Mönchengladbach: Abwehrspieler Dante– Borussias harter Kerl
VON ANDRÉ SCHAHIDI - zuletzt aktualisiert: 12.03.2011 - 02:30Mönchengladbach (RP). Abstiegskampf ist nichts für dünne Nerven. Für so genannte "Glasknochen" sicherlich auch nicht. Ganze Männer sind gefragt, wenn es im Existenzkampf des Fußballs um alles oder nichts geht. Solche Männer braucht Borussia Mönchengladbach, als Tabellenletzter, dringend. Erst recht vor dem wichtigen, fast "schicksalhaften" Spiel heute Abend bei Werder Bremen. Wie gut jedoch, dass Borussia mindestens einen ganzen Kerl in ihren Reihen hat.
Es ist Freitagmittag, kurz vor halb eins im Borussia-Park, als Trainer Lucien Favre mit seiner Mannschaft Standardsituationen übt. Eckbälle, Freistöße. Einer steigt immer wieder zum Kopfball hoch. Und köpft. Und köpft. Es ist Dante, Borussias brasilianischer Innenverteidiger. Und an sich ist seine Klasse beim Kopfballspiel nicht besonders erwähnenswert – sie ist bereits hinlänglich bekannt.
Interessant wird es dann, wenn man sich den 27-Jährigen – und vor allem die Maske in seinem Gesicht – etwas präziser anschaut. Sechs Tage ist es nämlich erst her, als sich Dante beim 2:0-Sieg gegen Hoffenheim die Nase brach. Ein Schuh landete in seinem Gesicht, eine unschöne Geschichte, wie auch das Blut an seinem Trikot bewies. Doch der "harte Hund" kannte keinen Schmerz – und richtete sich die gebrochene Nase kurzerhand selbst, damit er weiterspielen konnte. So etwas hatte er schließlich schon zwei Mal gemacht.
"Der Arzt fand meine Arbeit durchaus ordentlich", sagt Dante nicht ohne Schmunzeln, nachdem er die Maske zum Ende des Trainings abgenommen hat. "Er hat gemeint, ich hätte ihm einiges abgenommen." Kein Wort zu Schmerzen: "Meine Nase interessiert keinen. Nur Borussia ist wichtig. Das Spiel gegen Bremen. Und ein Sieg."
Einen Erfolg werden die Gladbacher heute bitter benötigen. Drei Punkte beträgt der Rückstand auf den Relegationsplatz, sechs Zähler zu Bremen. "Wir müssen jetzt endlich einmal nachlegen, um nicht wieder den Anschluss an die anderen Mannschaften zu verlieren", sagte schon Mittelfeldspieler Michael Fink. "So gesehen ist das dann schon ein Schicksalsspiel für uns."
Und auch wenn Sportdirektor Max Eberl das Ganze etwas anders sieht und von "einem zwar wichtigen Spiel, aber nicht ,dem' Spiel" spricht, so ist die Situation, gerade einmal neun Spieltage vor dem Ende der Saison, prekär: Punktet Borussia nicht gegen Bremen und in der Woche darauf gegen Kaiserslautern, wird es mit dem Klassenerhalt ganz schwer.
Nicht einfacher wird die Aufgabe dadurch, dass die Gäste auf wichtige Spieler verzichten müssen. Igor de Camargo, mit sieben Saisontoren Borussias gefährlichster Angreifer in dieser Spielzeit, fällt wegen einer Innenbanddehnung für vier bis sechs Wochen aus. Auch der Einsatz von Havard Nordtveit, im Normalfall im defensiven Mittelfeld gesetzt, ist noch fraglich. Auf den Norweger angesprochen, antwortet Trainer Favre: "Ich kann Ihnen ganz klar sagen: Ich weiß es nicht." Der 20-Jährige turnte vergangene Woche nur im T-Shirt bekleidet auf dem Trainingsgelände herum. Und fing sich dabei prompt eine Grippe ein. Solche harten Männer sind dann doch nicht gefragt.
Immerhin: Der "unkaputtbare" Dante spielt. Mit Maske. Und zur Not auch mit dem Kopf. Wie es denn wäre, wenn er in der Nachspielzeit das entscheidende Tor köpfen würde? "Dann täte mir sicherlich wieder alles weh", sagt Dante. "Aber das wäre es mir wert. Für drei Punkte. Und für die Mannschaft."
Ein echter Kerl, den man im Abstiegskampf braucht.
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