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  Gast

Museum in den Wolken

VON KNUT DIERS - zuletzt aktualisiert: 25.07.2009 - 02:30

Seine erste Frau Uschi soll einmal über Reinhold Messner gesagt haben: "Niemand kämpft so sehr um Anerkennung wie er, und niemand kann so wenig dafür tun wie er." Der zuweilen poltrig und hitzig wirkende Südtiroler zeigt mit all seinen Museen, die er in der Region geschaffen hat, sein besonderes Gefühl für Orte. Er gestaltet einen Platz mit besonderem Blick auf die Berge so wirkungsvoll, dass der, der Platz nimmt, verblüfft ist. Wer das vom Land Südtirol für acht Millionen Euro restaurierte Schloss Sigmundskron bei Bozen betritt, kann sich inspirieren lassen vom großen Botschafter der Berge.

Denkanstöße geben, Verständnis wecken, die Berge der Welt und Südtirols verstehen – der Extrembergsteiger hat viel, was er erreichen will. "Zum Bergsteigen gehören Respekt vor der Natur", predigt Messner, "aber auch ein Ziel und Selbstverschwendung. Es ist Aktion und Meditation zugleich, ein ständiges Sich-Verlieren." Immer wieder bieten sich Ein- und Ausblicke in seinem Museum, unterlegt von Sinnsprüchen aller großen Meister der Weltliteratur. Von Messner selbst stammt: "Ich wollte einmal hoch hinaufsteigen, um tief in mich hinabzusehen." Ob das gelungen ist?

Die seelisch-geographische Karte der "Region R.M." gibt vielleicht Aufschluss. Da sind in einem der Türme im Messner Mountain Museum das "Land der inneren Passagen" eingezeichnet, der "Knocking-on-heavens-door-Schlund" oder der "Sumpf der Indifferenz". Doch etwas weiter steht an einem Durchgang der dazu passende Spruch: Nur die Götter wissen, wir Sterblichen können nur vermuten.

Dann wird Messner nachdenklich. Er blickt in Richtung Similaunhütte. "Da lag die Gletschermumie", sagt er, als spreche er von einem seiner Vorfahren. Ein Jäger, der Mann aus dem Eis, war 1991 an einem zurückweichenden Gletscher von einem deutschen Wandererpaar entdeckt worden. Messner denkt öfter an ihn, denn auf die Frage, was er für seine größte Lebensleistung hält, antwortet er schlicht: "überlebt zu haben". Die Berge sind unberechenbar, das vermittelt der schreibende Extremabenteurer, der das Eis der Polkappen genauso kennt wie die Steinwüste Sahara, seiner Gästeschar.

Das Vinschgau mit den Apfelplantagen, die im Herbst voller Früchte hängen, ist zu jeder Jahreszeit ein Erlebnis. Die Eisenbahn, die vom Meraner Höhenweg aus an eine Miniatur erinnert, bringt Radler und Wanderer schnell und einfach an Start und Ziel für den Tagesausflug. Die vielen Jausenstationen am Höhenwanderweg bieten einfache und schmackhafte Kost. In einigen Berggasthöfen lässt sich trefflich übernachten. Unten in Meran wird Apfelwellness praktiziert. Vitamine, Mineralien und Piktine – das sind pflanzliche Stoffe, die die Haut entgiften – wirken auf den Körper ein. Nach der Massage ruht er mit Apfelpaste bestrichen noch eine halbe Stunde in einem feuchten Apfelessigtuch. Umgeben wird der Gast in der Softpackliege von einer wasserdichten Folie. Die wiederum schwebt in 38 Grad warmem Wasser. "Alle Gedanken und Muskeln entspannen sich", sagt Prof. Florian Ellmenreich. Der Wellnesstrainer und Sportlehrer ist im Meraner Land aktiv. Das schönste: Die Apfel-Anwendung wirkt schon beim ersten Mal.

Auch Messner soll ein Freund der Apfelanwendung sein. Den Sommer verbringt er mit seiner Familie oberhalb der Plantagen im Schloss Juval westlich von Meran. Wenn er dort in seinem Arbeitszimmer ausspannt, kommt ihm "Ötzi" oft in den Sinn. Er war wie Messner Extrembergsteiger, nur eben 5300 Jahre früher unterwegs. Dann sinniert der 64-jährige Abenteurer, Buchautor und Unternehmer wieder über Tibet, den Dalai Lama, den er sehr verehrt und den er öfter traf, und die Welt der Meditation. "Wenn ich die Menschen zum Nachdenken über die Berge bringe, dann habe ich schon viel erreicht", meint er – und hofft auf Anerkennung für sein Tun.

Quelle: Rheinische Post

 
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