Effenberg will Borussia Mönchengladbach führen
zuletzt aktualisiert: 27.04.2011 - 02:30Der frühere Nationalspieler über seine Ambitionen, Sportdirektor zu werden, die Chancen der Opposition bei der Wahl und die sportliche Zukunft
Mönchengladbach Stefan Effenberg will Sportdirektor bei Borussia Mönchengladbach werden – und zugleich Vorsitzender der Geschäftsführung. Dieses Modell wird umgesetzt, wenn die Initiative Borussia, die den Verein strukturell und personell reformieren will, bei der Mitgliederversammlung am 29. Mai eine Zweidrittelmehrheit für ihre Satzungsänderungsanträge bekommt. Effenberg ist der neue Frontmann der Initiative, der gestern an der Seite ihres Sprechers Norbert Kox im Düsseldorfer Maritim-Hotel seine Ideen vorstellte. Karsten Kellermann sprach mit dem 42-Jährigen.
Sie machen den Trainerschein. Würde der Sportdirektor-Job parallel laufen?
Effenberg Ja, das wäre in meinen Augen kein Problem, denn ich würde bei Borussia ein sehr gutes Team um mich herum bauen.
Wie kam der Kontakt zur Initiative Borussia zustande?
Effenberg Norbert Kox kam Mitte März auf mich zu. Ich habe mir alles angehört und mir dann Zeit genommen, darüber nachzudenken. Borussia ist für mich eine Herzensangelegenheit. Als ich bei meinem Abschiedsspiel gesagt habe, dass ich helfen werde, wenn es dem Verein nicht gut geht, waren das nicht nur Worte. Ich bin überzeugt, dass in Gladbach etwas passieren muss, und habe mich deswegen entschlossen, mich der Initiative anzuschließen. Ich bin überzeugt davon, dass wir die Wahl gewinnen.
Warum?
Effenberg Wir werden Borussias Fans am 29. Mai die Möglichkeit geben, etwas zu verändern. Auf sie kommt es an, und sie sehnen sich nach Veränderung. Als ich nach dem 1:0 gegen Dortmund das Stadion verließ, kamen viele Leute zu mir und sagten: Stefan, komm zurück, unsere Stimme hast du. Darum bin ich überzeugt, dass wir mit unserem Vorhaben durchkommen. Wir haben gute Pläne, Borussia wieder dahin zu bringen, wo sie hingehört.
Für Sie wird der Job als Manager Neuland sein.
Effenberg Das ist richtig. Ich habe mich intensiv damit beschäftigt. Ich werde dann aber auch richtig gute Leute aus der Wirtschaft im Rücken haben. Es geht bei mir in erster Linie um die sportliche Kompetenz. Ich habe sehr gute nationale und internationale Kontakte – und wenn der Schuh drückt, werde ich mir Rat bei Uli Hoeneß holen.
Sie haben mit ihm in München gearbeitet. Was nehmen Sie aus diesen Erfahrungen mit?
Effenberg Die Art und Weise, wir er mit den Spielern geredet hat, wie er mit ihnen umgegangen ist. Wir hatten nicht nur ein sportliches, sondern auch ein sehr freundschaftliches Verhältnis.
Käme Ihnen und der Initiative ein Abstieg Borussias entgegen?
Effenberg Nein. Ich habe mich genau wieder jeder Fan über die Siege gegen Köln und Dortmund gefreut. Wir wünschen uns, dass Borussia die Klasse hält. Wir sind aber auf alles vorbereitet.
Hat Borussias Team die Qualität, die Liga zu halten?
Effenberg Ja. Die Handschrift von Trainer Lucien Favre ist erkennbar. Ich kenne seine akribische Arbeit. Das Team spielt jetzt gut. Mit Marc-André ter Stegen, Dante und Marco Reus ist eine gute Achse da, die braucht jeder Verein. Über Details rede ich aber erst, wenn wir gewählt sind. Ich würde aber alles daran setzen, diese Spieler zu halten. Bei mir wäre die Mannschaft der Star und nicht, wie Rolf Königs vor einiger Zeit gesagt hat, das Stadion.
Reus und Dante sind auch für andere Klubs interessant – möglich, dass sie gehen, wenn Gladbach absteigt. Wie wollen Sie das verhindern, falls Sie in verantwortlicher Position sind?
Effenberg Reden. Ich denke, dass ich die Jungs von dem, was wir vorhaben, überzeugen kann und werde.
Auch die Fans?
Effenberg Ja. Ich garantiere, dass die Seele des Vereins nicht verkauft wird, was viele ja befürchten. Ich werde nah dran sein an den Fans, und wir werden zu ihnen gehen, um unsere Ideen vorzustellen.
Warum haben Sie sich bislang nicht bei Borussia eingebracht?
Effenberg Vor über vier Jahren habe ich Präsident Rolf Königs angerufen und meine Hilfe angeboten. Damals sagte er mir, ich würde nicht gebraucht. Nun muss er sich an dem messen lassen, was er gesagt hat: am sportlichen Erfolg.
Wie wollen Sie den schaffen?
Effenberg Vor allem geht es darum, dass die Fans wieder mit Spaß, Freude und Stolz ins Stadion gehen. Wir müssen eine Aufbruchstimmung erzeugen.
Jetzt weiterlesen und die Rheinische Post testen.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum



