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Arnautovic sorgt für Ärger

VON GIANNI COSTA - zuletzt aktualisiert: 12.08.2010 - 02:30

Werder Bremens teuerster Zugang in dieser Saison gilt als großes Talent. Doch statt mit Zauberfußball glänzt er durch Strafrunden auf dem Trainingsplatz. Trainer Schaaf hofft auf schnelle Besserung.

Bremen/Düsseldorf Marko Arnautovic gilt als eines der größten Talente Europas. Daran glauben auch die Verantwortlichen von Werder Bremen und haben ihn vom niederländischen Klub Twente Enschede verpflichtet – für rund 6,5  Millionen Euro, so viel wie für keinen anderen Zugang in dieser Saison. Auf ihn schauen sie deshalb an der Weser ganz genau. Arnautovic, so die Hoffnung, soll in der Offensivabteilung zu einer Führungskraft aufsteigen. Mittlerweile zweifelt die sportliche Leitung des Bundesligisten lautstark an, ob der 21-Jährige die in ihn gesteckten Erwartungen auch tatsächlich erfüllen kann. Denn Arnautovic lässt bei seinen Auftritten für den Arbeitgeber keine Gelegenheit aus, um zu zeigen, dass er ein eigenwilliger Typ ist.

Das liegt nicht nur an seinen aufwändigen und auffälligen Tattoos auf Armen und Beinen. Zuletzt fiel er im Trainingslager im österreichischen Bad Waltersdorf auf. Eine Schiedsrichterentscheidung von Trainer Thomas Schaaf wollte er einfach nicht akzeptieren und drosch den Ball weg. Schaaf fand diese Reaktion gar nicht lustig und ordnete Liegestütze zur Disziplinierung an. Als Arnautovic die Strafe nur missmutig ableistete, schickte er den aufmüpfigen Angestellten auf den Nebenplatz zum Runden laufen. "Nach den Liegestützen hatte er es noch nicht so ganz verstanden", erzählte Schaaf. "Deshalb ist es dann ganz gut, wenn man mal ein bisschen Zeit für sich bekommt."

So wirklich angekommen ist die pädagogische Maßnahme allerdings noch nicht. Nach dem Testkick gegen den FC Fulham (1:5), bei dem sich Bremen gegen den Europa-League-Finalisten bis auf die Knochen blamierte, stand einer besonders in der Kritik – Marko Arnautovic. In London verdiente er sich Bestnoten in den wenig schmeichelhaften Kategorien "Lauffaulheit" und "Lustlosigkeit". In Rekordzeit hat er seinen Kredit verspielt und die Chefetage erzürnt. "Wenn er nicht verinnerlicht, dass wir nur als Gemeinschaft bestehen können", polterte Manager Klaus Allofs, "hat er keine Zukunft bei Werder. Er hat sehr großes Potenzial. Wir hoffen, dass er möglichst schnell die Kurve kriegt." Aktuell scheinen sich die Hoffnungen nicht zu erfüllen. Und schon geht die Angst um, Arnautovic könnte zu einer Art "weißer" Carlos Alberto werden. Der Brasilianer war für 7,8 Millionen nach Bremen gewechselt, schaffte aber nie den Durchbruch, sondern leistete sich Fehlverhalten am laufenden Band.

So weit soll es bei Arnautovic, der in der vergangen Saison an Inter Mailand ausgeliehen war, nicht kommen. Sein Trainer bei Inter, der Portugiese José Morinho, beschrieb die Einstellung seines Schützlings als die "eines Kindes". Die Jugendtrainer bei Rapid und Austria Wien bezeichneten ihn als "unbequemen Feingeist ohne Mannschaftssinn" und "verhaltensauffällig". Das haben auch schon seine Kollegen in Bremen bemerkt. "Er muss schauen, dass er weniger arrogant erscheint, das kommt hier nicht so gut an", sagte Kapitän Torsten Frings. "Seine eigenwillige Art sollte er ablegen."

Keine einfache Sache. Arnautovic liebt den besonderen Auftritt. Zum Treffen mit der österreichischen U21-Mannschaft fuhr er mit seinem neuen Bentley vor. Andreas Herzog, Teamchef bei der Nationalmannschaft und früher selbst bei Werder aktiv, nimmt das Talent in Schutz. "Es gab einen Krankl, einen Herzog, einen Polster, einen Prohaska, aber Arnautovic stellt sie alle in den Schatten, wenn er sein Potenzial abruft. Das ist mit Abstand der beste Fußballer, der in den letzten 30 Jahren auf dem Fußball-Platz herumgelaufen ist,", bekundete er. "Ich habe Marko gesagt, dass er es nirgends schaffen wird, wenn er es in Bremen nicht schafft. Denn nirgendwo wird mit jungen Spielern so gut gearbeitet wie bei Werder."

Quelle: Rheinische Post

 
 
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