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Braunschweig: Bayern hat noch viele Fragen an sich selbst

VON SVEN GÖSMANN - zuletzt aktualisiert: 03.08.2011 - 02:30

Braunschweig (RP). Uli Hoeneß ist beim FC Bayern der Wetterfrosch. Wird er mit hochrotem Kopf bei der ersten kritischen Anmerkung von Journalisten aggressiv, haben die Bayern schlecht gespielt und verloren. Ist das erst bei der zweiten Frage der Fall, haben die Bayern schlecht gespielt, das aber mit respektablem Ergebnis. Lächelt der wuchtige Bayern-Präsident dagegen wie Buddha, während er geduldig Autogramme schreibt, hat seine Elf alles richtig gemacht.

Nach dem 3:0 (2:0) der Bayern in der ersten Runde des DFB-Pokals bei Eintracht Braunschweig schrieb Uli Hoeneß geduldig Autogramme. In der Tat: Der "Rekordpokalsieger, Rekordmeister, Rekord-Irgendwas" (Braunschweigs Stadionsprecher) hatte beim Zweitliga-Spitzenreiter eine souveräne Vorstellung geboten. Die Hoffnung auf eine Pokalsensation nahmen die Bayern den 23 645 Zuschauern im ausverkauften Eintracht-Stadion bei ihrem humorlosen 3:0 jedenfalls früh.

In der 9. Minute legte der überforderte Braunschweiger Linksverteidiger Ken Reichel Nationalstürmer Thomas Müller im Strafraum. Den Elfmeter verwandelte Mario Gomez. In der 39. Minute drang Müller erneut in den Strafraum ein, Mirko Boland wusste sich nicht anders als mit einem ungelenken Rempler zu helfen. Dieses Mal war Bastian Schweinsteiger erfolgreich, ehe Müller in der 84. Minute erstmals im Spiel zum Torschuss kam und prompt mit einem artistischen Heber das 3:0 erzielte.

Bayern-Trainer Jupp Heynckes präsentierte in Braunschweig das Gerüst der Mannschaft, die die titellose vergangene Spielzeit vergessen machen soll. Bis auf die verletzten Flügelkünstler Arjen Robben und Franck Ribéry schickte er jene Elf aufs Feld, die am Sonntag (17.30 Uhr) gegen Borussia Mönchengladbach in der Münchner Allianz-Arena für einen erfolgreichen Bundesliga-Auftakt sorgen soll.

Auf der rechten Seite war Müller ein starker Vertreter Robbens. Kehrt der Niederländer am Sonntag in die Bayern-Elf zurück, wird Müller jedoch wieder auf die weniger geliebte Position hinter der einzigen echten Spitze Gomez wechseln müssen. Auf der linken Seite vertrat der 19-jährige österreichische Nationalspieler David Alaba den Franzosen Ribéry gefällig, aber ungefährlich.

Eintracht Braunschweig war allerdings nicht der Gegner, der die Münchner herauszufordern vermochte. So bleibt weiter ungewiss, ob die Bayern-Verteidigung tatsächlich stabiler ist als in der Vorsaison, wie es ein erleichterter Jupp Heynckes beobachtet haben wollte.

Nationaltorwart Manuel Neuer, der mit Jerome Boateng in der Innenverteidigung, Luiz Gustavo und Schweinsteiger als Doppel-Sechs die defensive Achse der Bayern bilden soll, bekam schlicht nichts zu tun. Spielten die Braunschweiger einmal schnell, wackelte es allerdings sofort im Bayern-Gebälk, klafften Lücken zwischen Mittelfeld und Abwehr und in der Innenverteidigung.

Gustavo, der stark begann und stark nachließ, bemühte sich über 60 Minuten, die noch diffusen Laufwege der Seinen zu ordnen. Immerhin: Die Rechtsverteidiger-Position scheint bei Neuzugang Rafinha (aus Genua) in guten Händen. Bayern-Kapitän Philipp Lahm dagegen wirkte als Linksverteidiger wie ein Schatten vergangener Tage. Er suchte nie den Weg zur Grundlinie, zog früh nach innen, verlangsamte das Spiel.

In der Bayern-Offensive erinnerte vieles mehr an die Endphase der Ära van Gaal als an das von Heynckes neu entdeckte Vorbild FC Barcelona: viel unproduktiver Ballbesitz, kaum Direktpass-Spiel, wenig Esprit und noch weniger Torchancen. Zudem ließen die Bayern wie in den Vorjahren Ecken und Freistöße auf blamable Weise ungenutzt.

Der einzig wirksame Hebel der Bayern an diesem Braunschweiger Abend war dann auch der an allen Toren beteiligte Müller, der mit dem stets gleichen Spielzug von Schweinsteiger über Kroos auf dem rechten Flügel in Szene gesetzt wurde. Gegen biedere Braunschweiger reichte das, schon die Mönchengladbacher Verteidigung dürfte sich am Sonntag nicht derart einfach übertölpeln lassen.

Müller-Gegenspieler Reichel wunderte sich dagegen nach dem Schlusspfiff noch immer: "Wahnsinn, wie schnell der auf einen zukommt!" Auch der vielgelobte Eintracht-Trainer Torsten Lieberknecht zahlte an seinem 38. Geburtstag Lehrgeld. Er fand keine personelle Antwort auf Müller, hielt stur an seiner Kontertaktik fest und seine Mannschaft somit aus dem Spiel. Trotzdem sei es für ihn ein schöner Abend gewesen: "Ich darf zu Herrn Heynckes seit heute Jupp sagen."

Quelle: RP


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