Bremen: Dante macht Gladbach Mut
VON ANDRÉ SCHAHIDI - zuletzt aktualisiert: 14.03.2011 - 02:30Bremen (RP). Mit seinem Kopfballtor in der Nachspielzeit zum 1:1 bei Werder weckte der brasilianische Innenverteidiger neue Hoffnung. Zuvor war die Mannschaft von Trainer Lucien Favre die deutlich unterlegene Mannschaft.
Der Mann mit der Maske ist ein gefragter Gesprächspartner in diesen Tagen bei Borussia Mönchengladbach. Der auffällige blaue Gesichtsschutz, den Verteidiger Dante tragen muss, um seine lädierte, gebrochene Nase zu schützen, ist Thema jeder Unterhaltung mit dem 27-Jährigen. "Sie nervt mich", sagt Dante zu seiner ständigen Begleiterin auf dem Spielfeld. "Wenn ich nach links oder rechts gucke, sehe ich nur blau." Der eingeschränkte Blick hinderte Dante dennoch nicht daran, sich erfolgreich als "Dieb" zu betätigen, indem er in der Nachspielzeit in Bremen den Ball nach einem Freistoß von Juan Arango völlig überraschend zum 1:1 ins Tor köpfte. Er entführte mit Borussia so einen im Abstiegskampf extrem wichtigen, aber unverdienten Punkt.
"Zum Glück habe ich den Ball mit der Stirn getroffen", sagt Dante. "In der ersten Hälfte habe ich ihn einmal vor die Nase bekommen – das tat weh. Trotz Maske." An die Schmerzen denken will der Brasilianer jedoch nicht. "Der Punkt ist wichtig für uns. Die Mannschaft hat gesehen, dass es sich lohnt, bis zum Schluss zu kämpfen."
Kampfgeist in allen Ehren – ein bisschen wurden die Erinnerungen wach an den Spätwinter vor zwei Jahren. Damals, im Februar 2009, war es Logan Bailly, der in Bremen mit fast 40 Paraden Werder verzweifeln ließ und Borussia irgendwie einen Punkt im Weserstadion rettete, weil Michael Bradley spät den Ausgleich erzielte. Ganz so schlimm war es am Samstag nicht – dennoch durfte Lucien Favre froh sein, dass seine Mannschaft mit nur einem Tor Rückstand in die Pause ging. In der ersten Halbzeit spielte Werder die Borussia phasenweise schwindelig. Sandro Wagners Kopfball in der Beginnphase traf den Pfosten, Tim Borowski knallte den Ball an die Latte (44.). Und zwischendurch war Bailly da, der seine Mannschaft mit einigen Paraden im Spiel hielt.
Nur einmal war der Belgier machtlos. Eine Flanke des besten Bremers, Claudio Pizarro, köpfte Wagner kurz vor der Halbzeitpause unbedrängt ins lange Eck – keine Chance für Bailly. Chancen für Borussia waren derweil so richtig keine zu verzeichnen. Den ersten gezielten Schuss aufs Tor gab Marco Reus erst in der 86. Minute ab. Ein Weckruf für Borussia, die danach endlich auf den Ausgleich drückte, sogar Chancen bekam. Und Glück hatte, weil der eingewechselte Marko Arnautovic eine Minute vor dem Schlusspfiff allein vor Bailly nur den Außenpfosten traf.
Am Ende jedoch durfte Borussia ihn dennoch feiern, den unverhofften Punktgewinn. Dieser darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass beim Spiel in Bremen erneut einiges im Argen lag. Borussia kam nicht in die Zweikämpfe, der Mannschaft versprangen viele Bälle. Vor allem wurde deutlich, dass in Favres Spielsystem Roman Neustädter mit dem Part des Spielgestalters überfordert ist – der 23-Jährige brauchte so lange, jeden Ball unter Kontrolle zu bringen, dass an Angriffsspiel schon gar nicht mehr zu denken war. Hier fehlt ein Bradley, der jedoch in der Winterpause nach England ausgeliehen wurde.
Der Masken-Mann wollte gar nicht so tief in die Analyse einsteigen. "Egal, ob wir schlechte Spiele machen, du musst den Kopf oben halten. Ich habe diese Qualität, versuche, meine Mitspieler zu motivieren." Dies gelang ihm in Bremen offenbar gut. Denn der Punkt in Bremen war zwar nicht verdient – neue Hoffnung im Abstiegskampf weckt er aber trotzdem.
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