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Ewig junges Prag

zuletzt aktualisiert: 19.11.2008

Eines vorab: Prag, Hauptstadt der Knödel- und Bierliebhaber, goldener Dächer und ebensolcher Stimme fordert den touristischen Ganzkörpereinsatz. Fußlahme und Rückenschmerzgeplagte sind dort hoffnungslos verloren. Erstere, weil die meisten Sehenswürdigkeiten zwar in der Nähe von Metro-Stationen, Tram- oder Bus-Haltestellen erreichbar sind, aber eben nur in der Nähe, und es unendlich viel zu sehen gibt. Letztere, weil sie in Tschechiens Hauptstadt schwer an Kameras und Einkaufstaschen zu schleppen haben. Souvenirshops mit allem, was an Kitsch und Krempel an die Touristen zu bringen ist, gibt es zuhauf. Daneben einige große Einkaufspaläste, deren Angebote jedes modebewusste Frauenherz höher schlagen lassen. Wer genügend Kleingeld hat, kann sich etwa auf der Pariser Straße bei Gucci, Steilmann, Cartier oder Dior mit dem nötigen Luxus versorgen. Wichtig ist: Man sollte in Prag mit System vorgehen, um alles bewältigen zu können.

Orientierung Die beste Möglichkeit zur ersten Orientierung in dieser Stadt ist der Blick auf den Stadtplan und der Gang zur Hotelrezeption. Dort liegen meist alle möglichen Flyer aus, auf denen Rundfahrten angeboten werden. Einstündige, bei denen man kaum einen Schritt laufen muss, dreistündige Exkursionen mit Regenschirm reckenden Reiseführern, Ganztages-Fahrrad-Führungen oder Wanderungen durch die Stadt inklusive Massenmittagessen und Kaffeetafel. Wer es exklusiver mag, darf sich im Oldtimer für eine Stunde den Blicken jener Touristen aussetzten, die nicht bereit sind, knapp 70 Euro für dieses Vergnügen zu zahlen. Dann gibt es noch die altmodischen Kutschen-Führungen und die Modernen auf elektrischen Steh-Rollern. Schwindelfreie dürfen sogar auf der Kleinseite mit einem Ballon die Übersicht über Prag genießen. Das Aufstiegsvergnügen ist kurz, teuer und an eine Leine gefesselt, erlaubt jedoch wunderbare Bilder. Nachteulen können auch eine Schifffahrt buchen mit Buffet und Getränken.

Auf eigene Faust Hat man bei einer dieser Führungen das Wichtigste und/oder Schönste zumindest von außen schon gesehen und festgestellt, dass die meisten Sehenswürdigkeiten vom Platz der Republik, dem Wenzelsplatz und der Metrostation Malostranska auf der Kleinseite am besten zu erreichen sind, sollte man sich eine Stunde Zeit zum Schmökern in einem Reiseführer nehmen und das Gesehene sortieren. Ausreichend sind etwa die Marco-Polo-Taschenbücher oder die des ADAC. Die Routenvorschläge darin sind jedoch nicht umsetzbar. An jeder Ecke wird man aufgehalten, weil entweder eine Häuserfassade in Verzückung versetzt, Cafés locken, die Gassen durch Touristen verstopft sind oder die Warteschlangen zu lang sind. Manchmal hat man sich auch einfach verlaufen.

Sehenswertes Gerade im Sommer überlaufende Attraktionen sind: die Karlsbrücke, der Hradschin sowie im jüdischen Viertel der Friedhof. Dort steht man unter Umständen zwei Stunden an, um dann im Gänsemarsch durchgeschleust zu werden. Das Nationalmuseum hingegen wird meist nur von außen belagert. Paläantologische Ausstellungsstücke, Mineralien und ausgestopfte Tiere sind eben nicht der Renner, wenn sie in endlosen Reihen in altmodischen Vitrinen präsentiert werden. Dabei ist alleine das Vestibül eine nähere Betrachtung wert. Ebenso die kleine Ausstellung zur jüngeren Geschichte Prags. Auch der erhabene Blick aus dem Fenster auf den Wenzelsplatz ist beeindruckend.

Auf der Kleinseite ist der Kampa-Park mit seiner Moldaupromenade zu empfehlen. Dort liegt auch das Kampa-Museum für moderne Kunst. Geschichtlicher ist der Waldenstein-Garten – an den Hängen unterhalb der Burg ein stilles Refugium für Gartenliebhaber. Natürlich wird auch Franz Kafka und anderen Größen aus Literatur, Musik und bildender Kunst in Austellungen gehuldigt.

Verschnaufpausen In den abgelegeneren Straßen kann man zwischendurch die Beine hochlegen. Dort gibt es Plätze in jeder Form und Größe, häufig wie kleine Oasen mit Bäumen, Blumen und Kunst bestückt. Parkbänke zum Ausruhen gibt es ebenfalls. Manchmal sind auch in den Innenhöfen Mini-Anlagen entstanden mit Restaurants und Cafés.

Architektur Wer es Bauhaus-mäßig vorzieht, sollte sich unbedingt auf den Weg in einen Vorort machen: die Villa Müller von Adolf Loos wurde vom Architekten selbst als seine liebste bezeichnet. Besichtigung allerdings nur nach Voranmeldung. Das Tanzende Haus von Frank O. Gehry, der auch die windschiefen Bauten im Düsseldorfer Medienhafen entworfen hat, wird meist schon bei den Rundfahrten angesteuert. Die Nationalgalerie ist ebenfalls sehenswert – Konstruktivismus in Reinform. Überhaupt wundert man sich, wie selbstverständlich in Prag der alten Bausubstanz moderne Stile angebaut werden. Da werden ehemalige Kupferwalmdächer zu Solarplatten belegten, futuristischen Bedachungen mit ultramoderner Loggia. Zwischen klassizistischen Fassaden stehen moderne Vorhangfassaden. Und prächtige Jugendstilgebäude betrachten sich in Spiegelglaswänden.

Quelle: Rheinische Post

 
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