Mönchengladbach: Borussia nun selbstbewusst
VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 09.08.2011 - 02:30Mönchengladbach (RP). Den überraschenden Sieg beim FC Bayern München hakten die Mönchengladbacher rasch ab. Die Abwehr um den erst 19 Jahre alten Torhüter ter Stegen ist unter Trainer Favre zum Rückhalt geworden.
Es war ruhig im Mannschaftsbus der Borussen und auch später im Flieger, der sie von München zurück nach Düsseldorf brachte. Sie hatten sich gerade mit 1:0 beim FC Bayern München behauptet, doch die Mönchengladbacher Fußballprofis nahmen es gelassen. "Es ist schön für unsere Fans, dass wir zum ersten Mal seit 1995 bei den Bayern gewonnen haben", sagte Verteidiger Dante. "Aber es sind nur drei Punkte, und wir müssen weiter hart arbeiten", mahnte der Brasilianer. Gegen Mitternacht war die Reisegruppe wieder am heimischen Stadion. Anschließend ging es schnell nach Hause, hatte doch Trainer Lucien Favre für 10 Uhr wieder ein Training angesetzt.
Favre ist keiner, der die Fassung verliert, auch wenn er stolz ist auf den Erfolg beim Rekordmeister. "Die Spieler haben daran geglaubt", sagte Favre. Der Schweizer personifiziert den Aufschwung in Gladbach. 23 Punkte holte der Klub, seit Favre da ist. Und es gab in der Liga nur neun Gegentore. Bevor Favre übernahm, galt Gladbach als die Schießbude. Auch in München waren die Borussen trotz des bayerischen Drucks kompakt, diszipliniert, laufbereit und gut organisiert. Kaum einmal kamen die Bayern-Stars zum Abschluss – und wenn, dann stand dort Marc-André ter Stegen, der Torwart, und hielt.
Das war einer der großen Unterschiede zwischen Bayern und Gladbach: Ter Stegen, der sein erstes Spiel als offizielle Nummer eins der Borussen machte, behielt die Ruhe, während Manuel Neuer im entscheidenden Moment die Nerven durchgingen. Übermotiviert rannte er dem Ball entgegen, den Roel Brouwers geschlagen hatte, doch Igor de Camargo war vor Neuer und Jerome Boateng am Ball, die Kugel hoppelte ins Netz. "Neuer muss im Tor bleiben, dieses Tor geht zu 100 Prozent auf seine Kappe", schalt Bayerns Ehrenpräsident Franz Beckenbauer den 22-Millionen-Euro-Zukauf.
Ter Stegen hingegen, das Gladbacher Eigengewächs, der erst sein siebtes Bundesligaspiel absolvierte, steht wie Favre für die neue Borussia. Er macht indes nicht viel Aufhebens um seine Leistungen, sondern verweist immer darauf, weiter hart arbeiten zu wollen. So macht es auch Favre, der Siege wie den in München genießt, aber auch schnell wieder abhakt. Stuttgart, der nächste Gegner, erfordere nun die Aufmerksamkeit. Dass Borussias Defensive trotz des Fehlens von Abwehrchef Martin Stranzl sicher stand, zeigt, dass Favres Botschaft angekommen ist. "Der Trainer spricht viel mit uns, er arbeitet jeden Tag akribisch im Training", sagte Marco Reus.
Der 22-Jährige verließ die Arena am Abend in Zivil und machte sich auf den Weg zum Nationalteam. Reus reiste mit den Bayern Philipp Lahm und Thomas Müller im Auto nach Stuttgart. "Für mich war's natürlich positiv, weil wir gewonnen haben, für die anderen nicht so", sagte Reus. Dreimal musste er Bundestrainer Joachim Löw schon absagen, nun soll es etwas werden mit dem Debüt, so er morgen gegen Brasilien dabei ist. Kurz und knapp war sein DFB-Einstandsinterview gestern. So kennt man Reus. Er will sich auf dem Platz beweisen. In München tat er das. Wie alle Borussen. "Dieser Sieg ändert aber nichts daran, dass diese Saison für uns genauso schwer wird wie die letzte", sagte Favre. KOMMENTAR
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