Duell der Zimmerkollegen
VON ANDRÉ SCHAHIDI - zuletzt aktualisiert: 15.10.2011 - 02:30Beim Nationalteam teilten sich Gladbachs Marco Reus und Leverkusens André Schürrle ein Zimmer. Jetzt spielen sie gegeneinander. Die Torhüter beider Teams verkrafteten eine gemeinsame Unterbringung nicht so gut.
Mönchengladbach/Leverkusen Beim Nationalteam verbrachten sie den ganzen Tag zusammen, teilten sich ein Zimmer – und wurden Freunde. Heute stehen sich Marco Reus und André Schürrle als Kontrahenten gegenüber, wenn ihre Klubs Borussia Mönchengladbach und Bayer Leverkusen in der Bundesliga gegeneinander antreten.
"André und ich haben uns bei der Nationalmannschaft echt gut verstanden", sagt Reus, der seine ersten Minuten im Dress des Deutschen Fußball-Bundes genossen hat. "So richtig realisiert habe ich aber erst am nächsten Tag, dass ich jetzt tatsächlich Nationalspieler bin." Das Trikot des ersten Spiels gegen die Türkei ging prompt an die Familie, es soll dort "ein schönes Plätzchen" erhalten.
Zimmerpartner Schürrle ist in puncto Nationalteam erfahrener. Auch wenn er mit seinen 21 Jahren noch etwas jünger ist als Reus (22), war die Partie gegen Belgien bereits sein zehntes Länderspiel. Fünf Tore erzielte Schürrle bereits für Deutschland. Das letzte am Dienstag gegen Belgien, als er seine Schnelligkeit zum 2:0 ausnutzte. "Ein perfekter Konter", sagt Schürrle, der sich nachhaltig um einen Stammplatz bewirbt. "Das ist das Ziel", sagt er selbstbewusst.
Eine Situation, von der Reus noch weit weg ist. Weil Verletzungen so häufig seinem Debüt für Deutschland im Weg standen, muss er sich jetzt hereinkämpfen in das Nationalteam. "Nur weil ich jetzt zwei Länderspiele gemacht habe", sagt er demütig, "heißt das noch lange nicht, dass ich wer weiß was bin."
Mit seinem Ex-Zimmerkollegen Schürrle hat Reus bereits über das bevorstehende Duell gesprochen. "Wir freuen uns beide wahnsinnig auf das Spiel", sagt Reus. "Ich bin echt heiß, den Sieg zu holen." Es wäre für Borussia der erste Heimsieg gegen Leverkusen seit 1989. Doch egal wie die Partie ausgeht: Der freundschaftliche Draht bleibt auch nach dem Spiel.
Das ist nicht immer so. Denn dass Nächte im gemeinsamen Zimmer nicht zwangsläufig zur Kumpelei führen, bewiesen die Torhüter beider Teams ziemlich eindrucksvoll. Gladbachs Marc-André ter Stegen und Bayers Bernd Leno sind sich – vorsichtig formuliert – überhaupt nicht grün. Seit sich die beiden jungen Keeper auf einer Reise mit der U19-Nationalmannschaft wegen Differenzen im Bereich der Schlaf-Angewohnheiten angebrüllt haben sollen, gilt das Verhältnis der beiden als belastet. Zusätzlich wohl noch angefacht durch Lenos Versprecher bei seiner Vorstellung in der Bay-Arena, als er über den Umgang mit ter Stegen sagte, man müsse auf dem Platz schließlich "respektlos miteinander umgehen".
Gladbachs Torhüter, der sportlich gegen Leno meist die Nase vorn hatte, redet ungern über das Thema, will lieber Leistung sprechen lassen. Leno hat jedoch ein Handicap – er hat sich den kleinen Finger der linken Hand ausgekugelt und muss mit einem eigens für ihn angefertigten Spezialhandschuh auflaufen. Immerhin: Leno kann noch spielen. Auf beiden Seiten fallen einige Akteure aus, allen voran Tranquillo Barnetta und Renato Augusto bei Bayer sowie Torjäger Igor de Camargo bei Borussia.
Die vier Ex-Zimmerkollegen sind jedoch fit. Sie stehen heute auf dem Platz und freuen sich auf das Duell – aus unterschiedlichen Gründen.
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