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Leverkusen: Bayers Zwölf-Millionen-Irrtum

VON STEFAN KLÜTTERMANN - zuletzt aktualisiert: 28.01.2012 - 02:30

Leverkusen (RP). Bayer Leverkusens Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser bezeichnet Michael Ballack als Fehlinvestition. Dessen Berater sieht ihn als Bauernopfer. Was als Transfer-Coup gedacht war, droht in einer Schlammschlacht zu enden. Die Bilanz eines teuren Missverständnisses.

Einsicht tut weh, wenn sie eine Fehlinvestition von zwölf Millionen Euro betrifft. Als eine solch teure Fehlinvestition sieht Bayer Leverkusens Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser inzwischen den Transfer von Michael Ballack. Zwölf Millionen Euro – das ist der Betrag, den der Spieler aus einem Sonderposten der Bayer AG in zwei Jahren als Gehalt bekommt.

"Es ist der Zeitpunkt erreicht, wo wir uns eingestehen müssen, dass unsere Überlegungen, die wir vor 20 Monaten hatten, nicht aufgegangen sind", sagte Holzhäuser dem "Express". Dieses mit dem Gesellschafterausschuss abgestimmte, öffentliche Eingeständnis ist die vorzeitige Bilanz eines Transfers, der dem Werksclub kaum sportlichen Ertrag, aber umso mehr negative Medienpräsenz und Missstimmung beschert.

Der Geduldsfaden von Holzhäuser und Sportdirektor Rudi Völler riss jetzt, als Ballack nicht bereit war mitzuhelfen, die Brisanz aus einem Vorfall vom Wochenende zu nehmen. Bei seiner Auswechslung im Spiel gegen Mainz hatte Ballack den Handschlag mit Trainer Robin Dutt verweigert. Dieser erntete Pfiffe für die Auswechslung. "Ballacks Verhalten hat mich enttäuscht. Er kann durch seine Aura auf das Publikum einwirken – das hat er nicht getan", sagte Holzhäuser. Ballack sei "auf keinem guten Weg. Er ist uneinsichtig. Es ist der Punkt erreicht, an dem Rudi Völler und ich nicht mehr mitgehen wollen." Für Ballacks Berater Michael Becker ist sein Schützling dagegen ein "Bauernopfer". "Da es offenbar nicht möglich ist, sich von Dutt zu trennen, musste man einen anderen Sündenbock suchen, und den hat man dann in Michael gefunden", sagte Becker.

Was vor zwei Jahren als Coup verkauft wurde, der Bayer 04 in neue Sphären hieven sollte, droht fünf Monate vor Vertragsende in einer Schlammschlacht zu enden. Dabei war das Risiko des Transfers im Vorfeld offensichtlich. Als Völler den "Capitano" 2010 auf Sardinien von einer Rückkehr nach Leverkusen überzeugte, laborierte Ballack am Syndesmosebandriss, der ihn die WM gekostet hatte. Dass er sich im September erneut verletzte (Fraktur des Schienbeinkopfes), konnte niemand ahnen, wohl aber, dass Ballack den Zenit seines Könnens überschritten hatte. Hängen bleiben seitdem eine Handvoll guter Spiele – vornehmlich in der Champions League – und viele Auftritte der Marke "unterer Durchschnitt".

Doch mehr noch erscheint Ballack in Leverkusen seit anderthalb Jahren als Quell permanenter Unruhe. Sein Streit mit Bundestrainer Joachim Löw, Berichte in der Regenbogenpresse über sein Privatleben oder ein Megafon-Auftritt in der Fankurve ("Scheiß FC Köln") bescherten Bayer 04 unliebsame Schlagzeilen. Ballacks Profikollegen waren es schnell leid, dass die Personalie ihr Wirken überdeckt. Ballack pflegt seinen Sonderstatus: Gegen Wolfsburg stand er in der Vorsaison auf eigenen Wunsch nicht im Kader, weil er auf der Bank hätte sitzen müssen. Als die Mannschaft im Mai die Qualifikation zur Champions League in einer Kölner Diskothek feierte, feierte Ballack in Düsseldorf. Sein Verbleib machte Ex-Trainer Jupp Heynckes den Abschied aus Leverkusen um Vieles leichter.

Holzhäuser und Völler hatten sich zuletzt persönlich bei DFB-Präsident Theo Zwanziger und dessen designiertem Nachfolger Wolfgang Niersbach für eine Aussöhnung Ballacks mit dem DFB eingesetzt, doch Ballack kanzelte das Bemühen als Privatsache ab und verstimmte Bayers Führungsduo so nachhaltig. Selbst das einst innige Verhältnis zwischen Völler und Ballack ist erkennbar erkaltet.

Bei Bayer muss man sich die Frage stellen, inwieweit man zulassen will, dass der Konflikt um Ballack das Team belastet und den Erfolg gefährdet. Gestern bestieg Ballack den Mannschaftsbus in Richtung Bremen zum Spiel gegen Werder. Eine vorzeitige Trennung ist dennoch nicht ausgeschlossen. Ballack steht ab sofort für interessierte Abnehmer im Schaufenster. Wie schon im vergangenen August. Ein Wechsel in die USA ist wohl eine Option. Hier schließt das Transferfenster nicht am 31. Januar. Die Saison dort startet Mitte März.

Quelle: RP


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