Baumjohann blüht wieder auf
VON FRIEDHELM KÖRNER - zuletzt aktualisiert: 12.04.2011 - 02:30Der 24-Jährige gehört nach dem Trainerwechsel auf Schalke zu den großen Gewinnern. Er spürt das Vertrauen des neuen Coachs Rangnick. Aber er muss gegen das Image ankämpfen, ein ewiges Talent zu sein.
GELSENKIRCHEN Ein Trainerwechsel ist immer auch mit einer neuen Chance verbunden für Spieler, die im Kader eines Klubs nur Randfiguren waren und sich nun einen festen Platz im Team erkämpfen wollen. Alexander Baumjohann ist, wie der frühere Leverkusener Hans Sarpei – einer der Fußballer von Schalke 04, die von der Verpflichtung Ralf Rangnicks bisher besonders profitieren. Bei Rangnicks Vorgänger Felix Magath war der Mittelfeldspieler in Ungnade gefallen. Wie Sarpei und Jermaine Jones wurde er im November von dem Fußballlehrer in die zweite Mannschaft verbannt. Vierte Liga statt Bundesliga, Amateurklasse statt Champions League: Sehr viel schlimmer konnte der Karrieresturz kaum noch sein. Baumjohann steckte in der Sackgasse.
Das letzte Bundesligaspiel unter Magath hatte er am 16. Oktober beim 2:2 zu Hause gegen den VfB Stuttgart bestritten. Was folgte, waren gerade einmal vier Einsätze für Schalke II – und das Gerücht, der 1. FC Köln habe Interesse an ihm gezeigt. Baumjohann blieb auf Schalke. Und nun lässt das Frühjahr in ihm die Hoffnung aufkeimen, endlich doch ein wichtiger Akteur im Schalker Offensivspiel sein zu können. Bei allen Pflichtbegegnungen unter Rangnick spielte er. In Mailand (5:2) bereitete er sogar ein Tor vor, und als er gegen Wolfsburg (1:0) erst nach der Pause aufs Feld durfte, nahm er dies klaglos zur Kenntnis. "Der Trainer hat mit mir gesprochen und alles erklärt", sagte er. "Letztendlich habe ich es hingenommen und auch verstanden." Nicht von ungefähr hat Rangnick den Ruf, ein Fußballlehrer zu sein, der oft das Gespräch mit seinen Profis sucht.
"Es war klar, dass für mich unter dem alten Trainer bei dem Verein keine Zukunft mehr war", sagt Baumjohann. "Ich bin dem neuen Trainer sehr dankbar, dass er auf mich setzt." Dass er gerade unter den Augen Magaths, der nach dem Rauswurf auf Schalke zum VfL Wolfsburg zurückkehrte, eine überzeugende Halbzeit zeigte und zu den effektivsten Spielern auf dem Feld zählte, war für ihn natürlich eine besondere Genugtuung. Doch er muss die guten Ansätze nachhaltig bestätigen, will er ein für alle Mal das Image abstreifen, ein ewiges Talent zu sein. Oder ein "vermeintlich schlampiges Genie", wie man ihn auch einmal bezeichnet hat.
Zu welchen Husarenritten er fähig ist, bewies Baumjohann im August 2008. Damals glückte ihm ein Treffer, der in der ARD zum Tor des Monats gekürt wurde. Der gebürtige Waltroper trug zu dieser Zeit das Trikot von Borussia Mönchengladbach und legte im Spiel gegen Werder Bremen ein fulminantes 70-Meter-Solo hin, das er mit einem erfolgreichen Torschuss krönte. Die Saison bei Borussia war die beste in der Laufbahn des heute 24-Jährigen. Er überzeugte die Verantwortlichen des FC Bayern so sehr, dass sie ihn nach München holten. Doch statt des erhofften ganz großen Karrieresprungs folgte die erste herbe Enttäuschung. Denn beim Rekordmeister brachte es Baumjohann nur auf drei Bundesliga-Einsätze. Nach einem halben Jahr war schon wieder Schluss in München. Magath wollte ihn auf Schalke haben. Ausgerechnet der Mann, der ihn später in die vierte Liga abschob, weil er mit der Trainingsauffassung des Profis nicht einverstanden war.
Bei Rangnick blüht Baumjohann nun wieder auf. Über ihn und Joel Matip (19), der sich als Innenverteidiger profilieren konnte, sagt Schalkes Torhüter und Kapitän Manuel Neuer: "Zuvor hatte man auf ihre Dienste weitgehend verzichtet. Nun gehören sie wieder fest zum Team. Dieses Vertrauen zahlen sie durch richtig gute Leistungen zurück." Die nächste Chance dazu bietet sich den beiden vielleicht morgen. Beim Rückspiel gegen Inter Mailand in der Champions League (20.45 Uhr/live bei Sat.1).
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