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Mönchengladbach: Favre denkt von Spiel zu Spiel

VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 20.01.2012 - 02:30

Mönchengladbach (RP). 1999 kam Max Eberl als Spieler nach Mönchengladbach. Heute ist er Sportdirektor. Und er freut sich, dass es erstmals in seiner Zeit bei Borussia ein Spiel gegen die Bayern unter anderen Vorzeichen gibt als dem, dass zwei sportliche Welten aufeinandertreffen. Wenn die Rückrunde heute um 20.30 Uhr (live in der ARD) mit dem Klassiker Gladbach gegen Bayern im lange ausverkauften Borussia-Park beginnt, dann ist es ein Spitzenspiel: Der Vierte fordert den Tabellenführer heraus.

Als die Borussia im Hinspiel 1:0 bei den Bayern siegte, sah die Welt ganz anders aus. Gladbach war im Mai so gerade dem Abstieg entkommen, hatte sich in der Relegation gerettet. Der Triumph in der Allianz-Arena war eine Sensation. Nun aber haben die Borussen die beste Vorrunde seit 35 Jahren gespielt und begegnen den Bayern, die wie gewöhnlich Meister werden wollen, scheinbar auf Augenhöhe. Eberl indes sieht das anders. "Die Bayern sind der Top-Favorit, das ändert sich auch nicht, wenn uns nur vier Punkte in der Tabelle von ihnen trennen. Jeder Verein in der Bundesliga, der gegen die Bayern spielt, ist der Underdog", sagt er. Er kennt diese Welt des Favoriten, denn er hat von der kleinsten Jugendmannschaft bis zu den Profis für die Bayern gespielt. Sein großes Vorbild im Job des Sportdirektors ist deshalb Uli Hoeneß. "Wo andere von Steve Jobs sprechen, von Ghandi und Gorbatschow, ist für mich Hoeneß ein Mensch, von dem man lernen kann", erklärt Eberl.

Bayerns Trainer Jupp Heynckes kennt ebenfalls beide Seiten. Borussia ist sein Verein, hier ist er noch immer bester Torschütze, hier hat er seine Trainerlaufbahn begonnen. Lange Jahre musste er sich sorgen um die Gladbacher, "jetzt freut es mich, dass Borussia wieder im Konzert der Großen mitspielt". Fragt sich nur, welche Rolle das Team von Lucien Favre einnimmt. Gladbachs Verteidiger Martin Stranzl bleibt fest auf dem Boden. "Es wäre vermessen, sich am FC Bayern zu orientieren", urteilt der Österreicher. Borussia 2012 ist noch in der Entwicklung.

Favre definiert seine Mannschaft als Überraschungsteam und bleibt dabei, "von Spiel zu Spiel zu denken". Der öffentliche Trubel um den Abgang von Marco Reus konnte die Borussen nicht ablenken. "Das darf uns nicht beeinflussen", sagt Martin Stranzl. Max Eberl versichert: "Hier herrscht allein Vorfreude auf das Spiel. Alles andere wird von Leuten hineininterpretiert, die den Klub lange nicht mehr besucht haben." Klar ist: Die Bayern möchten sich revanchieren für das 0:1 im Hinspiel, das entspricht dem Selbstverständnis. "Wir wollen jedes Spiel gewinnen", sagt Jupp Heynckes. Der 1:0-Erfolg in München hat den Aufschwung der Borussen befeuert. Könnte umgekehrt nun eine Niederlage – es wäre die erste im eigenen Stadion in dieser Saison – alles Gute umwerfen? "Wir denken nicht an eine Niederlage", beteuert Lucien Favre.

Beide Mannschaften müssen auf einen wichtigen Spieler verzichten. Gladbachs Verteidiger Dante ist ebenso gesperrt wie der Münchner Angreifer Franck Ribéry. Roel Brouwers vertritt den Brasilianer, Toni Kroos den Franzosen.

Quelle: RP


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