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Mönchengladbach: Cigerci ist Favres neue Option

VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 04.01.2012 - 02:30

Mönchengladbach (RP). Tolga Cigerci kam als Letzter vom Trainingsplatz. Er hatte ein prall gefülltes Ballnetz bei sich und schrieb die ersten Autogramme als Borusse. Das tat er, während um ihn herum stürmische Böen wehten. Ob das der nötige Rückenwind sei für seinen Neustart im Borussia-Park, wurde der 19-Jährige gefragt. Cigerci grinste. "Ja, es ist sehr windig", sagte er. Der junge Mann, der bei Felix Magath in Wolfsburg keine Perspektive mehr sah, wollte sich nicht locken lassen. Statt markiger Sprüche gab er branchenübliche Einstiegssätze zu Protokoll: "Ich bin froh, dass ich hier bin. Ich will mich entwickeln und im Training meine Leistung bringen. Ob ich dann spiele, entscheidet der Trainer."

Bis 2013 haben die Borussen den Nachwuchsnationalspieler vom VfL Wolfsburg ausgeliehen, danach gibt es eine Kaufoption. Er ist ein Mann für alle Fälle im Mittelfeld, bevorzugt aber den offensiveren Part in der Doppelsechs. Diesen Job macht in Gladbach seit Januar 2010 durchweg Roman Neustädter (23), und das sehr ordentlich. Cigerci und Neustädter haben dasselbe Vorbild: Xavi vom FC Barcelona. "Er ist ein guter Techniker, ruhig am Ball und spielt Pässe, die sonst keiner spielt", beschreibt Cigerci, was ihm an Xavi imponiert. Cigerci hat immerhin Xavis Nummer, die 6. Da sein neuer Trainer "Barcas" Stil sehr schätzt, gibt es also gemeinsame Ansätze, was die Idee vom Fußball angeht. Favre will intelligente Fußballer in der Zentrale, die das Spiel aus der Tiefe entwickeln.

Borussia traut dem Deutsch-Türken zu, ein solcher zu sein. "Ich laufe viel, bin technisch gut und habe einen guten Abschluss", beschreibt Cigerci selbst seine Qualitäten. Damit will er Borussia helfen. In Wolfsburg kam er nicht so recht voran. Deswegen will Lucien Favre erst mal abwarten, wie weit Cigerci tatsächlich ist, bevor er dessen Chancen beurteilt, einen Platz in der Stammformation zu bekommen. "Er ist wie viele unserer jungen Spieler, er hat etwas. Wir werden sehen, ob er sich in der Bundesliga etablieren kann", sagt Favre. Auch wenn er zurückhaltend urteilt, gilt der Neu-Borusse als ein Wunschspieler des Trainers. Schon im Sommer 2011 wollte er ihn haben, doch da ließ Magath das Talent nicht gehen. Cigerci kam nur sieben Mal zum Einsatz. Nun will er in Gladbach weiterkommen.

Favre hat mit Cigerci eine interessante neue Option im Kader, das erhöht die Konkurrenzsituation. Ob auch der Finne Alexander Ring kommt, der als eher kämpfender Sechser dann eine Alternative zum Norweger Havard Nordtveit wäre, ist noch nicht klar. Borussia und Helsinki verhandeln. Cigerci ist schon da. Die Unterschiede zwischen Gladbach und Wolfsburg? "Das Stadion ist größer, hier fahren sie Audi statt VW. Und man hat als junger Spieler mehr Chancen in Gladbach", sagte Cigerci. Die will er nutzen. Mit Taten statt mit Worten.

Quelle: RP


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