründete die jetzt erfolgte Kündigung des einstmaligen Nationaltrainers unter anderem damit, dass er Carlos Alberto Parreira (Südafrika) nach Spielschluss bei der WM nicht formvollendet gratuliert hatte. Das fällt wohl in die Kategorie "inakzeptable Fakten, die gegen ethische Grundsätze verstoßen", die Verbandspräsident Fernand Duchaussoy unlängst schon kritisiert hatte.
Domenech hatte bei der WM die Kontrolle über die eigenwilligen Profis verloren. Die Mannschaft hatte sich blamiert. Und Kapitän Thierry Henry musste die Vorstellung der Blauen unmittelbar nach der Rückkehr in Paris gegenüber Staatspräsident Nicolas Sarkozy im Elysées-Palast erklären. In der Folge hagelte es Sperren für die bösen Buben. An Nicolas Anelka statuierte die FFF mit der Suspendierung für 18 Spiele ein Exempel. Andere Profis wie der Münchner Franck Ribéry müssen für drei Spiele zuschauen.
Der Verband kalkulierte ein, dass es sportlich ohne die Meuterer von Südafrika sportlich noch schwieriger werden könnte. Dem 1:2 in Norwegen folgte zum Auftakt der WM-Qualifikation das 0:1 im Stade de France gegen Weißrussland. Am Dienstag muss die Equipe in Bosnien-Herzegowina antreten. Eine schwierige Aufgabe: Das Team um den Wolfsburger Torjäger Edin Dzeko verpasste erst in den Play-off-Spielen gegen Portugal die Teilnahme an der Weltmeisterschaft in Afrika.
Dabei hatte das Publikum die neue Mannschaft überraschend mit Vorschusslorbeer bedacht. Statt der erwarteten Pfiffe hörte die Mannschaft fast durchgängig Anfeuerungsrufe im nahezu ausverkauften Nationalstadion. Neun Millionen Fernsehzuschauer – so viele sahen in Deutschland auch das Belgien-Spiel von Jogi Löws Elf – stellen für französische Verhältnisse eine bemerkenswerte Einschaltquote dar.
Doch mit Schlusspfiff kehrte die Weltuntergangsstimmung der in der WM-Vorrunde schon gescheiterten Franzosen zurück. "Katastrophal!", "Demütigung" oder "Der Alptraum geht weiter" stand am Samstag in den Zeitungen. Das Sportblatt "L'Equipe" schrieb gar: "Nein, es hat sich gar nichts geändert! Es mangelt an der nötigen Intelligenz!"
Blanc wirkte beinahe verzweifelt. "Wir haben gute Spieler, aber keine großen Spieler. Wir haben einfach keine Spieler, die Tore schießen können, sondern sehr viele Spieler, die den Ball laufen lassen, aber 25 Meter vor dem Tor ist es vorbei. Da fehlen mir Leute, die den Unterschied ausmachen", sagte er. Einen solchen hatte der deutsche Trainer der Weißrussen zur Verfügung – Sergej Kisljak (86.) ließ Bernd Stange jubeln. 2000 Menschen empfingen das Team in Minsk mit Brot und Salz. "Große Siege vergisst man niemals", sagte Stange.
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