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Tornado zerstört Moerser Baumarkt

VON JÜRGEN STOCK UND TINA STOCKHAUSEN - zuletzt aktualisiert: 13.07.2010 - 02:30

Dutzende Verletzte, zerstörte Häuser, blockierte Straßen und Schienen: Der Niederrhein ist von einem der heftigsten Gewitter seit langem heimgesucht worden. In Moers riss eine Windhose das Flachdach eines Baumarktes ab und schleuderte es auf den Parkplatz eines Supermarktes. Mindestens fünf Menschen wurden verletzt.

Es ist kurz nach zwölf, als sich in Moers Hochstraß der Himmel verfinstert. Die Rentnerin Engel Steinnagel bemerkt das rasend schnell aufziehende Unwetter an der Kasse des Aldi-Supermarkts. Sie hat Paletten Mineralwasser im Einkaufswagen. Die wollen sie und ihr Mann mit ihrem Nissan Almera nach Hause transportieren. Doch dazu kommt es nicht. "Es krachte, und mit einem Mal war draußen nur noch eine schwarze Wand", berichtet die 68-Jährige. Vom benachbarten Praktiker-Baumarkt hat eine Windhose das 2000 Quadratmeter große Metall-Flachdach aus seiner Verankerung gerissen und über den Parkplatz geschleudert. "Der Supermarktleiter", berichtet die Frau, "hat Leuten, die schon nach draußen gegangen waren, zugerufen: ,Rein, rein!'"

Möglicherweise ist seiner Geistesgegenwart zu verdanken, dass die kurz darauf eintreffende Feuerwehr nur fünf überwiegend Leichtverletzte zählt. "Als wir ankamen, war der komplette Parkplatz mit schweren Trümmerteilen bedeckt", berichtet Christoph Rudolph, Leiter der Moerser Feuerwehr. "Wir haben zunächst einmal nachgesehen, ob unter dem Dach nicht noch Opfer liegen. Es gleicht schon einem Wunder, dass hier nichts Schlimmeres passiert ist."

Wie in Moers hat das Unwetter, das von Aachen her über NRW gezogen ist, auch in anderen Teilen des Niederrheins schwere Verwüstungen hinterlassen. Dutzende Menschen werden verletzt. Sturmböen knicken landesweit dicke Bäume um wie Streichhölzer. Außer in Moers berichten Augenzeugen auch in Neuss, Düsseldorf und in Ratingen von Tornados.

In einigen Städten fällt der Strom aus, zum Teil bricht die Mobilfunkverbindung zusammen. Zahlreiche Züge bleiben auf offener Strecke liegen. In Krefeld geht am Hauptbahnhof gar nichts mehr. Die Bahn stellt den Zugverkehr dort zeitweise komplett ein. Der Regionalexpress von Gladbach nach Wesel bleibt um 13.21 Uhr im Dinslakener Bahnhof stehen. Im Bahnhof Emmerich kommt ein niederländischer ICE nicht weiter. In Viersen muss ein Zug eine Notbremsung machen, weil Bäume den Weg blockieren. Dabei verletzten sich zwei Passagiere leicht. Auch aus Köln, Duisburg, Essen und Düsseldorf meldet die Bahn serienweise Zugausfälle.

Auch auf vielen Autobahnen kommt der Verkehr wegen Starkregens und umgestürzter Bäume zum Erliegen. Die Autobahnen nach Aachen und die A 3 bei Emmerich sind am Mittag durch Bäume und herabgerissene Äste blockiert.

In Neuss spielen sich dramatische Szenen ab. Dort reißt der Sturm auf der Josefstraße den kompletten Dachstuhl eines Restaurants herunter. Gebälk und Ziegel treffen einen vorbeifahrenden Kleinbus, der normalerweise Schüler befördert. Zum Glück sind keine Kinder an Bord. Der Fahrer bleibt unverletzt. Ganz in der Nähe wird ein Mehrfamilienhaus abgedeckt. Ein Statiker muss nun überprüfen, ob das Gebäude noch bewohnbar ist. In Kalkar schlägt der Blitz in ein Mehrfamilienhaus ein. Eine Dachgeschosswohnung brennt aus.

Ebenso schnell wie das Unwetter gekommen ist, verschwindet es wieder. Zurück bleiben Menschen unter Schock. In Moers fordert die Feuerwehr schweres Räumgerät beim Technischen Hilfswerk an. Speditionskaufmann Werner Köhnen steht ratlos vor dem an den Baumarkt angrenzenden Bürotrakt. Als der Tornado kam und das Dach abhob, flüchtete er mit seinen Mitarbeitern in die Tiefgarage. Jetzt ist das Gebäude gesperrt. "Wie soll ich", fragt er, "jetzt meinen Betrieb weiterführen?"

"Tornados entstehen, wenn heiße Luftmassen nach oben steigen und kalte Luft aus dem Norden nachströmt", sagt Andreas Wagner, Meteorologe und Tornado-Experte bei der Unwetterzentrale NRW. Die Gewitterwolke gerät in Rotation und es bildet sich ein Rüssel, der bis auf den Boden reicht. Oft ist der Rüssel gerade mal einige Dutzend Meter breit und der Tornado hält sich nur wenige Minuten am Boden. Trotzdem hinterlässt er in dieser kurzen Zeit eine Schneise der Verwüstung. "Wo genau sich ein Tornado bildet, ist nicht vorhersagbar", sagt Wagner. "Das kann jeden treffen."

Internet Fotos des Unwetters aus der Region und Berichte der Leser unter www.rp-online.de/regional

Quelle: Rheinische Post

 
 
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