Welt-Premiere für "Kraftwerk"
VON ANNETTE BOSETTI - zuletzt aktualisiert: 13.09.2011 - 02:30Es war das bestgehütete Geheimnis des Düsseldorfer Kunstwochenendes: Als Freitag Nacht in der Galerie Hans Mayer nach der Vernissage wie aus heiterem Himmel 3-D-Brillen verteilt wurden und die Gäste auf die Stufen der Kunsthalle geschickt wurden, zeigte Kraftwerk seine dreidimensionale Videoinstallation zum ersten Mal Open Air. Es war eine Weltpremiere. Auf der Fassade der Kunstsammlung tanzten die Buchstaben und Figuren, die programmierte Ton- und Bildwelt setzte Impulse einer multimedialen Kunstwelt um in abstrakte Bilder und mechanisch wummernde Beats.
Wäre das Konzert zuvor bekannt geworden, dann hätten sicherlich tausende Kraftwerk-Anhänger aus aller Herren Länder die Altstadt heimgesucht – was man seitens des Ordnungsamtes aus Sicherheitsgründen auf jeden Fall vermeiden wollte. Immerhin kamen hunderte Flaneure der Nacht und feierten Party, selten war die Terrasse des Salon des Amateurs bei leichtem Nieselregen so gut besucht.
Diese großformatige Open-Air-Perfomance war ein Geschenk und gleichzeitig ein Probelauf: Was demnächst in New York, London und München als Spektakel stattfinden soll, hat Kraftwerk in seiner Heimatstadt schon einmal getestet. Ralf Hütter, Gründungsmitglied und aktueller Besitzer von Kraftwerk, hat diese Show dem Galeristen Hans Mayer zur Neueröffnung seiner Galerie am Grabbeplatz geschenkt. Es war ein kleines Dankeschön dafür, dass Mayer die 1970 gegründete Band früh schon gefördert und in den Kunstbetrieb hineingezogen hat.
1000 Brillen wurden verteilt – es wird nicht lange dauern, bis es Sammlerstücke sind. Nur mit diesen weißen Pappgestellen auf der Nase konnte man das Video klar sehen und voll plastisch wahrnehmen. 25 Minuten lief die Demonstration, die allerlei Bekanntes aus der Kraftwerkschmiede vermengte und ganz theatralisch den Abendhimmel inszenierte. Video- und Audio-Operator hatten vom Büro des Galeriebesitzers aus mit gigantischen Projektoren die paar hundert Meter zu überbrücken. Alles lief perfekt. Auch Kraftwerker Ralf Hütter muss schließlich zufrieden gewesen sein, als er spätabends mit Fotokünstler Andreas Gursky im Salon fachsimpelte.
Für Galerist Hans Mayer war es der eigentliche Höhepunkt seines Openings. "Andere schenken an solchen Tagen Champagner aus," sagt er, "ich habe mir eben ein Kunstereignis gegönnt." Bier gab es bei Mayer danach – bis zwei Uhr nachts hat man im weißen Zelt vom Op de Eck noch auf den Kunstabend angestoßen mit Künstlern aus aller Welt.
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