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Entspannen auf Barbados

VON ANDRÉ SCHAHIDI - zuletzt aktualisiert: 15.05.2010 - 02:30

Es gibt Dinge, die werden einfach überbewertet. Eile zum Beispiel. Oder Pünktlichkeit. Nutzloser Kram. Zumindest auf Barbados. Das Leben auf der kleinen Karibik-Insel kennt nämlich genau zwei Geschwindigkeiten: "Slow". Und "Stop". Ziemlich entspannt. Bedenkt man nun noch, dass die erfolgreichsten Exporte der ehemaligen britischen Kolonie alkoholischer und weiblicher Natur sind – Rum und die Popsängerin Rihanna – Barbados könnte leicht als Himmel auf Erden durchgehen.

Die Insel, die ihren Namen den wie Bärte aussehenden hängenden Wurzeln an Feigenbäumen verdankt, hat auf 431 Quadratkilometern viel zu bieten. Um so verwunderlicher ist es da, dass Barbados vom Massentourismus bislang weitgehend ignoriert wird. Deutsche Touristen sind eher selten – gerade einmal eine wöchentliche Direktverbindung gibt es ab Frankfurt.

Das Ausbleiben der Touristenscharen hat definitiv seine Vorzüge. Erinnert sei an "Stop" und "Slow". Und an die Menschen auf dem Eiland. Die Bevölkerung, die sich selbst "Bajans" nennt, hat zu mehr als 90 Prozent afrikanische Wurzeln, sie sind Nachfahren einstiger Sklaven. Für sie gelten zwei "Spirits": Rum und Religion. Klingt unvereinbar, ist es aber nicht. Genau diese Mischung aus Glauben und Alkohol, am liebsten der ureigene "Mount Gay-Rum" (nach eigenem Bekunden die älteste Rumsorte der Welt), macht aus den Bajans ein ur-entspanntes Völkchen. Und weil Barbados bis 1962 eine britische Kolonie war, sticht noch eine andere Auffälligkeit hervor. Denn die Bajans haben ziemlich viel vom Lebensstil im Vereinten Königreich adaptiert: Sie sind höflich, freundlich und äußerst zuvorkommend. Attribute, die man Einwohnern anderer Karibik-Staaten nicht immer uneingeschränkt zuweisen kann. Barbados jedoch machen sie zu einem der sichersten Fleckchen in der Karibik. Trotz des unvermeidlichen, natürlich ebenfalls britischen Linksfahrens im Autoverkehr.

Den Lebensstil weiß auch Michael "Mike" Neuhoff zu schätzen. Der Deutsche mit der langen blonden Mähne fällt trotz ordentlicher Bräune zwischen den Einheimischen sofort auf. Vor 30 Jahren kam Neuhoff als Student nach Barbados – und von der Insel nie wieder los. Heute betreibt er auf Barbados mehrere Lokale und ist auch längst mit einer Einheimischen verheiratet. "Den Leuten hier geht es besser als anderswo in der Karibik", sagt er. "Und darum sind sie auch besser drauf."

Ihre gute Laune leben die Bajans gerne aus. Im "St. Lawrence Gap" zum Beispiel, der kleinen, aber feinen Ausgehmeile der Insel. Für jeden Geschmack ist etwas dabei – zumindest vom Ambiente. Denn die Musikrichtung, die ist festgelegt: karibisch eben. Reggae-Klänge wechseln sich mit R'n'B und Soul ab. Ähnliches ist beim jährlichen "Barbados Jazz-Festival" zu beobachten. Am "Farley Hill Park" picknicken Familien vor der Ruine eines alten Hauses im Kolonialstil, sitzen Gäste auf Sonnenliegen und lassen sich von der Musik berieseln. Dabei spielt Jazz, trotz des Namens, nur eine von vielen Rollen. Den Bajans ist das egal: Sie feiern sich und ihr Leben. Und haben dafür reichlich Gelegenheit. Denn die Partys, wie das Oistins Fih Festival, dem Erntedankfest oder dem Unabhängigkeitstag, sind querbeet über das Jahr verteilt.

Natürlich trägt die Umgebung einen nicht unerheblichen Teil zur Lebensqualität auf Barbados bei: 110 Kilometer Traumstrand, azurblaues Meer, Palmen und noch augenscheinlich unberührte Natur. Nicht ganz ohne Stolz behaupten die Bajans, über die beste Luft der Welt zu verfügen. Verständlich. Denn im Umkreis von vielen hundert Kilometern um Barbados herum gibt es nichts, was die Luft auch nur ansatzweise verschmutzen könnte.

Die findigen Einwohner haben reichlich Möglichkeiten zur Erkundung dieser Naturschönheiten geschaffen. Bei einer Katamarantour zum Beispiel, für 80 US-Dollar pro Person ist das Schnorcheln mit Wasserschildkröten inklusive. Oder bei einem Safari-Trip (ebenfalls etwa 80 Dollar) im offenen Jeep über die Insel. Und wer gut zu Fuß ist, kann sich einen Führer buchen und mit ihm die Naturschönheiten der Inseln ablaufen.

Natürlich ist auch auf Barbados nicht alles Gold, was glänzt. Durch die britischen Einflüsse wirkt die Insel mitsamt ihren Bewohnern an vielen Stellen auch sehr europäisch, was den Karibik-Flair hin und wieder ein wenig hemmt. Und die Marihuana-Verkäufer am Strand passen auch nicht ganz zum Gesamtbild. Doch trotz dieser Mini-Makel fesselt Barbados. Und wer nicht aufpasst, der endet so wie einst Mike Neuhoff – und will am Ende gar nicht mehr weg.

Quelle: Rheinische Post

 
 
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