19-Jährige von bengalischem Feuer schwer verletzt
VON GABI PETERS - zuletzt aktualisiert: 23.07.2010 - 02:30Es sollte ein Fußballfest werden, doch es endete mit drei Verletzten, einem Großeinsatz der Polizei und sieben Festnahmen. Beim Freundschaftspiel der türkischen Top-Vereine Galatasaray und Fenerbahce (0:1) im Mönchengladbacher Borussia-Park wurde eine 19-jährige Frau aus Remscheid von einem bengalischen Feuerwerkskörper getroffen. Sie erlitt Verbrennungen dritten Grades und musste in die Aachener Uniklinik gebracht werden.
Die Begegnung der Istanbuler Klubs hatte die Mönchengladbacher Polizei vor größere Herausforderungen gestellt als erwartet. Der Veranstalter des Testspiels, Galatasaray, hatte 25 000 Zuschauer angekündigt. Tatsächlich kamen aber 10 000 Fans mehr.
Polizei und Sicherheitskräfte waren darauf eingestellt, dass viele Besucher Feuerwerkskörper mitbringen würden. "Bei Durchsuchungen an den Eingängen wurde schon einiges sichergestellt", sagte gestern ein Polizeisprecher. Trotzdem gelang es Fans, Pyrotechnik ins Stadion zu schmuggeln. So brannten Anhänger von Fenerbahce nach dem Führungstor ihrer Mannschaft bengalische Feuer ab. Der Schiedsrichter unterbrach daraufhin das Spiel und bat die Mannschaften in die Kabinen. "Weil die Möglichkeit bestand, dass die Begegnung komplett beendet wird und enttäuschte Fans das Spielfeld stürmen, haben wir zur Vorbeugung Verstärkung angefordert", berichtet der Polizeisprecher.
"Die türkischen Fans sind bekannt dafür, dass sie viel abbrennen. Das gehört bei ihnen zu einem stimmungsvollem Spiel", sagt er. Am Eingang sei kontrolliert worden wie bei einem Bundesligaspiel, erklärt Markus Aretz, Pressesprecher bei Borussia. Die bengalischen Feuer seien aber so klein, dass sie sich in jeder Körperfalte verstecken lassen. Im Internet erklären Fachleute in den gängigen Foren, wie die Feuerwerkskörper hergestellt und auf welchem Weg sie am einfachsten ins Stadion gebracht werden können. "Da müsste man schon Körperkontrollen wie am Flughafen anordnen, um alles entdecken zu können", sagt Aretz. Galatasaray hatte das Borussia-Stadion für das Freundschaftsspiel gemietet. Nach Informationen unserer Zeitung soll der türkische Verein 100 000 Euro dafür gezahlt haben.
Das Geschäft um solche Spiele bringt den Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, auf die Palme. "Es standen kommerzielle Interessen im Vordergrund", sagt er, "die Polizei kann so eine Veranstaltung nicht verhindern und hat hinterher die Arschkarte gezogen."
In der Bundesliga ist das Abbrennen von bengalischen Feuern zwar verboten, doch es werden immer wieder Feuerwerkskörper eingeschmuggelt – obwohl dafür bundesweites Stadionverbot angedroht ist. Ende Februar waren beim Bundesliga-Spiel zwischen Bochum und Nürnberg sechs Menschen durch bengalische Feuer zum Teil schwer verletzt worden. Beim Abbrennen der Fackeln entstehen Temperaturen von bis zu 2500 Grad Celsius. Weil in ihnen unter anderem Magnesium verbrannt wird, ist das Feuer mit Wasser nicht zu löschen.




