Südafrika hofft auf Last-Minute-Boom
VON CHRISTIAN RÖWEKAMP - zuletzt aktualisiert: 28.04.2010 - 02:30Rund sechs Wochen vor dem Eröffnungsspiel der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika gibt es noch viele Kontingente zu buchen. Die Veranstalter schrauben ihre Erwartungen runter und hoffen darauf, dass das Interesse der Fans mit Ende der Bundesliga-Saison zunimmt.
Frankfurt/M. (tmn) Der Weg zum Kap der Guten Hoffnung ist vielen Fußballfreunden offenbar doch zu weit: Rund sechs Wochen vor dem ersten Anstoß am 11. Juni sind bei den meisten deutschen Veranstaltern, die WM-Touren samt Stadiontickets verkaufen, noch genügend Reisepakete buchbar. Noch ist keine WM-Stimmung spürbar. Die Unternehmen setzen nun auf einen Last-Minute-Effekt und hoffen auf eine erfolgreich spielende deutsche Elf während der Vorbereitung.
"Die Nachfrage könnte besser sein", heißt es bei Dertour in Frankfurt. Bisher seien 60 Prozent verkauft. Insbesondere zu den ersten beiden Gruppenspielen der deutschen Elf gegen Australien und Serbien seien noch Pakete buchbar. In der Regel sind die Reisen sechs bis sieben Tage lang und umfassen neben dem Aufenthalt am Spielort eine Safari. Ähnlich sieht es bei zwei weiteren Anbietern aus. "Wir haben mit anderen Gästezahlen in der Vorrunde gerechnet", teilt Passion Southafrica in Darmstadt mit. Beim Sportreisen-Spezialisten Vietentours bleibt das Ziel zwar weiterhin, 1500 bis 2000 deutsche Fans nach Südafrika zu bringen. Es könne aber sein, "dass wir das nicht schaffen", sagt Geschäftsführer Ingo Frieske in Düsseldorf. Eng sehe es bei den Buchungen bisher erst ab dem Halbfinale aus. "Ausverkauft", heißt es lediglich bei Thomas Cook Reisen, der auch nur ein kleines Vorrundenkontingent auf den Markt gebracht hatte.
Dass es bei den deutschen Fans einen wahren Last-Minute-Boom in Richtung Südafrika geben könnte, glaubt so recht keiner. "Wir rechnen aber damit, dass sich noch einige überzeugen lassen, wenn das WM-Feeling erst da ist und auch Südafrika-Bilder im Fernsehen laufen", sagt Dennis Schreiner, Geschäftsführer von Passion Southafrica. Seine Firma wird Reisen auch noch während der Vorrunde verkaufen. Bei Dertour liegt gar ein Plan in der Schublade, einen Sonderflug nach Johannesburg zu chartern und sehr kurzfristig Reisen anzubieten, falls es Joachim Löws Mannschaft ins Finale schafft "und wir Tickets dafür erhalten", erklärt Tom Rostek von Dertour. Sollte es dazu kommen, würden die Fans zweimal im Flieger übernachten – und gar nicht in Südafrika.
Vietentours erwartet, dass es noch einmal Neubuchungen gibt, wenn die anderen Fußball-Wettbewerbe wie Bundesliga, DFB-Pokal und Champions League abgeschlossen sind und sich das Fan-Interesse voll auf die Nationalelf konzentriert. Die Preise, die Vietentours im Katalog veröffentlicht hat, gelten weiter, Last-Minute-Rabatte gibt es nicht. Stattdessen setzt das Unternehmen nicht zuletzt auf seine Fanmeile im internationalen "Football Village"in Johannesburg, wo es Public Viewing und ein Unterhaltungsprogramm gibt, wenn es für die angereisten Fans mal nicht ins Stadion geht.
Bei der Lufthansa war Mitte April für den WM-Zeitraum erst ein Südafrika-Flug ausgebucht: der von Johannesburg zurück nach Frankfurt am 12. Juli, dem Tag nach dem Endspiel. Ansonsten seien noch alle Flüge und Sitzklassen verfügbar, auch wenn es an einigen Tagen mit den Kapazitäten inzwischen eng werde, so ein Sprecher.
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