Neue Gondeln für Fieberbrunn
VON STEFAN GRUBER - zuletzt aktualisiert: 21.01.2012 - 02:30An diesem Pin kommt keiner vorbei. Sechs mächtige Meter hochreckt sich das gelbe Kunststoff-Monstrum in den stahlblauen Tiroler Himmel und konkurriert als Blick-Magnet mit der feinzackigen Gipfelkette der Hohen Tauern am Horizont.
Als Marketing-Gag soll der gelbe Mega-Pin unweit der Hochhörndler Hütte den Slogan versinnbildlichen, mit dem Fieberbrunn seit Jahren wirbt: das bestversteckte Skigebiet der Alpen. Nun könnte es sein, dass Pin, Gag und Slogan bald ausgedient haben. Mit dem Bau der Zehner-Gondelbahn Reckmoos-Nord hat das kleine Skigebiet unweit von Kitzbühel nicht nur einen technischen Quantensprung vollzogen, sondern auch die Tür weit aufgemacht für den seit Jahren erträumten Zusammenschluss mit dem großen Nachbarn Saalbach-Hinterglemm.
Große Nachbarn hat Fieberbrunn genug: Saalbach auf der einen, das mondäne Kitzbühel und die riesige Skiwelt Wilder Kaiser auf der anderen Seite. Trotzdem hat sich das sympathische Dorf zwischen Wildseeloder und den Steinbergen von Lofer und Leogang prächtig behaupten können. Mehr noch. In technischer Hinsicht haben es die Bergbahnen immer wieder verstanden, die Fachwelt aufhorchen zu lassen. Zum Beispiel beim Kauf des Hannoveraner Expo-Lifts. Die knallgelben Gondeln, die vor elf Jahren über die Weltausstellung surrten, bringen heute die Skifahrer hinauf zum Doischberg.
Und jetzt setzt die neue Zehner-Gondelbahn "Reckmoos-Nord" neue Maßstäbe. Gut neun Millionen Euro haben die Fieberbrunner investiert, um ihr größtes Handicap endlich verschwinden zu lassen. 30 Jahre fuhr der alte Zweiersessellift auf Stahlseilen die Besucher den Berg hinauf. Nicht wenige Skifahrer dürften sich das Technik-Fossil während der eisigen 17-Minuten-Fahrt in die hintere Mongolei gewünscht haben. Alles Geschichte: Mit viel Komfort geht es jetzt hinauf zu den Traumpisten unterhalb der "Henne".
Dabei ist "Reckmoos-Nord" mehr als nur ein Lift. Die 1,8 Kilometer lange Gondelbahn ist die Hauptschlagader des Skigebiets. Nur sie verbindet das Areal um Lärchfilzkogel und Doischberg mit dem Höhengebiet rund um die Hochhörndler Hütte. Dessen sonnige Hänge können jetzt auch die kleinen Pistenfeger erobern. "Skikurse taten sich immer schwer, da Kinder den Lift nicht ohne erwachsene Begleitung nutzen durften", erzählt Bergbahn-Chef Toni Niederwieser.
Angesichts der Bedeutung der Anlage sollte es etwas Besonderes sein. Mit Toni Fliri wurde ein einheimischer Architekt engagiert, der Tal-, Mittel- und Bergstation dezent in die Landschaft integrierte. Die 56 Gondeln selbst bieten ihren zehn Gästen aufgrund der deckenhohen Rundum-Verglasung eine gute Sicht auf das Alpenpanorama. Und ins Frieren kommt auf der sechs Minuten dauernden Fahrt auch niemand mehr. Alle Sitze sind beheizt! "Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht", sagt Niederwieser mit Blick auf den anvisierten Zusammenschluss mit Saalbach-Hinterglemm. "In den nächsten zwei, drei Jahren wäre der wünschenswert."
Ein Lift müsste noch gebaut werden, dann wäre Fieberbrunn im Kreis der Mega-Skiarenen. "Wir könnten dann mit 260 Pistenkilometern punkten und würden uns außerdem mit unseren Freeride-Möglichkeiten von den umliegenden Gebieten absetzen", sagt Niederwieser. Auf die junge Szene, die mit ihren breiten Latten immer auf der Suche nach dem besten "Powder" ist, hat sich Fieberbrunn seit Jahren konzentriert.
Mit der Verbindung hinüber nach Hinterglemm würden sich noch weitere Hänge rund um den Hörndlingergraben eröffnen. Aber nicht jeder ist von den Plänen begeistert. "Jetzt sind wir ein kleines, feines Gebiet mit Familienklientel", sagt Angela Fürhaupter, die Wirtin des Berggasthofs Wildalpgatterl und fürchtet: "Im Fall des Zusammenschlusses würde die Masse regieren." Mal sehen: Vielleicht hat der gelbe Mega-Pin oben am Ausstieg der neuen Reckmoos-Nord-Bahn ja doch nicht so schnell ausgedient.
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