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Bayerischer Wald: So weit die Skier gleiten

VON VERENA WOLFF - zuletzt aktualisiert: 21.01.2012 - 02:30

Franz Weinberger hat zwei Dienstautos, um die ihn mancher Mann beneiden dürfte. Das eine knattert, knarzt und braucht gelegentlich gutes Zureden. Das andere ist ein PS-Monster: rot, riesig, laut. Weinberger ist der Loipenmeister auf dem Bretterschachten, dem schneesichersten Langlaufgebiet im Bayerischen Wald.

Auf dem alten Skidoo oder dem hochmodernen Pistenbully sitzend drückt er die Spuren für die klassischen Langläufer in den Schnee. "Mehr als 80 Kilometer Pisten haben wir hier oben", erklärt Weinberger. "In einem Jahr kann man 150 bis 160 Tage Langlaufen." Spätestens im November fängt die Saison an, oft dauert sie bis in den April hinein. "Und das, obwohl wir nur auf 1120 Metern Höhe liegen", sagt Weinberger.

Das Aktivzentrum, einige Kilometer von Bodenmais entfernt, ist ein Paradies für Langläufer. Die Spuren gehen durch den Wald, immer wieder öffnen sich Lichtungen mit grandiosen Ausblicken. "Bei Föhn kann man das Dachstein-Massiv und die Zugspitze sehen", erzählt der Loipenmeister.

Jeder Läufer findet in dem Loipennetz am Fuß des Großen Arber seine Herausforderung: Von kurzen, ebenen Strecken bis zur 30 Kilometer langen Route mit vielen Steigungen und Gefällen gibt das Gebiet eine Menge her. "Wer eine größere Herausforderung braucht, kann alle Wege als 60 Kilometer lange Runde abfahren", sagt Weinberger.

Für den Wächter der Loipen bedeutet das tägliche Präparieren viel Arbeit: "Spätestens um vier Uhr morgens geht es los", sagt er. Das Gebiet ist weiträumig, und schon um sieben Uhr stehen die ersten Langläufer am Start beim Parkplatz des Aktivzentrums. Um diese Zeit ist man noch allein. Im Laufe eines guten Tages fahren aber bis zu 5000 Menschen auf den Berg.

Das Aktivzentrum in Bodenmais ist nur einer der vielen Orte im Bayerischen Wald, an dem sich die nordischen Skiläufer austoben. Mehr als 2000 Kilometer gespurter Loipen gibt es in den sechs Landkreisen, über die sich der älteste Nationalpark Deutschlands erstreckt.

Einer der schönsten und weitesten Wege ist die Bayerwaldloipe: 150 Kilometer lang ist die Route, die in Lohberg beginnt und in Neureichenau ihr Ziel hat. Immer entlang der Schneeflocken-Symbole gleiten die Läufer: Sie ist das Zeichen für den Weg. "Mit der Bayerwaldloipe sind viele Loipen in den einzelnen Gemeinden zu einem Ski-Fernwanderweg zusammengeschlossen worden", erklärt Michael Dietz vom Tourismusverband Arberland.

Vom Arber- und Ossergebiet bis hin zum Dreisessel verläuft der Weg quer durch den Nationalpark. "Man kommt über einige Hochplateaus und durch zahlreiche Lichtungen", sagt Dietz, selbst passionierter Langläufer. Nicht nur der Ausblick ist an vielen Stellen grandios: Es gibt auch am Wegesrand allerlei zu sehen. Deshalb sollte man nicht in drei Tagen durch den Wald rasen, auch wenn das möglich wäre.

Die Geschichte der Region ist an vielen Stellen lebendig, etwa am Bahnhof von Bayerisch Eisenstein: Der Grenzbahnhof, während des Kalten Krieges durch Mauern und Zäune abgeschottet, ist erst seit 1991 wieder in Betrieb. Die Grenze zwischen Deutschland und Tschechien verläuft bis heute mitten durch das Empfangsgebäude. Es ist nicht der einzige Punkt, an dem die Bayerwaldloipe nah an die Grenze heranführt. Wem die 150 Kilometer zu kurz sind, der kann an einigen Stellen vom Bayer- in den Böhmerwald wechseln und dort noch ein paar Schleifen fahren.

Die Strecken der Bayerwaldloipe sind mittelschwer und auch für Anfänger zu meistern. "Man kann von Ort zu Ort Skiwandern und sich das Gepäck hinterher bringen lassen", sagt Dietz. Die Länge der Etappen schwankt zwischen sieben und 30 Kilometern. Wie lang eine Tagestour ist, hängt von der eigenen Kondition ab. "Aber ich habe noch von keinem Ultra-Marathon-Langläufer gehört, der das alles in einem Tag geschafft hat", sagt Dietz. dpa

Infos Nationalparkgemeinden, Kaiserstraße 13, 94556 Neuschönau, Telefon 08558/91 021, E-Mail: info@nationalparkregion.de.

Quelle: RP


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