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Borussia setzt auf kleine Schritte

VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 31.07.2010 - 02:30

bundesliga-Check (6) Borussia Mönchengladbach will den Platz im sicheren Mittelfeld in der kommenden Saison behaupten. Bei Androhung von Strafe sind die Begriffe "Europa League" und "internationaler Fußball" verboten.

Mönchengladbach Manchmal ist die große Fußballwelt ein Dorf, und es geht darum, den Nachbarn zu ärgern. Ein bisschen hat das was vom "Maschendrahtzaun", den Entertainer Stefan Raab, glühender Verehrer des 1. FC Köln, mal besang. Minimalziel für die neue Saison sei es, vor Mönchengladbach zu stehen, verkündete jüngst Michael Meier, der Manager des Effzee. Dass der Klub aus der Domstadt aber auch Bayer Leverkusen, seit Jahren die Großmacht am Rhein, angreifen wolle, das amüsierte die Borussen aus Mönchengladbach dann doch. "Da steckt man sich Ziele, die man nicht erreichen kann", vermutet Thomas Weinmann, der Fanbeauftragte.

Dass die Kölner den Vergleich mit dem Rivalen nutzen, um ihr Saisonziel populistisch zu verkaufen, gefällt Sportdirektor Max Eberl nicht. "Die Kölner haben ihre Formulierungen. Ob dann immer der Vergleich mit Gladbach kommen muss, sollte man sich überlegen", sagt Eberl.

In Mönchengladbach vermeiden sie es, große Töne zu spucken. Eberl und Trainer Michael Frontzeck mahnen zur Vernunft. Sie verstehen ihre Arbeit als Prozess, bei dem es mit kleinen Schritten vorangeht. Nach der glücklichen Rettung 2009 und der folgenden sorgenfreien Saison hat Eberl den Begriff "Klassenerhalt" gestrichen, als er das Saisonziel formulierte. Borussia will sich etablieren in der Bundesliga und das im Schnitt 24 Jahre alte Team weiterentwickeln. Weniger wäre, zittern zu müssen; mehr wäre, mitzureden bei der Verteilung der Europaliga-Plätze.

Dieses Thema meiden die Borussen wie der Teufel das Weihwasser. Weswegen Michael Frontzeck, als er seinen Vertrag vorzeitig bis 2013 verlängerte, fuchsig wurde, als so manche Schlagzeile vermuten ließ, er solle die Gladbacher in diesem Zeitraum in den Europacup führen. "Das Thema kommt viel zu früh", sagt auch Kapitän Filip Daems. Der Belgier ist seit Januar 2005 Borusse und hat miterlebt, wie schnell allzu große Ambitionen in einer Katastrophe münden können. 2004 verkündete Präsident Rolf Königs, in drei Jahren wolle Borussia international spielen. 2007 stieg sie ab.

Solche Fehleinschätzungen soll es nicht mehr geben. Darum plädiert Eberl für Bodenhaftung. "Konstanz" ist das Losungswort. Dies beinhaltet, dass ein gesundes Mittelmaß zunächst mal das Ziel ist. Vertragsverlängerung des Trainers und die Tatsache, dass das Basispersonal der vergangenen Saison beisammengeblieben ist, will der fünfmalige Deutsche Meister als gelebte Konstanz verstanden wissen. Vier-Millionen-Euro-Mann Igor de Camargo, der seit Wochen verletzt ist, und WM-Teilnehmer Mo Idrissou sollen die Sturmkraft stärken; Bamba Anderson, Jens Wissing und Sebastian Schachten auf Sicht Alternativen für die Defensive sein. Dazu kommen Talente aus dem eigenen Ausbildungsbetrieb.

Morgen im Testspiel gegen den FC Liverpool lebt die schöne alte Zeit Borussias auf. Mit den "Reds" traf man sich einst auf höchster europäischer Ebene. Schöne Vergangenheit. Doch Borussia weiß, dass die Gegenwart davon Lichtjahre entfernt ist.

Das Gerüst des aktuellen Teams steht, weitgehend habe er das Team im Kopf, sagt Michael Frontzeck. Er ist (nach außen) gern die Ruhe selbst. Auch als sich de Camargo und Zentralstürmer Raúl Bobadilla verletzten, "habe ich keine Sekunde an Neuverpflichtungen gedacht". Aus der Ruhe will Borussia die nötige Kraft schöpfen.

Quelle: Rheinische Post

 
 
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