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Der Münchner Maximalist

VON ROBERT PETERS - zuletzt aktualisiert: 29.07.2009 - 02:30

"Ich will jedes Spiel gewinnen", sagt Anatoli Timoschtschuk, der Mittelfeldspieler aus der Ukraine. Der 30-Jährige möchte bei den Bayern seine Titelsammlung vergrößern.

Düsseldorf/München. Er ist schnell bei den Großen angekommen. Wenn sich Bayern Münchens Spieler heute für ihr Privatturnier mit den Boca Juniors Buenos Aires, Manchester United und AC Mailand aufwärmen, dann kickt Anatoli Timoschtschuk nicht mit den Nachwuchskräften. Er schiebt sich die Kugel mit den Platzhirschen im Team zu, und er streut dabei Beweise für seine außerordentliche Begabung im Umgang mit dem Ball ein. So war es bereits in den vergangenen Wochen. Es schadet eben nicht, den Kollegen und den Anhängern deutlich zu machen, dass hier ein Star bei der Arbeit ist.

Timoschtschuk unterstreicht das gern auch außerhalb des Rasenvierecks. Zum Valentinstag 2008 schenkte der damalige Kapitän von Zenit St. Petersburg seiner äußerst glamourösen Gattin Nadjeschda ein Luxus-Penthouse in einem Wolkenkratzer in Dubai. Natürlich hat der Ukrainer das der Öffentlichkeit unverzüglich verraten. Sie soll ruhig wissen, dass sich da einer was leisten kann. Timoschtschuk verdankt das nötige Kleingeld schließlich auch dem Verhandlungsgeschick seiner Frau. Die Ober-Bayern Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß können bezeugen, wie hart sie die Interessen ihres Gatten vertreten kann. Und es gibt Wegbegleiter des ukrainischen Fußballhelden, die glaubhaft versichern, dass die Dame seines Herzens daheim ebenfalls den Ton angibt.

Timoschtschuk kommentiert dergleichen nicht. Gegen das Image der Beckhams von St. Petersburg aber, das ihm Zeitzeugen anhängen wollten, nur weil er sich schon mal einen Fuhrpark von vier Luxus-Mercedes gönnt und mit einem persönlichen Hofstaat aus Masseurin, Koch und Pressesprecher nach München kam, wehrt er sich. Das sei "alles Quatsch", beteuert er, "ich bin nur ein Fußballspieler".

Und was für einer. Timoschtschuk gehört zu den seltenen Exemplaren seiner Berufsgattung, die überragendes taktisches Geschick mit Kampfkraft, Laufstärke, Ballgefühl und Torgefährlichkeit vereinen. Er ist ein perfekter Mittelfeldspieler und eine geborene Führungskraft. Bewiesen hat er das bereits bei Schachtjor Donezk, wo er von 1998 bis 2007 spielte. Mit ihm als prägender Figur im Mittelfeld und den Millionen des Oligarchen Rinat Achmetow stieg der zuvor eher unbedeutende Klub zum Titelsammler und regelmäßigen Gast in der Champions League auf. Zeitgleich beflügelte das Talent des Kapitäns mit dem langen blonden Haar die Nationalelf der Ukraine, die Timoschtschuk 2006 in Deutschland bis ins Viertelfinale der WM führte.

Das sprach sich herum. Und deshalb griffen die von Gazprom überaus großzügig unterstützten St. Petersburger bis zum Ellenbogen in ihre Kasse, um den Spieler zu verpflichten. 15 Millionen Euro betrug die Ablösesumme, und Nadjeschda Timoschtschuk verhandelte gleich noch eine Klausel ein, nach der ihr Mann 2009 für eine festgelegte Summe den Verein wechseln dürfe. In Zenits Vorstandsbüro soll mächtig mit den Zähnen geknirscht worden sein. Als das Team anschließend Meister und Uefa-Pokal-Sieger wurde, legte sich das.

Timoschtschuk will nun in Deutschland Titel sammeln. Und wenn es nach seinem Lebensmotto geht, wird das sogar gelingen. Es lautet: "Ich bin Maximalist, ich will jedes Spiel gewinnen." Von welcher Position er dazu beiträgt, sei ihm gleichgültig, versichert er. "Wenn's sein muss, spiele ich sogar im Sturm", hat er gesagt. Artig.

Quelle: Rheinische Post

 
 
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