Der DFB sagt das Spiel gegen Chile ab
VON FRIEDHELM KÖRNER - zuletzt aktualisiert: 12.11.2009 - 02:30Erst stockt die Stimme, dann versagt sie. "So, wie ich jetzt fühle, fühlen auch die Spieler", berichtet Oliver Bierhoff von den Empfindungen der Nationalmannschaft nach dem Tod von Robert Enke. Dann hält er inne, er weint, wischt sich Tränen aus den Augen. DFB-Präsident Theo Zwanziger, der neben ihm sitzt, ergreift einen Arm des Teammanagers. Eine Geste, die in diesen Augenblicken trösten soll. Beruhigen.
Bierhoff war es, der am Abend zuvor den Spielern beim Essen die traurige Nachricht überbracht hat. Insbesondere Kapitän Michael Ballack, der den Torwart seit dem 13. Lebensjahr kannte, und Enkes früherer Hannoveraner Mannschaftskamerad Per Mertesacker hätten sehr emotional reagiert. Auch Bierhoff ist fassungslos, auch er hat nie etwas vom Leiden des Torhüters gespürt. "Wir haben ihn immer als stabil und gefestigt kennengelernt", sagt er. Enke sei ein Mensch gewesen, "der immer ein Lächeln hatte, immer positive Ausstrahlung auf die Mannschaft". Auch deshalb sei er für die Planungen "ein ganz wichtiger Spieler" gewesen und "für die Mannschaft ein wichtiger Halt".
Theo Zwanziger kündigt an, dass die DFB-Auswahl sich von Sonntag an in Düsseldorf auf das Spiel gegen die Elfenbeinküste (Mittwoch in Gelsenkirchen) vorbereiten wird. Dann meldet sich doch noch einmal Oliver Bierhoff zu Wort. Es habe den Gedanken gegeben, das für Samstag geplante Treffen mit Chile als Abschiedsspiel für den toten Teamgefährten auszutragen, sagt er. Man habe den Gedanken jedoch wieder verworfen. Eine solche Begegnung, so die Auffassung, wäre zu früh gekommen. Zwanziger nennt die Entscheidung, sie abzusagen, alternativlos.
Die Pressekonferenz des DFB in Bonn – sie hat schon Züge einer Trauerfeier, beginnt mit einer Gedenkminute und endet ohne Nachfragen von Journalisten, obwohl so viele Fragen offenbleiben nach dem furchtbaren Ereignis am Vorabend. Theo Zwanziger berichtet von seinem Gespräch mit dem Spielerrat – Michael Ballack, Philipp Lahm, Miroslav Klose, Per Mertesacker und Bastian Schweinsteiger. Einem Gespräch, auf dessen Inhalt und Ernsthaftigkeit er sehr stolz sei. "Ich habe Spieler erlebt", so der DFB-Präsident, "die nicht sofort wieder zur Tagesordnung übergegangen sind, die ehrliche Trauer zeigen und auch deutlich machen, dass man zum Trauern Zeit braucht". Allen sei klar gewesen: "Wir können das Länderspiel am Samstag gegen Chile in Köln nicht durchführen. Wir brauchen Zeit, um auch wirklich alles aufzuarbeiten und nicht oberflächlich mit den Dingen umzugehen." Die Bereitschaft des chilenischen Verbandes und seiner Mannschaft, der DFB-Bitte um eine Absage nachzukommen, sei eine große Geste. Die Chilenen hätten zu verstehen gegeben, dass sie genau so gehandelt hätten.
Der deutsche Fußball sei es Robert Enke schuldig, Antworten auf die Frage zu finden, weshalb ein umjubelter, als Idol gefeierter Leistungssportler in eine solche Situation kommen könne. Die Frage nach dem Warum könne er in diesem Moment nicht beantworten, erklärt Zwanziger und beschreibt Enke: "Ein großartiger junger Sportler, ein erfolgreicher Fußballer, bei allen Klubs angesehen, ein junger Mann mit einem tollen Charakter, einer super Ausstrahlung und bescheidenem Auftreten." Die Erinnerung an ihn müsse "einhergehen mit dem Nachdenken", was der DFB besser mache könne. Denn der Verband habe nicht nur Spitzen-, sondern auch zweieinhalb Millionen Freizeitsportler.
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