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Mönchengladbach: Auch gegen Mönchengladbach darf Oenning verlieren

VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 17.09.2011 - 02:30

Mönchengladbach (RP). Michael Oenning hat sich Zeit genommen. Zweieinhalb Stunden hat er 180 Fans Rede und Antwort gestanden zur Situation des Hamburger SV. Im Klub-Restaurant ging es während der Debatte gesittet zu, trotz der prekären sportlichen Situation des Ur-Bundesligisten: letzter Platz, ein Punkt, 6:16 Tore. Und nun kommt mit Borussia Mönchengladbach ein Team, das im Höhenflug ist. Nicht wenige hatten vermutet, dass Oenning gar nicht mehr Trainer sei, wenn sein Team heute versucht, den ersten Sieg zu schaffen. Doch eine Entlassung gibt es nicht, Klub-Chef Carl-Edgar Jarchow sagte: "Wir haben keinerlei Trainer-Diskussion." Und so wird es, vermuten Insider, auch im Falle einer erneuten Niederlage sein – falls die Darbietung der Hanseaten nicht katastrophal ist.

Ob es nun die finanzielle Schieflage des Vereins ist, die des Trainers Job rettet, oder die Tatsache, dass Oenning aus einer in Ich-AGs zersplitterten Fußballeransammlung wieder ein Team gemacht hat, sei dahin gestellt. Fakt ist: Die Partie gegen die Borussen ist kein Endspiel für den 45-Jährigen. Wohl aber ein besonderes Spiel gegen einen Klub, der für Oenning nicht nur als Vorbild herhält, wie man sich aus einer fast aussichtslosen Krisensituation befreit, sondern auch ein Stück seiner Vergangenheit ist. In Gladbach war er von 2004 bis 2007 Co-Trainer. Und nun soll es gegen Gladbach die Wende zum Guten geben beim wankenden Riesen HSV.

Wenn Oenning das Beispiel Borussia heranzieht, stellt er sich auch dem Vergleich mit dem Kollegen Lucien Favre. Der Schweizer übernahm Gladbach Mitte Februar, Oenning löste einen Monat später Armin Veh ab. Während Favres Gladbach saisonübergreifend mit neun Siegen drei Unentschieden und fünf Niederlagen (30 Punkte) und 23:12 Toren Vierter der imaginären Tabelle ist, hat Oennings HSV aus 13 Spielen neun Punkte ergattert und nur einen Sieg und eine Torbilanz von 15:26 erwirtschaftet – Platz 18. Während Favres Konzept auf vermehrtem Ballbesitz und einem besonnenen Aufbauspiel aus der Tiefe und dem Warten auf den entscheidenden Moment für den Pass in die Spitze basiert, hält Oenning die Relation zwischen Ballbesitz und erhöhter Erfolgswahrscheinlichkeit für eine Mär. Er will schnelle Konter statt Ballstafetten.

Es ist ein Spiel der Gegensätze: gestürzte Hamburger gegen aufstrebende Gladbacher. Was Oenning wohl dazu bewegt, das "Unternehmen erster Saisonsieg" mit einer defensiven Taktik anzugehen. Er ließ im Training mit nur einer Spitze und einem massiven Fünfer-Mittelfeld proben. Gerade das Mittelfeld ist seine Problemzone. Favre hingegen hat sein Team in der Breite funktionstüchtig gemacht. Selbst wenn wichtige Spieler fehlen, weiß jeder Ersatzmann, was er zu tun hat. Es gibt einen gesunden Konkurrenzkampf.

Favre lässt sich von der Tabellensituation der Klubs nicht blenden. "Jedes Spiel ist anders. Der HSV hat einen guten Kader", sagt der Fußball-Lehrer. Favre weiß, dass ein einziger Sieg alles verändern kann, er selbst hat es vorgemacht. "Gladbach war klinisch tot, die Entwicklung ist Wahnsinn", sagt Hamburgs Ex-Borusse Marcell Jansen.

Quelle: RP


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