Zu Besuch bei den Ökobauern
VON SUSANNE TSCHIRNER - zuletzt aktualisiert: 06.08.2011 - 02:30Rose Combe von der Ferme de l´Oiselet ist einer jener Menschen, deren Begeisterung einfach ansteckt. "Gôutez! Gôutez!" – fordert sie ihre Besucher immer wieder auf, zupft kleine Blätter von den Kräuterbüschen und achtet darauf, dass sie auch gegessen werden. Dass Minze nicht gleich Minze ist, lernt man hier schnell. Erstaunliche Geschmacksexplosionen weisen in Richtung Erdbeere, Schokolade und Kaugummi.
Seit fünf Generationen bearbeitet die Familie das Gut bei Sarrians am Fuße des Mont Ventoux, seit über 20 Jahren auf streng biologische Weise. Doch Rose gibt sich nicht damit zufrieden, eine universalistische Bandbreite von Nutzpflanzen anzubauen. Sie will ihre Begeisterung weitergeben und Besucher in die weite Welt der Biodiversität einführen. Verschiedene Entdeckerpfade führen über den Hof, in einen Streichelzoo, in die Weinberge mit teils 100 Jahre alten Rebstöcken. Kinder lieben die Workshops, in denen man lernt, mit Blumen und Kräutern zu kochen. In zwei mongolischen Jurten kann man dazu preiswert und einfach übernachten.
Die Familie Combe steht mit diesem Ansatz nicht allein. Das Departement Vaucluse, das sich nördlich der Durance von Avignon im Westen über den Mont Ventoux bis zu den Bergen des Luberon im Osten hinzieht, gilt in der Provence als die Speerspitze der Bio-Fraktion. Auf den farben- und geruchsintensiven Wochenmärkten wie dem von Lourmarin werden immer häufiger Biowaren angeboten. Und ein Netzwerk ökologisch arbeitender Landwirte hat es sich ins Stammbuch geschrieben, Provenzalen und Urlauber an ihrer Leidenschaft für eine nachhaltige Produktions- und Lebensweise teilhaben zu lassen.
So auch das Weinbauernpaar Anne Marie und Jean Luc Isnard, das auf der Domaine Solence bei Mazan als Erste im Vaucluse Qualitätswein in Harmonie mit der Natur herstellt. Der im Eichenfass gezogene Weiße "Ici et maintenant" beweist, dass die Zeiten, als Bioweine gut gemeinte Sauertropfen waren, endgültig vorbei sind. Terroir, also die unverwechselbar individuelle Komplexität eines Weins, sei nur in einem lebendigen Boden möglich, erläutert Jean Luc mit Verve. Und dem Boden darf man nichts beigeben, was nicht natürlich in ihm vorkommt, was die Pflanze nicht kennt und also nicht verwerten kann: Öno-Philosophie im Geiste Rudolph Steiners. "Kommen Sie, verkosten Sie noch diesen Roten!", drängt der drahtige Weinbauer.
An sich gern, aber jetzt ist Aktivurlaub angesagt. "Vélo Loisir en Luberon" heißt die Organisation, die den Regionalpark Luberon mit einem Netz von ausgeschilderten Radwegen, Verleihstationen, Taxiservice sowie Gepäcktransport von einem fahrradfreundlichen Hotel zum nächsten erschlossen hat. Dass die hervorragend gewarteten Räder über 27 Gänge verfügen, ist schon am ersten Anstieg zu dem charmanten Dorf Grambois hilfreich. Wie viele Felsnester des Luberon bot es seinen Bewohnern durch die hohe Lage und die festungsgleichen Hausmauern seit dem Mittelalter Schutz vor Überfällen. Eine romanische Dorfkirche, ein plätschernder Brunnen und schnurrende Katzen schließen sich zu einem Ensemble zusammen, das provenzalischer nicht sein könnte. Keinerlei Oberleitungen stören das Flair vergangener Zeiten. Aus diesem Grund ist Grambois ein beliebter Spielfilm-Drehort, beispielsweise für "Jean Florette" mit Gerard Dépardieu. Auf dem Rundweg "Les Ocres en Vélo" entdeckt man die Minen von Bruoux bei Gargas. In ihren kühl-feuchten Gängen wurde einst einer der Schätze des Luberon abgebaut: der Ocker. Das "Conservatoire des Ocres" hat sich der Erhaltung und didaktischen Vermittlung dieses natürlichen Färbemittels verschrieben.
Nur zwei Kilometer entfernt liegt einer der Höhepunkte eines jeden Provence-Urlaubs. Die Häuser des Bilderbuchdorfs Roussillon leuchten in allen Schattierungen des Ocker, und in den Ockerbrüchen am Ortsrand haut einen der Farbkontrast zwischen den leuchtend roten Ockerkaminen und der knatschgrünen Vegetation schier um. Die Stille auf der Ferme l´Avellan hat dieselbe Wirkung. Inmitten von zehn Hektar biologisch bewirtschafteter Weinstöcke und Olivenbäume liegt einsam der alte Bauernhof. Um das WWF-Label einer "Gîte Panda" zu bekommen, müssen Wanderwege am Haus vorbeiführen und ökologische Baumaterialien verwendet werden. Kirschkuchen, Feigenkonfitüre, Brot, Wein und der lustig gefleckte Salat, eine alte provenzalische Varietät, erfüllen eine weitere Bedingung: dass die Speisen überwiegend aus eigenem Anbau stammen. Nur das Lamm ist von einem befreundeten Schafzüchter. Den Tieren auf dem Hof, allen voran ein vorlauter Pfau und Hühner, die gern oben im Baum sitzen, wird keine Feder gekrümmt.
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