Wachstum ist Geschichte
zuletzt aktualisiert: 05.02.2011 - 02:30Der renommierte Sozialwissenschaftler Meinhard Miegel (71) ist morgen, 11 Uhr, für die "Düsseldorfer Dialoge" zu Gast im Düsseldorfer Schauspielhaus. Miegel ist Sachverständiger der Enquete-Kommission "Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität" des Deutschen Bundestages und Vorstandsvorsitzender des Denkwerks Zukunft-Stiftung kulturelle Erneuerung in Bonn. Bei den "Düsseldorfer Dialogen" wird der Publizist sein Buch "Exit. Wohlstand ohne Wachstum" vorstellen und gemeinsam mit dem Literaturkritiker Hubert Winkels über sein Zukunftsbild diskutieren. RP-Mitarbeiterin Sybille Möckl sprach mit ihm über seine Thesen.
Welche Kernthesen behandelt Ihr aktuelles Buch "Exit. Wohlstand ohne Wachstum"?
Meinhard Miegel Die Zeit starken Wirtschaftswachstums ist vorbei. Wir stehen vor einem Paradigmenwechsel. Der materielle Wohlstand wird sinken, und die Gesellschaft muss versuchen, diesen Rückgang durch Erschließung immaterieller Wohlstandsquellen auszugleichen, um auch künftig zufrieden zu sein.
Von welchen immateriellen Wohlstandsquellen sprechen Sie?
Miegel Von Dingen wie Bildung, Freundeskreisen, Nachbarschaftsgemeinschaften oder aber auch intakter Natur, Kultur und menschengerechten Städten. Das alles ist in den vergangenen Jahren ins Hintertreffen geraten.
Die Lebenszufriedenheit der Menschen ist also nicht zwangsweise an das Wirtschaftswachstum gekoppelt?
Miegel Nein, definitiv nicht. Die Bevölkerung darf den Rückgang des materiellen Wohlstands nicht einfach hinnehmen und deprimiert werden, sondern muss Auswege schaffen.
Bisher wurde die Funktionsfähigkeit einer Gesellschaft vom Wirtschaftswachstum abhängig gemacht. Das muss sich also ändern?
Miegel Ja, es können in Zukunft nicht mehr alle gesellschaftlichen Probleme mit Wachstum gelöst werden. Die Bedingungen haben sich geändert. Es muss Neues erprobt werden, wo Bewährtes ausgedient hat. So müssen beispielsweise die öffentlichen Haushalte so umgestaltet werden, dass sie nicht mehr Mittel ausgegeben als eingenommen werden.
In Ihren Vorträgen zeichnen Sie das Bild einer Gesellschaft, die ohne Wachstum funktioniert. Wie reagiert denn das Publikum darauf?
Miegel Erstaunlich aufgeschlossen. Ich bin jedes Mal verblüfft über die Bereitschaft der Menschen, meine Gedanken aufzunehmen und sich ernsthaft damit zu beschäftigen. Aber ich gebe zu, dass das wahrscheinlich nicht sehr repräsentativ ist. Die Menschen, die zu meinen Vorträgen kommen, haben sich meist schon vorher mit dem Thema befasst.
Karten sind unter Telefon 0211 369911 und an der Tageskasse erhältlich.
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