Vater und Tochter erschossen
VON HANS ONKELBACH UND SABRINA TILGNER - zuletzt aktualisiert: 18.06.2010 - 02:30Doppelmord in Hassels: Ein 82-jähriger Mann und seine 39-jährige Tochter wurden in ihrer Wohnung von zwei Tätern umgebracht. Die 81-jährige Mutter war in ein Zimmer eingeschlossen worden und fand die leblosen Körper blutüberströmt. Die Polizei sucht mit Hochdruck. Das Motiv ist unklar.
Die Altenbrückstraße 43 in Hassels, Donnerstagmorgen, kurz vor neun. Von diesem vierstöckigen Mehrfamilienhaus geht über die 110 ein Notruf bei der Polizei ein, eine hörbar verzweifelte ältere Frau erklärt, ihre Familie sei überfallen worden, ihr Mann und ihre Tochter lägen blutüberströmt in der Wohnung. Minuten später sind die Beamten da und finden die Aussage bestätigt. Später wird Kriminalkommissar Udo Moll berichten, dass es zwei Tote gibt – der Vater (82) und die Tochter (39) wurden erschossen. Nachmittags, rund acht Stunden nach der Tat, weiß die Polizei noch nicht viel mehr über dieses Verbrechen zu berichten.
Fest steht lediglich, dass am frühen Morgen – irgendwann zwischen 6 und 8 Uhr – zwei Männer das Mehrfamilienhaus betreten und in die Wohnung im ersten Stock gehen. Ein Nachbar sagt der Polizei später, er habe den Tür-Summer gehört. Was danach in der Wohnung passiert, versuchen zur Zeit eine ganze Reihe von Polizisten zu rekapitulieren. Das Ehepaar – sie 81, er 82 – wohnt dort mit der 39-jährigen Tochter in zwei nebeneinander liegenden Wohnungen. Es sind hier geborene Deutsche. Die Überlebende sagt, die zwei Täter hätten sie in einem Zimmer eingesperrt. Als sie sich befreien konnte, habe sie Mann und Tochter auf dem Boden liegend gefunden.
Die Wohnung macht nach ersten Aussagen der Kripo nicht den Eindruck einer Adresse, die Einbrecher locken könnte, weil sie dort reiche Beute erwarten. Es war auch nicht ersichtlich, ob es sich um einen Raubüberfall handelte. Moll, Leiter der Mordkommission, sagte zu einer Täter-Opfer-Beziehung allerdings, nach seiner Erfahrung sei es unwahrscheinlich, dass Täter sich willkürlich eine Wohnung in einem Wohnhaus aussuchen, eindringen und zufällig zwei Menschen erschießen. Mit anderen Worten: Man glaubt eher daran, dass die Opfer und die Täter sich kannten.
Auffallend auch die Tatsache, dass kein Zeuge Schüsse gehört hat. Sollten jedoch Schalldämpfer benutzt worden sein, spräche das wieder für eine gezielte Tat. Ob es stimmt, dass die Opfer mit Schüssen in den Hinterkopf ermordet wurden, will die Polizei ebenfalls nicht bestätigen.
Der Rettungsarzt hat noch versucht, den Vater zu reanimieren, aber vergeblich. Die 39-Jährige ist schwer verletzt und wird in die Uni-Klinik gebracht, wo sie aber wenig später stirbt. Welcher Art die Schussverletzungen bei den beiden waren, will die Kripo nicht sagen. Die Mutter wird um 11.15 Uhr mit einem Tuch verdeckt auf einem Rollstuhl in einen Rettungswagen gebracht und weggefahren. Sie hat einen schweren Schock erlitten und ist kaum fähig auszusagen. Sie beschreibt die Täter als normal aussehend und zwischen 1,70 und 1,80 Meter groß, mit dunklem Haar.
Gegen Mittag setzte die Polizei eine halbe Hundertschaft zur Spurensuche in der Umgebung ein. Die Altenbrückstraße bleibt während der Untersuchungen am Tatort auf einer Länge von etwa 300 Metern gesperrt. Mit Sprengstoffspürhunden sucht man nach Patronenhülsen. Spezialisten bieten den Polizisten, die als erste am Tatort waren und die Opfer fanden, psychologische Betreuung an. Das bestätigt später ein Polizeisprecher.
An der Altenbrückstraße liegen Hochhäuser des sozialen Brennpunktes Hassels-Nord, in dem die Arbeitslosigkeit und der Migrantenanteil besonders hoch sind, aber auch bürgerliche Mehrfamilienhäuser finden sich. Das Mehrfamilienhaus, in dem die Familie lebt, gehört zu dem letzten Abschnitt. Eine Frau erzählt, die drei Familienmitglieder hätten zurückgezogen in der Wohnung gelebt. Ihre Tochter und das jetzt schwer verletzte Opfer hätten als Kinder gemeinsam die Grundschule besucht. "Das sind sehr nette Leute. Und die Tochter ist toll", sagt sie. "Hoffentlich schafft sie es." Sie weiß zu diesem Zeitpunkt nicht, dass die Frau tot ist.
René Hölscher macht die Polizei auf einen Messergriff mit abgebrochener Klinge aufmerksam, den er etwa 50 Meter von dem Haus gefunden hatte: "Vielleicht hat das ja etwas mit der Tat zu tun." Der 39-jährige Anwohner der Altenbrückstraße ist besorgt um die Sicherheit im Stadtteil. "Von so einer Sache hört man nicht gern. Da wird einem mulmig, besonders wenn man an seine Kinder denkt," sagt Hölscher. Auch Nachbarin Ursula Keusen (60) macht sich Gedanken: "Wenn man so etwas im Fernsehen sieht, ist es weit weg. Jetzt ist es nur einen Steinwurf entfernt.."
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum



