Mönchengladbach: Favre kennt nun die Baustellen
VON ANDRÉ SCHAHIDI - zuletzt aktualisiert: 28.02.2011 - 02:30Mönchengladbach (RP). Lucien Favre ist wirklich kein Lautsprecher. "Natürlich bin ich enttäuscht", war der deutlichste Satz, der Borussias neuem Trainer nach dem 1:2 in Wolfsburg zu entlocken waren. Mehr nicht. Dabei hätte der Auftritt seiner Mannschaft durchaus schärfere Kritik verdient gehabt. Das Ergebnis entsprach nicht im Ansatz dem Spielverlauf: lethargisch, lust- und ideenlos präsentierte sich der Tabellenletzte in der Autostadt – wie ein sicherer Absteiger.
Gut möglich, dass der Sieg vor einer Woche gegen indisponierte Schalker einige Schwachstellen, die Favre in so kurzer Zeit gar nicht hätte reparieren können, überdeckt hat. Beim Gastspiel in Wolfsburg bekam Favre nun die ungefilterte Wahrheit präsentiert. Mit der harten Erkenntnis, dass der Schweizer bis zum Saisonende mit den gleichen Baustellen zu kämpfen hat wie sein Vorgänger Michael Frontzeck.
Zum Beispiel in der Abwehr: Obwohl der Defensivverband durch die Verpflichtungen von Martin Stranzl und Havard Nordtveit sowie der Rückkehr von Dante etwas an Stabilität gewann – die Schwachstellen auf den Außenpositionen sind nicht zu übertünchen.
Sicherlich kann man Tobias Levels und Filip Daems die Bemühungen nicht absprechen. Von Spiel zu Spiel wird jedoch deutlicher, dass beide – vor allem Levels – gehobenen Bundesliga-Ansprüchen nicht (mehr) genügen. Weil Borussia in der Winterpause jedoch nur das Zentrum mit neuem Personal verstärkt hat (Sportdirektor Max Eberl: "Wir haben dort nachgerüstet, wo wir den größten Bedarf sahen"), bleiben die Außen eine Dauerbaustelle in Borussias Spiel. Dabei verfügt Favre über interne Lösungsmöglichkeiten: Tony Jantschke und Jens Wissing, 20 und 23 Jahre alt, haben beide schon ihre Bundesliga-Tauglichkeit unter Beweis gestellt.
Auch in der Offensive sieht die Lage nicht viel besser aus. Juan Arango spielte gegen Schalke hervorragend, trabte in Wolfsburg wieder nur lustlos über den Platz. Und Patrick Herrmann ist zwar ein großes Talent – doch noch folgt sein Niveau zu oft der allgemeinen Leistungskurve der Mannschaft. Und die zeigte in den vergangenen Wochen in schöner Regelmäßigkeit nach unten.
Nun wird Favre die letzten zehn Spiele der Saison mit einem Kader bestreiten müssen, den er nicht zusammengestellt hat. Wäre der 53-Jährige schon zur Winterpause verpflichtet worden – es scheint fraglich, ob dann Spieler wie Mike Hanke oder Michael Fink geholt worden wären. Letzterer kostete 700 000 Euro Leihgebühr und spielt kaum. Mike Hankes Spielstil passt hingegen nicht in das Konzept, das Favre für Borussia vorsieht. So findet sich der Stürmer auf der Bank wieder – aus diesem Grund hatte er Hannover gegen Gladbach getauscht.
Der Trainer sagte auch nach der Niederlage in Wolfsburg, dass er noch an den Klassenerhalt glaubt. Wichtiger ist jedoch, dass er die Baustellen bearbeitet. Dass er das allerdings für die Zweite Liga tut, ist seit Wolfsburg wieder ein bisschen wahrscheinlicher geworden.
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