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Das Duell der Freunde

VON ANDRÉ SCHAHIDI - zuletzt aktualisiert: 23.04.2011 - 02:30

Kevin Großkreutz und Marco Reus verbrachten ihr halbes Fußballleben gemeinsam. Heute spielen sie gegeneinander: Der Gladbacher Reus gegen den Abstieg, der Dortmunder Großkreutz um die Meisterschaft.

Mönchengladbach/Dortmund Der Weg, er war so lange ein gemeinsamer. Kevin Großkreutz und Marco Reus kennen sich ein halbes Leben. Sie sind Freunde, beide geboren in Dortmund, sie spielten jahrelang in den gleichen Mannschaften – und doch, ihre Ausgangssituationen könnten heute nicht unterschiedlicher sein. Während der eine, Großkreutz, heute Abend Deutscher Fußball-Meister werden kann, kämpft der andere mit seinem Team verzweifelt gegen den drohenden Bundesliga-Abstieg. Borussia Mönchengladbach gegen Borussia Dortmund, Letzter gegen Erster, Reus gegen Großkreutz.

Marco Reus will gar nicht zu viele Worte verlieren, was die Begegnung angeht. "Klar, Kevin und ich sind Ferunde", sagt der in der Regel reichlich wortkarge Gladbacher. "Aber wir brauchen die drei Punkte dringend." Großkreutz erzählt zwar gerne, dass Dortmund "den geilsten Fußball" spiele, und "wir unser Ding machen", doch ein wirklicher Lautsprecher ist auch er nicht – bei den brisanten Fragen grinst er nichtssagend-vielsagend.

Spielerisch sind beide durchaus unterschiedlich. Reus glänzt durch eine unglaubliche Schusstechnik, durch Dribbelstärke und Geschwindigkeit, während Großkreutz, ebenfalls Stürmer, durchaus als Duracell-Hase durchgehen könnte. Er macht eben sein Ding. Und läuft.

2002 trennten sich die Wege der beiden zum ersten Mal. Großkreutz wechselte damals zu Rot-Weiss Ahlen, während sich Reus weiter in der Jugend des BVB durchkämpfte, seinem Freund vier Jahre später jedoch nach Ahlen folgte. Dort machten beide den Aufstieg in die Zweite Liga perfekt und spielten gemeinsam ein Jahr im Fußball-Unterhaus. Dann schieden sich die Wege erneut: Großkreutz wechselte ablösefrei nach Dortmund, Borussias Sportdirektor Max Eberl legte rund eine Million für Reus auf den Tisch. Gut angelegtes Geld, ist der Blondschopf doch inzwischen mindestens das Sechsfache wert – er wartet, im Gegensatz zu Großkreutz, aber immer noch auf sein erstes Länderspiel.

Doch das Duell Gladbach gegen Dortmund ist nicht nur das Aufeinandertreffen zweier alter Freunde. Es ist für Mönchengladbach von existenzieller Bedeutung. Drei Punkte Rückstand sind es für das Team von Trainer Lucien Favre auf den Relegationsplatz. Eine Niederlage gegen den designierten Deutschen Meister könnte das rettende Ufer schon in unerreichbare Ferne rücken lassen – das Horrorszenario wäre komplett: Dortmund feiert auf Gladbacher Rasen den Titel, während sich der Gastgeber in die Zweite Liga schleicht.

"Die Chance auf einen Sieg ist da", betont Reus nachdrücklich. Obwohl Dortmund mit acht Punkten die Tabelle anführt. Obwohl sein Trainer Favre viel Zeit damit verbringen kann, die Vorzüge des BVB aufzuzählen. Und obwohl Gladbach unter Personalnot leidet – Igor de Camargo hat das Training gestern abgebrochen, Verteidiger Dante (Muskelverhärtung) fällt ebenfalls aus.

Keine guten Voraussetzungen also für die aktuell "kleine" Borussia. Marco Reus, wird schon mit Borussia Dortmund und Bayern München in Verbindung gebracht. Doch Borussias Star, mundfaul wie immer, sagt dazu nichts. Wo er denn in Zukunft spiele, wird Reus gerne mal gefragt. "In Gladbach", sagt dann der 21-Jährige. Auch beim Abstieg? Die Antwort ist, auch vor dem Schicksalsduell gegen Dortmund, immer die gleiche: "Wir steigen nicht ab."

Quelle: RP


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