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  Gast

Auf Schlemmer-Tour durch Dublin

VON ALIKI NASSOUFIS - zuletzt aktualisiert: 08.02.2012 - 02:30

Für Haute Cuisine ist Irland nicht gerade berühmt. Eher für seinen milden Whiskey und sein deftiges Irish Stew. Aber auf der grünen Insel hat sich viel getan. Allein in Dublin übertrumpfen sich viele Köche mit ganz neuen Ideen. Und es gibt sogar kulinarische Stadtführungen.

Dublin (dpa) Irland und gutes Essen – glaubt man alten Klischees, passt das nicht zusammen. Ausländer hatten teilweise sogar den Eindruck, außer guter Butter habe das Land nicht viel zu bieten. Doch nicht zuletzt die Hauptstadt Dublin hat sich kulinarisch enorm gewandelt. Fernab von fettigen Eintöpfen ist in den vergangenen Jahren eine aufregend-vielseitige Gastronomie-Szene entstanden. Für Besucher heißt das: Innerhalb weniger Tage können sie viel Neues kennenlernen und vor allem: ausgezeichnetes Essen probieren.

"Viele denken bei der irischen Küche vor allem an den Eintopf Irish Stew und an Speck, Kartoffeln und Kohl", erzählt Eveleen Coyle, gebürtige Dublinerin, die mit ihren "Fabulous Food Trails" kulinarische Stadtführungen anbietet. Die Insel hat schwere Hungersnöte erlebt, deshalb galt Essen seitdem als etwas Überlebenswichtiges, das aber nicht zum Genießen bestimmt war.

Doch dann kam vor einigen Jahrzehnten der Aufschwung – und mit ihm die Lust am Essen. Irische Köche und Gastronomen fingen daher an, sich auf eigene Stärken zu besinnen. Das heißt: Auf den Tisch kommen frische, heimische Produkte. "Die moderne irische Küche besteht aus einem Touch Nostalgie und zahlreichen neuen Ideen, Zutaten und Kochstilen", fasst Mark Matanes, Manager des "Eden Restaurant", zusammen. Colin Kelly, Koch und Küchenchef im "One Pico", ergänzt: "Unsere Küche ist eine Mischung der französischen, italienischen und asiatischen mit irischen Produkten."

Sich auf Altbewährtes zu besinnen und das mit Genuss und Experimentierfreude zu kombinieren – dafür ist das "O'Connells Restaurant" ein gutes Beispiel. Von außen sieht es eher aus wie ein gewöhnlicher Pub. Schon die Vorspeisenkarte verrät, was das O'Connells kann: in Irland hergestellte, würzige spanische Chorizo-Wurst, gewürfelte, zarte Rote Bete, hauchdünne Scheiben eines vor Cork gefangenen Lachses und französisch anmutender Schimmelkäse aus irischer Schafsmilch hergestellt. Hauptspeisen? Zum Beispiel Hühnchen mit Thymian-Brot-Füllung und Cranberrysoße – nach katalanischer Art im Kohleofen gebraten.

Im Zentrum der Hauptstadt können Touristen noch anderes entdecken: Zum Beispiel das "Pepper Pot Café", in dem die junge Dervla ihren Traum eines eigenen Cafés mit selbst hergestelltem Gebäck, belegten Bagels und Bioprodukten verwirklicht. Oder das "Blazing Salads" nahe der uralten Markthalle Georges Street Arcade, in dem Familie Fitzmaurice vegetarisches Bio-Fast-Food wie Hummus oder Karotten-Mandelsalat anbietet.

Im "Cocoa Atelier" gegenüber liegen neben feinsten Schokoladen bunte Macarons in der Auslage – natürlich werden auch diese französischen Delikatessen mit irischen, saisonalen Produkten wie Erdbeeren hergestellt. Ähnlich im "Murphys" um die Ecke: Die Milch von Kerry-Kühen ist Grundlage für sagenhaftes Eis und wird für eine Sorte sogar mit Meersalz gemischt.

Im "Sheridans" geht es dagegen um eine ur-irische Tradition: die Käseherstellung. Einige sind cremig, andere eher fest. Einige bestehen aus Kuhmilch, andere aus Ziegenmilch, doch alles sind Produkte von irischen Farmern. Kein Wunder, dass sich die Kunden in dem kleinen Laden drängeln und sich nicht entscheiden können.

Noch eine Spezialität ist aus Dublin nicht wegzudenken: Guinness. Am besten probiert man das Bier in einem der zwölf typisch viktorianischen Pubs. Wie im "The Swan", in dem noch immer der alte Mosaikboden, die einstige Kassenhütte und die urigen Zapfhähne erhalten sind. Vor allem aber gibt es jemanden wie Dave, der weiß, wie ein Pint Guinness richtig gezapft wird: "Es muss cremig und nicht voller Bläschen sein", erklärt der Barmann.

Quelle: RP


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