Borussia spielt anderen Fußball
zuletzt aktualisiert: 05.11.2011 - 02:30Interview Lucien Favre, Trainer von Borussia Mönchengladbach und ehemaliger Coach von Hertha BSC Berlin, über die Parallelen und Unterschiede der beiden Mannschaften vor dem Aufeinandertreffen in der Liga.
Herr Favre, Ihre Mannschaft spielt als Tabellenfünfter und mit 20 Punkten auf dem Konto in Berlin. Treten Sie mit einem guten Gefühl bei Ihrem Ex-Verein Hertha BSC an?
Favre Ich freue mich auf Berlin, ja. Aber es ist doch ein kleines Wunder, dass wir so gut dastehen. Der Klassenerhalt war ein Wunder, und dass es so gut weitergeht, konnte niemand erwarten. Wir sollten daher auch nicht denken, dass es auf diesem Niveau weitergeht. Wir müssen weiter um jeden Punkt kämpfen.
Sie waren Trainer in Berlin und haben Hertha BSC in der Saison 2008/2009 bis auf den vierten Tabellenplatz geführt.
Favre Das war eine Sensation. Unser Etat war geringer als der der anderen Mannschaften in der ersten Tabellenhälfte. Vom Etat her waren wir auf Platz zwölf. Das war sehr gut.
Jetzt haben Sie Borussia vom Abstiegskandidaten zum Mitglied der Spitzengruppe gemacht, wie damals Hertha hat Gladbach eine kompakte Defensive und bekommt kaum Gegentore, es gibt viele knappe Siege. Gibt es Parallelen?
Favre Nein, überhaupt nicht. Man kann beide Mannschaften nicht vergleichen. Die Berliner Mannschaft war extrem effizient, wir haben jetzt sehr viele Tormöglichkeiten. Außerdem spielen wir einen ganz anderen Fußball.
Einen Fußball, der Ihnen das Lob vieler Kollegen eingebracht hat. Mirko Slomka sagte nach dem 2:1 gegen Hannover, dass Ihr Team unter Umständen eine ähnliche Rolle spielen könnte wie "96" in der vergangenen Saison.
Favre Der Sieg gegen Hannover war wichtig, weil sich die Mannschaft mal wieder belohnt hat. Es ist nett, wenn die Kollegen gut über uns sprechen. Aber wir dürfen uns keinen Sand in die Augen streuen lassen. Irgendwelche Vergleiche sind nicht angebracht.
Auch nicht mit Berlin, dem Aufsteiger?
Favre Berlin ist kein normaler Aufsteiger. Hertha ist sehr gut gestartet und hat ein unglaubliches Offensivpotenzial: Raffael, Ramos, Lassoga, Torun, Ruksavina.
Raffael und Ramos haben Sie geholt. Wie viel Favre steckt noch in dieser Hertha?
Favre Darüber denke ich nicht nach. Ich habe zwei Jahre und drei Monate in Berlin gearbeitet, das ist für einen Trainer in Deutschland eine lange Zeit, normal sind es zehn bis 14 Monate. Es war eine sehr gute Zeit in Berlin.
Waren Sie seit Ihrer Entlassung im September 2009 im Olympiastadion?
Favre Nein, er wird das erste Mal sein.
Hat das mit dem Groll nach der Entlassung zu tun? Sie haben damals eine viel beachtete Pressekonferenz gegeben. War das ein Fehler?
Favre Jeder Mensch macht Fehler. Aber es ist zwei Jahre her und vorbei. Für mich ist das abgehakt. Ich habe zu allen Leuten bei Hertha ein gutes Verhältnis und freue mich, wieder dort zu sein.
Nach Berlin haben Sie 17 Monate pausiert. Gab es keine Angebote?
Favre Glauben Sie das? Doch, es gab Möglichkeiten. Die Pause war sehr wichtig für mich, ich musste mich regenerieren. Ich hatte zuvor 13 Jahre durchgearbeitet, war nach der Meisterschaft in Zürich ganz schnell nach Berlin gegangen. Die Pause tat sehr gut. Ich habe mich erholt, habe mich weitergebildet, habe mein Deutsch, Englisch und Spanisch verbessert und viele Fußballspiele gesehen. Und ich habe auch an meiner Systematik gearbeitet.
Mit Erfolg, wie man in Gladbach sieht. Und nun können Sie Ihre Borussia in Berlin vorführen. Ist es ein besonderes Spiel für Sie?
Favre Es ist speziell, ja, Ich freue mich, viele Leute aus der Zeit bei Hertha zu treffen. Aber es ist ein normales Spiel für mich mit Borussia. Ein Spiel, das wir gewinnen wollen.
Karsten Kellermann führte das Gespräch.
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