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Schloss Jägerhof erinnert an Goethe

VON UTE RASCH - zuletzt aktualisiert: 07.09.2011 - 02:30

Im Geburtsjahr des großen deutschen Dichters wurde das rosa-farbene Rokoko-Schloss gebaut, heute zählen rund 50 000 Dokumente aus der Zeit Johann Wolfgang von Goethes zur Sammlung des Hauses.

"Es war schon finster, als ich in Düsseldorf landete und mich daher mit Laternen nach Pempelfort bringen ließ." Diese Zeilen schrieb Goethe im November 1792, nachdem er bei den Brüdern Jacobi (heutiger Malkasten) eingetroffen war. Schloss Jägerhof in direkter Nachbarschaft erwähnte er nicht. Wie sollte er ahnen, dass dieses rosa Rokoko-Schmuckstück 200 Jahre später eines der bedeutenden Goethe-Museen beherbergen sollte – mit über 50 000 Dokumenten aus seiner Zeit.

Wohl kein zweites Schloss in Düsseldorf hat eine derart wechselvolle Geschichte erlebt wie der einstige Jägerhof, vom Hohenzollernsitz bis zum Naziquartier. Exakt in Goethes Geburtsjahr 1749 begannen die Bauarbeiten des Schlosses, das Kurfürst Carl Theodor vor den Toren der Stadt als Domizil für seinen Oberjägermeister plante. Es folgten turbulente Jahre: 1795 plünderten französische Revolutionstruppen das Gebäude und ließen es eiligst wieder renovieren und einrichten, als Napoleon 1811 seinen Besuch ankündigte. Trotzdem muss er ziemlich gefroren haben, er wünschte sich für ein nächstes Mal mehr Kamine – und andere Tapeten.

Doch dazu kam es nicht, denn ein paar Jahre später fiel das Rheinland an Preußen, und das Rokokoschloss wurde zum Sitz der Hohenzollern und zum Drehkreuz ihrer Heirats-arrangements. "Hier wurde Weltpolitik gemacht", meint der heutige Hausherr Volkmar Hansen, Direktor des Goethe-Museums. Als Schloss Jägerhof der Familie zu eng wurde, kaufte es die Stadt Düsseldorf 1909 für 1,2 Millionen Mark.

Locke hinter Glas auf grünem Samt

Aber erst nach Ende des Zweiten Weltkrieges – nachdem die Hakenkreuzfahne der Nazis vom Dach wieder verschwunden, das Hauptquartier von Gauleiter Florian geräumt und die Bombenschäden beseitigt waren – wurde das Haus zu einem Ort der Kunst: Stadtmuseum, dann Kunstsammlung NRW, schließlich Goethe-Museum. Der Kreis war geschlossen: Der größte deutsche Dichter kehrte symbolisch nach Pempelfort zurück.

Und da liegt sie nun hinter Glas: eine dunkelbraune Locke von der Denkerstirn, gebettet auf grünen Samt. Diese Reliquie gehört heute zur Dauerausstellung des Hauses, in der nur etwa 1000 Stücke der Sammlung ständig gezeigt werden können. Der Rest wartet im Magazin darauf, in einer Sonderausstellung zu glänzen: Schriften von Goethes Hand im Original, Briefe, allein 20 000 Bücher, vieles in kostbaren Erstausgaben, Porträts von Goethe, die dokumentieren, wie seine Zeitgenossen ihn sahen, Städte- und Landschaftsbilder, die Orte zeigen, an denen er gern war.

Und vieles davon wäre sicher nicht in Düsseldorf, hätte Anton Kippenberg (1874-1950) nicht seine große Goethe-Sammlung in einer Stiftung dem Düsseldorfer Museum hinterlassen. Heike Spies, stellvertretende Leiterin des Hauses: "Bei uns ist jeder Tag aus Goethes Lebens dokumentiert." Das Interesse an dem größten deutschen Dichter treibt bis heute Besucher aus aller Welt nach Düsseldorf. Erst neulich kamen Japaner auf ihrem Europa-Trip für ein paar Stunden. Sie wollten die letzten Verse vom "Faust II" im Original sehen.

Quelle: RP


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