Ballack: Ich bin der Kapitän
VON STEFAN KLÜTTERMANN - zuletzt aktualisiert: 15.07.2010 - 02:30Der Mittelfeldspieler von Bayer Leverkusen unterstreicht seinen Anspruch aufs Amt in der Fußball-Nationalmannschaft. Seinem Vertreter Lahm erteilt er eine klare Kampfansage.
Als Michael Ballack den Aus-Knopf seines Mikrofons betätigt hatte, da wirkte es auf manchen der knapp 100 Anwesenden im Medienraum der Leverkusener BayArena, als heirate gerade im 600 Kilometer entfernten Aying nicht Philipp Lahm, der vermeintlich clevere Herausforderer im Hahnenkampf um die Kapitänsbinde der Nationalmannschaft, sondern nur noch ein vorlauter Schulbub, den der Lehrmeister für sein ungehöriges Vorpreschen soeben zurechtgewiesen hatte. "Für mich ist das eigentlich kein Thema. Ich bin ja Kapitän der Nationalelf. Wenn Philipp das anders sieht, muss er das mit dem Trainer besprechen", hatte Ballack zuvor bei der Präsentation durch seinen neuen Arbeitgeber Bayer Leverkusen gesagt.
Den Zeitpunkt, den Lahm gewählt hatte, um seine Ambitionen aufs Spielführeramt öffentlich zu machen, bezeichnete der 33-Jährige, der wegen einer Fußverletzung die WM verpasste, als "unpassend". "Es ist ja auch kein Wunschkonzert, es gibt halt Hierarchien. Wir werden das Thema beim nächsten Länderspiel kurz anschneiden und dann wieder an einem Strang ziehen", sagte Ballack. Er habe sich bei dieser Diskussion ein bisschen wehrlos gefühlt, weil er verletzt sei. Das habe ihn enttäuscht. "Aber ich werde alles geben für die nächste EM", sagte der Mittelfeldspieler, der zur neuen Saison vom FC Chelsea an den Rhein zurückkehrt und schließlich auch noch herzliche Glückwünsche an das Brautpaar nach Bayern übersandte.
Die Oberen des Werksclubs, Rudi Völler und Wolfgang Holzhäuser, dürften sich insgeheim geärgert haben, dass die Kapitänsdebatte beim DFB ihrem Verein ein wenig die Show stahl. Die Show, in Michael Ballack einen eigentlich nicht zu realisierenden Transfer gestemmt zu haben, der für Bayer 04, den Konzern und die Stadt Leverkusen ein enormer Imagegewinn sei, wie Holzhäuser urteilte. "So einen Typen brauchen wir bei uns", sagte er. Und Völler prognostizierte: "Er wird hier zwei überragende Jahre haben." So lange läuft Ballacks Vertrag bei seiner zweiten Station in Leverkusen nach 1999 bis 2002. Zwölf Millionen Euro soll er dem Vernehmen nach verdienen, größtenteils finanziert von der Bayer AG.
Ballack selbst – im gewohnt lässigen Freizeitlook – gab offen zu, er habe sich vor ein paar Monaten nicht vorstellen können, in die Bundesliga zurückzukehren. "Aber jetzt bin ich froh, zurück zu sein." Die Mannschaft, der er am Morgen vorgestellt wurde (so weit es einer Vorstellung bedurfte), besitze die "Chance, um die deutsche Meisterschaft mitzuspielen". "Ich will so weit wie möglich nach oben, wenn nicht nach ganz oben", sagte der gebürtige Görlitzer, der sich nach vier Wochen Gips noch im Muskelaufbautraining befindet und zum Saisonstart in Dortmund (21. oder 22. August) fit sein will.
Bayer-Trainer Jupp Heynckes saß zwei Stühle neben seinem neuen Star und erklärte nüchtern, auch ein Michael Ballack müsse sich in die Mannschaft integrieren, "unabhängig davon, ob er ein Weltklassespieler sei oder nicht". Als dieser daraufhin sagte, es werde noch einen Einstand geben, wenn der Trainer es denn erlaube, sagte Heynckes lächelnd: "Immer." Ein Lied in der Kabine, wie für Neuzugänge in England üblich, musste Ballack übrigens gestern nicht singen.
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