Mönchengladbach: Europas beste Talentförderung
VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 30.03.2011 - 02:30Mönchengladbach (RP). Mehr als eine halbe Milliarde Euro haben die Klubs in zehn Jahren in ihre Leistungszentren gesteckt. Die Investitionen machen sich bezahlt, wie nicht nur das Beispiel des früheren Gladbachers Marko Marin zeigt.
Die Fußballwelt staunte, als die deutsche Nationalmannschaft bei der WM in Südafrika munter aufspielte und mit dem blutjungen Thomas Müller den Torschützenkönig stellte. Borussia Dortmunds Jugendriege um Super-Talent Mario Götze ist fast Meister. Und Real Madrid feiert den deutschen Export Mesut Özil. Die Nachwuchsarbeit im deutschen Fußball wurde vor etwas mehr als einer Dekade, als das DFB-Team bei der Europameisterschaft trostlos scheiterte, belacht. Inzwischen ist sie zum Vorzeigemodell geworden, die Uefa kürte sie zur besten des Kontinents. Dass der deutsche Fußball in der Fünf-Jahres-Wertung Italien überholt hat, sei ebenfalls ein Effekt der Einführung der Leistungszentren vor zehn Jahren, sagte Dr. Reinhard Rauball, Präsident der Deutschen Fußball-Liga (DFL), gestern in Mönchengladbach.
Er, DFL-Geschäftsführer Christian Seiffert und Andreas Rettig, Vorsitzender der Kommission Leistungszentren, präsentierten hübsche Zahlen, um die "hervorragende Arbeit der Leistungszentren" (Seiffert), die für alle Profiklubs verpflichtend sind, zu untermauern. Von 524 Bundesligaspielern wurden 274, also mehr als die Hälfte, in einer der 42 Talent-Schmieden ausgebildet. Insgesamt werden in diesen über 5400 junge Fußballer betreut. Am Ende dieser Saison werden die Klubs rund 600 Millionen Euro in die Nachwuchsarbeit investiert haben. "Das ist doppelt so viel wie in der Saison 2002/2003. Die Investitionen zahlen sich aus", sagte Seiffert. Auch das Ausbildungsniveau der Trainer wurde deutlich erhöht. "Wir sind so gut aufgestellt wie seit 50 Jahren nicht", findet DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger.
Bald liegen die Ergebnisse der zweiten Zertifizierungsrunde der Leistungszentren vor. Die erste war in der Saison 2007/2008. Elf Vereine bekamen drei Sterne, die höchste Wertung. Einer der Vereine war Mönchengladbach. Im Borussia-Park zeugt eine lange Reihe von Trikots derer, die es in den vergangenen Jahren aus dem eigenen Nachwuchs ins Profiteam geschafft haben, von erfolgreicher Nachwuchsarbeit. "Es gibt verschiedene Ansätze, die Idee der Leistungszentren umzusetzen. Wichtig ist, dass die Konzepte gelebt werden", sagt Nachwuchsdirektor Roland Virkus. Sieben Talente sind derzeit im Gladbacher Fußballinternat, Die Jugendlichen werden nicht nur sportlich, sondern auch schulisch gefördert. Im August wollen die Borussen mit zwei Lehranstalten der Stadt eine Eliteschule eröffnen.
Die "Verzahnung zwischen Schule und Fußball" soll künftig gefördert werden, sagt Rettig. "Andere Nationen, wie England, sind dabei, uns zu überholen", warnt der Manager des FC Augsburg. Es habe bereits erste Gespräche mit Politikern gegeben, ein Schreiben ging an Bundesbildungsministerin Annette Schavan, berichtete Rettig.
"Wir dürfen uns nicht auf den Erfolgen ausruhen", mahnte Rettig. Die Jungfußballer müssten eine vernünftige Schulbildung haben, diese aber müsse flexibel sein. Dass Talente die Schule abbrechen, um sich nur auf Fußball zu konzentrieren, wie es der Ex-Schalke-und-nun-Wolfsburg-Trainer Felix Magath im Fall Julian Draxler gefordert hat, sei der falsche Weg. "Diese Meinung hat er exklusiv", sagte Andreas Rettig.
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