Mönchengladbach: Favre muss auch für Liga 2 planen
VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 21.03.2011 - 02:30Mönchengladbach (RP). Sie hatten sich dagegen gewehrt, dass es ein Endspiel gewesen sei, das Treffen mit dem 1. FC Kaiserslautern, der wie die Mönchengladbacher Borussen in den Abstiegskampf der Bundesliga verstrickt ist. Als eines von noch acht wichtigen Spielen definierten die Gladbacher diese Partie, weil Endspiel so sehr nach letzter Chance klingt. Als Kaiserslautern 1:0 gewonnen hatte, taten die Borussen aber, was Fußballer tun, die ein Endspiel verloren haben: Einige saßen auf dem Rasen und nestelten an den Schienbeinschonern, andere wanderten mit leeren Augen umher oder standen nur da und starrten ins Nichts.
Es war ein teuflisches Erlebnis, und das Tragische ist, dass ausgerechnet Torhüter Logan Bailly, zuvor als Punkt-Retter in Bremen gefeiert, ein großes Stück Hoffnung wegboxte, als er den Ball ins eigene Tor beförderte. "Es tut weh", sagte Sportdirektor Max Eberl. Auch Trainer Lucien Favre brachte seine Verweise darauf, dass noch 21 Punkte zu verteilen seien und alles noch korrigierbar sei, weniger überzeugend rüber als bisher. Borussia spielt noch gegen vier der fünf Topteams der Tabelle, nach der Länderspielpause geht es zum FC Bayern. Der Klassiker wird aber eher der erste Teil der Abschiedstournee als eine Reanimation der Hoffnung.
Formal haben sich die Borussen auf die Zweite Liga vorbereitet. Die Lizenz für beide Spielklassen wurde beantragt. Das ist seit Jahren Usus in Gladbach, nun aber wohl eine Notwendigkeit. "Wir planen zweigleisig", sagt Max Eberl. Der 28-Millionen-Euro-Etat für das Profiteam würde um "40 bis 50 Prozent reduziert", sagt Geschäftsführer Stephan Schippers. Er versichert, dass bis auf den Vertrag von Juan Arango alle über 2011 hinaus datierten Arbeitspapiere auch für die Zweite Liga gelten. Favre wird indes wissen, dass der eine oder andere Leistungsträger doch geht, weil im Fußball vieles eine Frage des Geldes ist. Ein erster Zugang steht offenbar fest: Mathew Leckie, australischer U23-Nationalspieler. Allerdings ist, versichert Eberl, noch nichts unterschrieben. Laut Leckie fehlt nur der medizinische Check.
Favre hat nun zum ersten Mal, seit er in Mönchengladbach ist, etwas mehr Zeit, weil Länderspielpause ist. Er wird das Treffen in München vorbereiten, aber auch konkreter als bisher die neue Saison planen. Er will, so er als Retter scheitert, ein Team aufbauen, das gleich wieder aufsteigen kann. Nun könnte Favre erste Fragen beantworten, die sich angesichts der wahrscheinlichen Zweitliga-Zukunft stellen: Ob er beispielsweise Logan Bailly wieder aus dem Tor nimmt und auf Marc-André ter Stegen setzt. Darüber wird Favre nachdenken unter dem Arbeitstitel: Ist ein Spiel beim FC Bayern München das geeignete Debüt für einen 18-Jährigen?
"Wir werden sehen", sagte Lucien Favre zu diesen und anderen Themen. Dazu gehört offiziell noch der Verbleib in der Bundesliga. Favre sagt, er sei ein "realistischer Optimist". Darum weiß er, dass das Spiel gegen Kaiserslautern Endspielcharakter hatte. Er hat gesehen, dass sein Team mit dem Druck, solche Spiele gewinnen zu müssen, nicht umgehen kann. Zu wenig Spielwitz, zu wenig Aufbäumen, zu viele Fehler, zu viel Angst – das ist eine Mischung, die keinen Platz für Hoffnung lässt.
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