Wurzel-Sepp und Bratwurstherzl
VON GABY HERZOG - zuletzt aktualisiert: 12.12.2009 - 02:30Hier haben Adam und Eva gewohnt. Als Selma Lange (72) ein kleines Mädchen war, stand für sie zweifelsfrei fest, hinter diesem Fenster liegt der Garten Eden. Noch heute macht die alte Dame, wenn sie durch die Münchner Innenstadt bummelt, einen Stopp vor dem "Spanischen Fruchthaus" am Rindermarkt 10 und bestaunt die Auslage: Wie damals türmen sich dort gelb leuchtend getrocknete Ananasscheiben und Ingwerwürfel. Dazwischen stehen kleine Körbchen mit blauen Veilchenblüten, zarten Flieder- und Rosenblättern, die in Zucker kristallisiert sind – exotische Köstlichkeiten aus der ganzen Welt. In der Vorweihnachtszeit herrscht im "Spanischen Fruchthaus", das 1912 eröffnet wurde, Hochbetrieb. Hier gibt es Delikatessen, die man für die Zubereitung von Großmutters Spezialrezepten benötigt, wie kandierte Engelwurz, Berberitze, Maulbeeren und Zitronat in großen Stücken.
In der bayerischen Landeshauptstadt wird seit jeher großen Wert auf qualitativ hochwertiges Essen gelegt. Überall in München gibt es Schlemmertempel und kleine Fachgeschäfte. Während einer Shoppingtour lohnt sich unbedingt ein Abstecher. Ein Muss ist "Alois Dallmayr" in der Dienerstraße. Wer durch die hölzernen Schwingtüren den Laden betritt, dem steigt der Duft von Kaffee in die Nase. Wie in der Werbung füllen hier Damen in blauen Kleidern und gestärkten Schürzen die frisch gerösteten Bohnen ab und prüfen die exakte Füllmenge mit einer alten Waage. Aber hier gibt es nicht nur Kaffee. In der Markthalle, in der Hirschgeweihe an den Wänden hängen, findet man Gänseleber-pastete, Trüffel, Kaviar, Lachs, Fleisch- und Wildspezialitäten, erlesene Törtchen und Kanapees.
Der zweite Münchener Feinkost-Papst residiert im noblen Bogenhausen. Im Weinkeller von "Feinkost Käfer" in der Prinzregentenstraße 73 lagern mehr als 100 000 Flaschen Wein und Champagner. Gratis dazu kann man dort häufig einen Blick auf die Münchener Prominenz erhaschen. Hier kaufen Uschi Glas und Senta Berger ein. Uli Hoeneß sitzt regelmäßig mit Kaiser Franz oben im Restaurant und lässt sich das Hirschragout schmecken.
Ganz ohne Chichi kommt der "Kräuter- und Wurzel-Sepp" in der Blumenstraße 15 im Glockenbachviertel aus. Hier gibt es Heilkräuter, Gewürze, Tees, Rinden und Wurzeln, die in Gläsern und hölzernen Dosen gelagert werden. Im Glockenbachviertel sind viele Boutiquen und kleine Cafés angesiedelt, in denen man sich einen Snack oder einen Drink gönnen kann.
Das Münchener "In"-Getränk ist derzeit der Veneto-Sprizz, eine Mischung aus Aperol, Weißwein und einem Schuss Sodawasser. Gibt's zum Beispiel in der "Bar Centrale" in der Ledererstraße 10 oder bei "Schumann's" am Odeonsplatz 6-7.
Wenige Gehminuten vom Gärtnerplatz entfernt liegt der berühmte Viktualienmarkt, auf dem die 150 Marktleute in alten, grün angemalten Holz-häuschen ihre Waren anbieten. Im "Honighäusl" gibt es 50 verschiedene Honigsorten aus aller Welt: Avocadohonig, Zitrusblütenhonig, Buchweizenhonig. Für ein 250-Gramm-Glas Manuka-Honig aus Neuseeland bezahlt man 42 Euro. Zum Aufwärmen wird dort auch Honigmet (ein Glas 2,30 Euro) ausgeschenkt. Oder man geht zum deftigen Mittagessen ein paar Schritte weiter ins "Bratwurstherzl". Da gibt es Münchner Helles und bayerisch-fränkische Spezialitäten. Stärkung für die zweite Shopping-Runde. Nächste Folge: Dresden
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