Schlafen im Nobelzelt: "Glamping" statt Camping
VON ANNA SCHÜRMANN - zuletzt aktualisiert: 28.01.2012 - 02:30Wenn Badewanne, Himmelbett und dunkler Holzboden im Zelt ihren Platz finden, wird aus Camping "Glamping". Auf Urlaubsmessen sind solche Unterkünfte zu bestaunen. Die Besucher stehen überall Schlange, um sich das "Glamorous Camping", das Zelten mit Pomp, anzusehen. "Vor allem Frauen sind davon begeistert", sagt Thomas Reimann vom Reiseveranstalter Selectcamp. Die Luxuszelte stehen schon in Italien, Frankreich und Spanien. Bald wollen die Anbieter auch in Deutschland starten.
"Camping in Deutschland ist immer noch beliebt", sagt Daniela Leipelt, Geschäftsführerin des Bundesverbands der Campingwirtschaft in Deutschland (BVCD). Rund 5,9 Millionen Menschen machten in den ersten acht Monaten 2011 auf Campingplätzen Urlaub – trotz eines durchwachsenen Sommers. Auf der Suche nach neuen Zielgruppen müssten sich die Campingplätze aber mehr einfallen lassen. "Junge Familien sagen: Wir möchten zurück zur Natur plus ein voll ausgestattetes Mietzelt oder einen Caravan."
Ein Trend, den auch Selectcamp, die Luxusmarke der Vacanceselect-Gruppe, nutzen will. "Unsere Zielgruppe lebt bewusst und naturverbunden, will dabei aber nicht auf Komfort verzichten", sagt Reimann. In Großbritannien oder den Niederlanden gebe es "Glamping" schon länger. Noch in diesem Jahr will Selectcamp 10 000 deutsche Glamping-Urlauber zählen.
Dabei hat nicht jeder Campingplatz den "Glamping"-Faktor. Bislang stehen die Zelte etwa am Gardasee oder in der Toskana. Die Veranstalter sehen Familien aus dem Mittelstand und ältere Reisende ohne Kinder als ihre Zielgruppe. Doch mit "Glamping" sollen auch Menschen, die noch nie gecampt haben, zum Zelten gebracht werden. Das passt zum generellen Trend, für den Urlaub eine ungewöhnliche Unterkunft zu mieten. Das Münsinger "Hopfengut" gewann zum Beispiel einen ADAC-Camping-Award. Übernachten kann man dort in einem Tipi, einem Zirkuszelt oder einer Jurte.
Der BVCD rät neuen Campingplätzen, ein Drittel für Mieteinheiten zu reservieren. Mit einem eigenen Anhänger kommen heute immer weniger Menschen. In Zukunft müssten Campingplätze sich auf eine Nische ausrichten, zum Beispiel Wellnessangebote machen oder mit einem Golfplatz zusammenarbeiten.
Dem "Glamping"-Trend steht der Verband dennoch kritisch gegenüber. "Wir finden es spannend, aber mit der ursprünglichen Urlaubsform hat es wenig zu tun." Beim Camping gehe um einen Lebensstil, bei dem unterschiedliche Menschen zusammentreffen. Beim Glamping durchbricht man das Prinzip. Denn so ein Luxus-Zelt ist nicht für jeden erschwinglich: In der Hauptsaison zahlt eine vierköpfige Familie für die "Lodgesuite" am Gardasee pro Woche 1400 Euro. dpa
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