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Sharjah: Kultur im Wüstenstaat

VON EKKEHART EICHLER - zuletzt aktualisiert: 21.01.2012 - 02:30

Nur gut zwanzig Minuten braucht das Taxi vom Flughafen Dubai bis an die Corniche von Sharjah. Und auch gefühlt scheinen sich die beiden arabischen Brüder ziemlich nah zu sein. Auf den ersten, noch flugmüden Vorfrühstücksblick jedenfalls. Schaut man ausgeschlafen genauer hin, entdeckt man schnell, dass die hübsch um eine Lagune gruppierten Hochhäuser in Sharjah weniger hoch in den Himmel ragen als in Dubai. Dass man hier statt sündhaft teurer Zuckerguss-Luftschlösser solide finanzierte Brötchen backt. Dass man lieber bodenständig kleckert, als arrogant klotzt.

Dr. Scheich Sultan bin Mohammed Al Quasimi hat nämlich einen Plan für die Zukunft. Einen Masterplan. Sharjahs Herrscher inszeniert sein kleines Reich keineswegs als "Zukunftsstadt des Nahen Ostens". Anstelle von Gigantomanie, Größenwahn und Kommerz setzt er auf eine ausgewogene Mischung aus Kultur und Moderne. Auf Kunst und Bildung. Auf Tradition und Bewahrung der arabischen Identität. Mit Erfolg.

Auf dem Weg zur islamischen Kulturhauptstadt 2014 arbeitet man mit Hochdruck an der Auferstehung der Heritage Area, einem Ensemble alter Gassen und Gebäude. Das Haus einer Perlentaucherfamilie von 1845 mit traditionellen Baustoffen wie Korallengestein, Mangrovenholz und Palmfasern wird restauriert und zum Museum gemacht. Der alte Souk mit seinen Lädchen wird sorgsam hergerichtet und zu neuem Leben erweckt. Ein Geniestreich gelang dem Scheich, als er eine 200 Meter lange Markthalle an der Uferstraße nicht etwa abreißen, sondern prächtig restaurieren ließ und zum Museum für islamische Zivilisationen umfunktionierte. Unter der Goldkuppel mit tiefblauem Himmel- und Sternbilder-Mosaik erzählen nun Weltkugeln, Himmelsscheiben, Karten und Uhren von den Spitzenleistungen der arabischen Welt in Astronomie, Geografie, Mathematik und Medizin. Eine eigene Abteilung widmet sich dem Islam, seinen Anfängen, seiner Entwicklung und seinen Heiligtümern.

Allein 20 gut ausgestattete Museen machen das Emirat zu einem Kulturstandort ersten Ranges. Das Museum für Kalligraphie etwa ist einzigartig in der arabischen Welt. Ebenso das Science Centre mit allerlei interaktiven Erlebniswelten. Auch die Universität von Sharjah darf auf keiner Besichtigungstour fehlen. Am südlichen Stadtrand der Wüste abgetrotzt, gleicht die 6,5 Quadratkilometer große Oase weit mehr der weitläufigen Residenz eines Herrschers als einer Bildungsstätte, so elitär diese auch sein mag.

Eröffnet von einem mächtigen Triumphbogen führt eine begrünte Prachtstraße durch das Gelände. Links und rechts davon reihen sich die Fakultäten wie Perlen an zwei Ketten – allesamt in arabischem Stil und mit Kuppeln, was sie aussehen lässt wie Paläste aus Tausendundeiner Nacht. Ein Beweis für den Stellenwert, den der promovierte Landesvater der Bildung beimisst – eine von Sharjahs wichtigsten Investitionen in die Zukunft.

Eine bedeutende Rolle im Masterplan spielt auch das 2011 erstmals zelebrierte Sharjah Light Festival. Die weltweit besten Lichtdesign-, Computer-, Laserprojektions- und Multimediaspezialisten durften dabei ihrer Fantasie freien Lauf lassen und Paläste, Moscheen, Museen, historische Gebäude, Parks und sogar einen Kreisverkehr märchenhaft verzaubern. – Ein im wahrsten Wortsinn illustrer Kraftakt, das kleine Emirat als Kulturreiseziel auf der touristischen Landkarte nachhaltig zu positionieren.

Fortsetzung folgt jetzt vom 9. bis 17. Februar. Wenn laut Prognosen in zehn Jahren die spärlichen Erdöl- und Erdgasquellen endgültig versiegen, scheinen also allerlei Weichen gut gestellt zu sein.

Quelle: RP


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