München: De Camargo überlistet Neuer
VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 08.08.2011 - 02:30München (RP). Borussia Mönchengladbachs Angriffsspieler erzielt nach einem Fehler des Nationaltorwarts den Treffer zum 1:0-Erfolg beim Rekordmeister Bayern. Es ist erst der zweite Erfolg der Borussen in München.
Als Babak Rafati den finalen Pfiff tat gestern Abend in der Münchner Allianz-Arena, gab es für die Spieler von Borussia Mönchengladbach kein Halten mehr. Igor de Camargo war der umjubelte Held des Tages. Erst hatte sich der Brasilianer mit belgischem Pass in der 59. Minute irregulär die Freiheit verschafft, um den Ball ins Münchner Tor zu befördern. Rafati pfiff ab. Dann aber war de Camargo wieder zur Stelle, als ein langer Ball von Roel Brouwers zu ihm flog. Er köpfte den Ball über Nationaltorwart Manuel Neuer, der sich ein folgenschweres Missverständnis mit seinem Nationalmannschaftskollegen Jerome Boateng leistete, hinweg ins Netz. 1:0 für die Mannschaft von Trainer Lucien Favre. Es war das Siegtor.
Und es war ein historischer Erfolg in der Arena. Erst einmal hatte die Borussia in der Bundesliga bei den Bayern gewonnen – vor 16 Jahren. Natürlich war Trainer Lucien Favre überglücklich. "Die Spieler wussten, dass das eine enge Kiste wird", sagte der Schweizer, "aber sie wussten auch, dass etwas Außergewöhnliches möglich war." Den zweiten wesentlichen Beitrag dazu, dass dieses Außergewöhnliche dann eintrat, leistete Marc-André ter Stegen: Der erst 19 Jahre alte Torhüter spielte ruhig und abgeklärt, und er hielt in der Schlussphase mit starken Paraden den Sieg fest. "Teilweise haben wir uns da zu weit hinten reindrücken lassen", erklärte sein Trainer, "aber wir haben am Ende das Glück provoziert." So sagen das die Schweizer, wenn sie meinen: Wir haben das Glück erzwungen.
Es stand den Gästen zur Seite, als Thomas Müller Zentimeter im Abseits postiert war, als ihm der vermeintliche Ausgleich gelang. Und die Borussia war bestens bedient, als ein Kopfball des Nationalstürmers Mario Gomez an den Pfosten klatschte.
Darüber hinaus aber verteidigte die Mannschaft vom Niederrhein sehr gekonnt. Auch die gefürchteten Außen der Bayern kamen nicht wie gewünscht zum Zug. Arjen Robben lief sich häufig von rechts kommend in der Mitte fest. Und Franck Ribéry brachte nach seiner Einwechslung zwar Schwung, aber keine ganz klaren Aktionen.
Dennoch waren die Bayern über weite Strecken das überlegene Team. Zu Anfang wurde den Borussen ein wenig Aktion nach vorn gestattet, mehr und mehr aber spielte sich das Geschehen vor dem Gladbacher Tor ab. Favre stand oft am Rand der Coachingzone und gestikulierte. Lange Zeit war zu wenig Ruhe im Aufbauspiel seines Teams, zu oft gingen Bälle verloren, vor allem im zentralen Mittelfeld bei Havard Nordtveit und Roman Neustädter. Erst im Verlauf der zweiten Hälfte wurde die Borussia besser.
Vielleicht hatten die fast 10 000 Gladbach-Freunde in der ausverkauften Arena für die richtige Einstellung gesorgt. Sie beflügelten zumindest den Kampfgeist ihrer Elf, die sich in der Defensive gut organisiert und beherzt dem Rekordmeister stellte.
Das zahlte sich aus, je länger die Partie andauerte. Die Borussen wurden kecker, ihre Konter präziser. Vor allem Arango, der erst am Dienstag von der Copa America zurückgekehrt war, fädelte die Angriffe ein. Da er und auch sein Pedant im rechten Mittelfeld, Marco Reus, fleißig nach hinten arbeiteten, gehörten beide Außenbahnspieler zu den besten Borussen. Igor de Camargo blieb hingegen lange Zeit unauffällig. Bis er zweimal traf – und mit dem einen regulären Treffer die Sensation in München perfekt machte.
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