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  Gast

Abendlied am River Kwai

VON ALEXANDRA KEMP - zuletzt aktualisiert: 04.02.2012 - 02:30

Von einem solchen Tag möchte man einfach nicht Abschied nehmen. Längst ist die Sonne untergegangen. Die Nacht hat Thailands Dschungel an der Grenze zu Burma im Dunkel verschwinden lassen. Doch da sind noch die Wärme, der Duft und die Geräusche.

Leise plätschernd fließt der River Kwai unter den Holzplanken des Wasserhotels vorbei und lässt es sanft schaukeln. Dort, wo die Gäste an massiven Holztischen sitzen, gibt es keine Außenwände, nur ein Geländer. Näher an der Natur kann man kaum sein. Der Blick schweift in die Ferne und versucht, in der Dunkelheit einen Fixpunkt zu finden. Vergeblich. Stattdessen: Zikaden sirren. Vögel rufen. Karbidlampen zischen. Der Blick fällt zurück ins Glas. Singha-Bier, goldgelb, kühl und herb. Das ist eine einzigartige Nacht. Wer will jetzt schon ins Bett?

Am Mittag hat ein Schnellboot die Gäste zum Hotel gebracht. Eine rasante Fahrt. Die Gischt spritzt auf die Sitze, verschont niemanden. Dennoch herrscht gute Laune, denn bei 32 Grad Hitze und bis zu 80 Prozent Luftfeuchtigkeit ist die Tour eine willkommene Erfrischung. Immer tiefer geht es in den Dschungel hinein. Seichte, sandige Flussufer gibt es nur selten. Direkt hinter dem Wasser beginnt dichtes Grün. Gibt es hier noch Zivilisation? Aber ja. Ein Hirte treibt eine kleine Herde Wasserbüffel in die Fluten.

Dann, in einer Linkskurve, erscheint das Floating Hotel "River Kwai Jungle Rafts". Es besteht aus 18 Pontons. Auf jedem steht ein Blockhäuschen. Bunte Blumen schmücken die Außenwände. Orangefarbene Tagetes, die in Deutschland auf Gräber gepflanzt werden, wirken in dieser Umgebung exotisch und schön.

Einchecken am Empfang. So, wie in jedem Hotel. Und doch etwas anders. Der River Kwai hat eine hohe Fließgeschwindigkeit. Die Pontons schaukeln beständig. Wer zu seiner Unterkunft will, muss den Rollkoffer über schwankende Holzstege manövrieren.

Die Zimmer: einfach und luxuriös. Einfach, weil die Toilettenspülung aus einer Schöpfkelle besteht, die in einem Wasserbehälter schwimmt. Zur Spülung dient Flusswasser. Und das fließt auch kalt aus dem gelblichen Plastik-Brausekopf. Aber immerhin – es gibt ein Waschbecken und eine Kofferablage, ein Doppelbett, Nachtschränkchen und ein Moskitonetz. Das ist der Luxus, mitten im dichten Dschungel.

Die Gäste haben die Schwimmwesten entdeckt. Sie gehören zur Ausstattung eines jeden Zimmers. Das Abenteuer lockt. Vom letzten Ponton am Ende des Hotels springen sie in die braunen Fluten des River Kwai und lassen sich am Hotel entlang treiben. Wer gegen die Strömung ansteuern möchte, braucht Kraft. Der Fluss will den Menschen in seine Mitte ziehen, doch das Ende des Wasserhotels naht schon bald. Kräftige Züge sind nötig, um zu einer metallenen Leiter zu schwimmen, über die man wieder auf den ersten Ponton klettern kann. Geschafft. Eine Mutprobe. Und was, wenn ein Schwimmer die letzte Leiter verpasst?

Die Abende auf dem Flusshotel sind am schönsten. Der Speisesaal ist mit Karbidlampen stimmungsvoll beleuchtet. Die Reisegruppe um Esther Okker ist begeistert. Die 34-Jährige kommt aus den Niederlanden und besucht zwei Tage lang das "River Kwai Jungle Rafts", um danach wieder nach Bangkok zurückzukehren. Welch ein Kontrast. "It's a little back to basic", sagt sie, eine Reise zurück zur Einfachheit. Vielleicht auch eine Chance zur Besinnung auf sich selbst. Morgen will sie mit dem Kanu auf dem River Kwai fahren. Danach geht es zurück ins quirlige Bangkok.

Am nächsten Tag: Abschied vom Flusshotel. Beim Packen des Koffers erklingt lautes Trompeten. Ein Elefant! Das Geräusch des Tieres erscheint so nah, als stünde es direkt im Blockhäuschen. Die Touristen stürmen auf ihre Balkone, die Kameras gezückt. Und tatsächlich, zwei Mahouds sind mit ihren Elefanten gekommen, um sie im River Kwai zu baden. Die Tiere sind im Dschungel nützlich. Sie können Pflanzen roden und Baumstämme rücken. Außerdem stehen sie Touristen im Dschungel für einen Ausritt zur Verfügung.

Jetzt haben sie sich eine Pause verdient. Ihre Führer, die Mahouds, geben ihnen den Befehl zum Untertauchen, während sie selbst sich geschickt auf deren Rücken in Balance halten. Dann verziehen sich Mensch und Tier wieder in den Wald.

Quelle: RP


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