Mönchengladbach: Effenberg scheitert in Gladbach
VON KARSTEN KELLERMANN UND ANDRÉ SCHAHIDI - zuletzt aktualisiert: 30.05.2011 - 02:30Mönchengladbach (RP). Borussias Mitglieder lehnen mit großer Mehrheit den Antrag der Opposition ab, die Vereinssatzung zu ändern. Die Gruppe um den ehemaligen Nationalspieler verfehlt damit ihr Ziel. Rund 5000 Menschen waren zur Klubversammlung in den Borussia-Park gekommen.
Der "Tiger" stand erstmal im Stau. Es war viel los rund um den Borussia-Park in Mönchengladbach, und Stefan Effenberg kam nicht voran. Um 13 Uhr kam er dann an, just zu dem Zeitpunkt, als Borussias Mitglieder vor ihrer Generalversammlung Trainer Lucien Favre feierten. Dafür erhoben sie sich von den Plätzen. Favre hatte das Team in der Relegation vor dem Abstieg gerettet.
Knapp vier Stunden später entschieden die Gladbach-Freunde, dass Effenberg keine Rolle in der Zukunft des Klubs spielen wird. Der Satzungsänderungsantrag der Initiative Borussia, die erst die Strukturen des Klubs verändern und nebenbei das gesamte Führungspersonal stürzen wollte, wurde von 93 Prozent der Mitglieder abgelehnt. Für eine Satzungsänderung wäre eine Zweidrittel-Mehrheit notwendig gewesen. Und weil über 5000 Menschen zur Versammlung gekommen waren, hätte die "Initiative über 3100 Stimmen holen müssen. Sie ist kläglich gescheitert.
Und damit auch die Idee der Opposition, Effenberg als Vorstand der Geschäftsführung und Sportdirektor zu installieren. "Ihr könnt nach Hause fahren", brüllten die Fans Effenberg, dem ehemaligen Spieler und Trainer Horst Köppel, der im Schattenkabinett Präsident war, und ihren Mitstreitern zu, während die Stimmen gezählt wurden.
Effenberg hatte da offenbar längst realisiert, wie die Stimmung im Park war. Er hatte das Stadion bereits um um 16.40 Uhr verlassen. Dabei war der frühere Kapitän der Borussia so siegessicher gewesen. "Wir werden gewinnen", hatte er in der Öffentlichkeit immer wieder betont. Vielleicht dachte er aber schon anders, nachdem er bei einem Treffen mit Fans erfahren hatte, dass die Opposition, die ihn zur Führungsfigur gemacht hatte, im Klub keinen großen Rückhalt hat. Sein Kampfgeist und sein gut entwickeltes Selbstvertrauen, mit dem er auf dem Platz viele Spiele umgebogen hatte, ließen ihn aber an der Realität vorbeischauen.
Der Mann, den er vor allem stürzen wollte, ist Max Eberl, der Sportdirektor. Der nutzte die Gelegenheit und machte in einer kämpferischen Rede großen Eindruck. Die meisten der 5000 Mitglieder feierten den in einigen Internetforen hart attackierten Manager. Auch dafür standen sie von ihren Sitzen auf.
Effenberg, der seine große sportliche Kompetenz in die Waagschale werfen wollte, wurde durchweg ausgebuht. Und er bekam ein eindeutiges Votum gegen sich. Nur sieben Prozent der Stimmen bekam der Antrag, für den er stand – die grünen Stimmkarten der Mitglieder waren zugleich die Rote Karte für Effenberg.
Der Mann, der einen Raketenstart in eine Machtposition hinlegen wollte, wurde von der Basis brutal ausbremst. Max Eberl, der amtierende Sportdirektor, tat derweil, was Eberl, der Spieler, am besten konnte: Er kämpfte, nur eben nicht um den Ball, sondern mit Worten.
Effenberg saß mit Horst Köppel im Plenum auf der Südtribüne und musste tatenlos zusehen, wie sein Plan, die Macht im Staate Borussia zu übernehmen, nicht aufging. Effenberg hatte zwar "eine emotionale und gute Rede vorbereitet, aber ich habe ihm geraten, sie nicht zu halten", sagte Norbert Kox, einer der Initiatoren der Initiative. Diese Oppositionsgruppe gibt es nun nicht mehr. "Jetzt oder nie", hatte Effenberg im Vorfeld angekündigt. Die Fans sagten mit ihrem Votum: "Initiative, nein danke!" Und meinten auch "Effe, nein danke."
Heftige Kritik gab es derweil aber auch an Präsident Rolf Königs, dem einige Fans vehement den Rücktritt nahelegten. Königs indes bleibt dabei: "Ich bin bis 2013 gewählt und sehe das als Verpflichtung an." Stefan Effenberg sah es indes als seine Verpflichtung an, Borussia nach vorn zu bringen. Das kündigte er vollmundig an, ohne aber ein Konzept zu präsentieren.
Das hielten ihm gestern einige Fans vor. Das richtige Konzept hatten offenbar auch nach Ansicht der meisten Klubmitglieder dagegen Eberl und Favre, die für Borussia einen Rettungsplan entwarfen, der letzten Endes aufging. Eberl war deshalb einer der Gewinner des Tages – und Favre war ohnehin jedermanns Liebling im Borussia-Park. Er bekam minutenlangen Applaus, schon als er das Stadion betrat und auch später, als er den Fans seinen Dank für ihre Unterstützung im Abstiegskampf aussprach.
Den Trainer an den Anfang einer brisanten Veranstaltung zu stellen, war ein gelungener Schachzug der Borussia-Führung. So stand zunächst der Sport und somit die Erleichterung über den Verbleib in der Bundesliga im Zentrum der Emotionen.
Horst Köppel, einst Meisterspieler bei Borussia Mönchengladbach, hatte im Verlauf der Versammlung bereits "gemerkt, dass wir nicht durchkommen". Sein ehemaliger Mitspieler Rainer Bonhof, Vizepräsident im Präsidium von Rolf Königs, hatte sich schon vor der Versammlung sehr irritiert über die mögliche Kandidatur Köppels geäußert. Dazu wird es nun nicht mehr kommen, weil die "Initiative" seit gestern Geschichte ist.
Über das Ergebnis der Abstimmung zeigte sich Köppel "enttäuscht". Von Stefan Effenberg, der der Opposition erst ein Gesicht gegeben hatte, gab es keine Einlassungen zum Thema. Er entschwand aus dem Borussia-Park – und dürfte, da er einer der ersten war, die das Stadion an diesem späten Nachmittag verließen, auf dem Heimweg auch nicht im Stau gestanden haben.
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