Berlin: Daems schießt Borussia ins Glück
VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 09.02.2012 - 02:30Berlin (RP). Mit einem umstrittenen Foulelfmeter stellte der Gladbacher Kapitän die Weichen zum Einzug ins Halbfinale des DFB-Pokals. Am Ende siegte die Favre-Elf 2:0 nach Verlängerung bei Hertha BSC.
Borussia Mönchengladbach hat das Halbfinale des DFB-Pokals erreicht. Kapitän Filip Daems verwandelte in der neunten Minute der Verlängerung des Pokal-Viertelfinales bei Hertha BSC Berlin einen Elfmeter zum 1:0, Oscar Wendt erhöhte zum 2:0-Endstand. Vor dem Führungstreffer hatte Roman Hubnik Gladbachs Igor de Camargo im Strafraum angerempelt – und de Camargo hatte die Einladung angenommen. Er fiel zu Boden, und zur Überraschung der meisten Beobachter pfiff Schiedsrichter Felix Brych Strafstoß.
"Der Brych sieht als einziger Mensch in ganz Deutschland hier einen Elfmeter. Unfassbar, unfassbar", polterte Herthas Trainer Michael Skibbe. Hubniks Kurzschlussreaktion verhalf jedenfalls den Borussen zur ersten Halbfinal-Teilnahme seit 2004. Der Herthaner sah zudem die Rote Karte.
Für die Borussen entwickelt sich der DFB-Pokal nicht nur zu einer sportlichen Großchance auf einen Titel. Der Wettbewerb ist durch den Halbfinal-Einzug auch finanziell sehr lukrativ geworden. Rund zwei Millionen Euro brachte schon der Vorstoß bis ins Viertelfinale, noch einmal so viel wird das Halbfinale in die Kasse spülen.
Borussias Trainer Lucien Favre musste auf Martin Stranzl verzichten. Für den Österreicher sprang, wie beim 0:0 in Wolfsburg, Roel Brouwers ein. Bei Hertha kehrte ein Hoffnungsträger nach seiner Rotsperre zurück: Raffael. "Er macht Hertha besser", vermutete Favre, der den 26-Jährigen 2008 aus Zürich nach Berlin geholt hatte.
Bei minus sieben Grad im Olympiastadion entwickelte sich die Partie nur langsam. Hertha war insgesamt bemühter. Die Botschaft von Trainer Michael Skibbe, das Pokalspiel sei die Chance, den Negativtrend in der Liga zu stoppen, scheint angekommen zu sein bei den Spielern.
Borussias Spiel nach vorn war nicht so flüssig wie gewohnt, zu schematisch war der Spielaufbau. Nur Einzelaktionen von Patrick Herrmann sorgten für etwas Stress bei den Berlinern. Die hatten nach 30 Minuten die erste Tormöglichkeit. Raffael schoss ans Außennetz. Da landete sieben Minuten später auch der Schuss von Pierre-Michel Lasogga. Das war es aber auch schon, was dieses Spiel über weite Strecken zu bieten hatte. Borussia wurde der Favoritenrolle, die sie angesichts der Bundesliga-Tabelle – Hertha ist Fünfzehnter, Gladbach Vierter – hatte, nicht gerecht.
Immerhin wurden die Bemühungen nach der Pause erhöht. Doch blieb das Aufbauspiel zu unpräzise. Etwas zu präzise arbeite in der 62. Minute Andreas Ottl. Sein Schuss aus 18 Metern flog an den Pfosten. Ein hörbarer Warnschuss für Gladbach. Auch Lucien Favre setzte ein Zeichen. Er brachte in der 70. Minute Igor de Camargo für Patrick Herrmann. De Camargo hatte sich schon öfter als ein Mann für die wichtigen Tore hervorgetan. Nun sollte er es in Berlin richten.
Tatsächlich war de Camargo an der wichtigsten Aktion des Abends beteiligt. In der 99. Minute gab es den letztlich entscheidenden Zweikampf zwischen Roman Hubnik und de Camargo. Die Berliner Zuschauer waren außer sich, beschimpften den Unparteiischen noch Minuten nach dem Abpfiff als "Schieber". Den Borussen freilich konnte es herzlich egal sein.
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