0:1 – schwerer Rückschlag für Mönchengladbach
VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 16.04.2011 - 02:30Mainz Der Abend begann mit der wundervollen Fußballhymne "You'll never walk alone", die aus den Lautsprechern im kleinen Stadion am Mainzer Bruchweg dröhnte. Dort sollte sich entscheiden wohin der Weg geht für die Borussen. Es war wieder mal ein Endspiel, eine Partie, in der es um alles ging. "Vollgas für den VfL", forderten die 2100 Gladbacher Fans. Der Wunsch blieb unerfüllt. Mainz siegte durch ein spätes Tor von André Schürrle 1:0 und stieß Borussia damit ein großes Stück weiter in Richtung zweite Liga.
Dass die Gladbach-Freunde vor dem Anpfiff bengalische Feuer zündeten, brachte ihnen sogleich einen Rüffel des Mainzer Stadionsprechers ein: "Diese Scheiß-Feuerwerkskörper braucht keine Sau." Als der Rauch verflogen war, versuchte die Mannschaft von Trainer Lucien Favre, den Durchblick zu behalten. Das gelang in der 2. Minute nicht, denn Nationalspieler André Schürrle durfte nach einem Pass des Ex-Gladbachers Lewis Holtby den ersten Torschuss abgeben – doch der 18 Jahre alte Marc-André ter Stegen im Borussen-Tor reagierte glänzend. Damit verhinderte er einen deprimierenden Beginn, der das Selbstvertrauen, das der 5:1-Derby-Triumph gegen den 1. FC Köln gebracht hat, wohl pulverisiert hätte.
Es standen exakt die Gladbacher auf dem Platz, die gegen Köln so gut miteinander funktioniert hatten. Der Auftrag war derselbe wie im Spiel zuvor: "Wir müssen gewinnen", hatte Favre gesagt. Offensiv wolle Borussia die Aufgabe angehen, kündigte der Schweizer an, und mit einem Sieg zumindest über Nacht auf den Relegationsrang stürmen. Nach dem Hinspiel, das Mainz 3:2 gewann, war Gladbach auf den letzten Platz gestürzt und hatte ihn seither abonniert.
Zunächst jedoch war Mainz das aktivere Team. Es war das letzte von drei Spielen am Bruchweg, in der neuen Saison ziehen die Rheinhessen in ihr neues Stadion um. So ging es für das Team von Thomas Tuchel darum, den vermeintlichen Fluch, der seit November keinen "Dreier" daheim zuließ, zu besiegen.
Borussia versuchte, das Kombinationsspiel des Gegners zu verhindern, kam aber selbst nicht zu sinnvollen Aktionen nach vorn: Zu tief standen die Gäste, die langen Bälle, die zuweilen in Richtung des Mainzer Strafraums flogen, waren leichte Beute der neu formierten Mainzer Verteidigung. Zweimal immerhin kam Marco Reus, der Held des Köln-Spiels, zum Schuss, verfehlte aber jeweils das Ziel. Für ein Team, das eigentlich gewinnen wollte und musste, war das zu wenig. Der Mut, der nötig ist, um eine "Mission impossible" wie die der Borussen zu meistern, fehlte. Mainz war wacher, Mainz war aktiver, Mainz war besser. Einzig: Die Konsequenz vor dem Tor fehlte.
Was den Borussen blieb, war die Hoffnung auf den einen Konter, der die Mainzer in der Seele erschüttert. Indes: Sie brachte ihn nicht zuwege. Nach der Pause wirkten die Borussen aktiver. Dann aber brachte Mike Hanke, zuvor von Schiedsrichter Deniz Aytekin mit einer seltsamen Gelben Karte bedacht, Eugen Polanski zu Fall und sah Gelb-Rot (54.). Das war der achte Platzverweis für einen Borussen in dieser Saison. Gegen zehn Borussen war Mainz nun wieder deutlich überlegen, zumal das Tuchel-Team von seinen Fans frenetisch angefeuert wurde. Borussias Defensive verrichtete nun Höchstarbeit, und dies mit Geschick. Bis Schürrle traf und Borussia wohl die letzte Hoffnung raubte im Abstiegskampf.
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