Borussias unnötige Niederlage
VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 08.02.2010 - 02:30Der Bundesligist aus Mönchengladbach erarbeitet sich bei Mainz 05 etliche Großchancen, verlässt aber am Ende mit 0:1 als Verlierer das Feld. Bo Svensson erzielt den entscheidenden Treffer.
Mainz Max Eberl wurde philosophisch. "Fußball ist nicht immer gerecht", sagte der Sportdirektor von Borussia Mönchengladbach und schaute missmutig. "6:2 Chancen" hatte Trainer Michael Frontzeck zugunsten seines Teams gesehen, das einzige Tor am Mainzer Bruchweg schoss gestern jedoch Bo Svensson. Der war zwar früher Borusse, spielt jetzt aber für den FSV Mainz 05. Somit verlor Gladbach 0:1. "Wir hätten gewinnen müssen", sagte Frontzeck trotzig.
Vor dem Spiel hatten die Fans beider Klubs gemeinsam zu Karnevals-Liedern geschunkelt und die Fußball-Hymne "You'll never walk alone" gesungen. 90 Minuten später hatten allein die "Meenzer" Grund zur Karnevalsstimmung. Das lag vor allem daran, dass ein Torheld der Vorwoche zu ungenau arbeitete. Denn Raúl Bobadilla, der gegen Bremen zwei Tore und zwei Vorlagen produziert hatte, ließ vier Großchancen aus.
Die beim 4:3 gegen Werder überbeanspruchte Muskulatur des Argentiniers hatte sich rechtzeitig erholt. Bobadilla war in Mainz engagiert, viel unterwegs und anspielbar. Aber eben zu uneffektiv. Zunächst scheiterte er an Torwart Heinz Müller, dann blockte Bo Svensson seinen Schuss ab, später traf er, nachdem er Müller umkurvt hatte, das Außennetz und schoss schließlich nochmal den Torhüter an. So war des Stürmers Leistung ein Spiegelbild der Darbietung der Mannschaft: gut, aber ohne Ertrag.
Borussia stand trotz einiger Ballverluste in der Vorwärtsbewegung sicher in der Defensive, inszenierte durchaus kluge Angriffe und war, wie Max Eberl fand, "in allen Belangen überlegen". Thomas Tuchel, der Mainzer Trainer, wollte dieser These nicht widersprechen: "Uns hat die Passsicherheit gefehlt, wir hatten Glück im Spiel zu bleiben."
Mit dem Ergebnis indes, da war er zufrieden. Frontzeck nicht. "Wie das zustandegekommen ist, das ist ein Witz", nörgelte er. Am Ende, als Frontzeck jede Angriffsoption ins Spiel geworfen hatte, bot sich Patrick Herrmann noch zweimal die Chance zum Ausgleich. Doch der starke Müller reagierte jeweils glänzend. "Er ist in herausragender Form", lobte Tuchel.
Vor dem 0:1 hatte auch Gladbachs Torhüter Logan Bailly den Kopfball von Malik Fatih an die Latte gelenkt. Doch der Abpraller landete bei Bo Svensson. Umstände und Zeitpunkt des Gegentores fand Frontzeck "ärgerlich". Raúl Bobadilla, der angesichts seiner Nachlässigkeit vor dem Tor seinen Anteil an der Niederlage hatte, wollte sich nicht äußern. Der 22-Jährige weiß, dass Stürmer an Toren gemessen werden, und er hat nun mal keines erzielt in Mainz.
"Die Niederlage wirft uns nicht um. Sie macht uns wütend und stärker", versicherte Max Eberl aber. Am Freitag kommt der 1. FC Nürnberg. "Das ist ein wichtiges Spiel für uns", sagte Verteidiger Roel Brouwers. Durch einem Sieg gegen den Vorletzten könnte der Abstand zu den Abstiegsrängen noch komfortabler werden. "Wir werden gegen Nürnberg alles in die Waagschale werfen", versprach Frontzeck.
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