Sauerland-Terrorist schwört Gewalt ab
VON GERHARD VOOGT - zuletzt aktualisiert: 11.08.2009 - 02:30Düsseldorf. Der Rädelsführer der islamistischen Terrorgruppe, die Sprengstoffanschläge in Deutschland plante, hat gestern vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht ein umfassendes Geständnis abgelegt. Fritz Gelowicz erklärte, das Ziel der "Sauerland-Gruppe" sei gewesen, bei Anschlägen auf amerikanische Pubs und Diskotheken möglichst viele US-Soldaten zu töten. Dabei habe man billigend den Tod von Zivilisten in Kauf genommen. Sprengsätze, die an deutschen Flughäfen explodieren sollten, hätten ein "allerletztes Warnsignal an die deutsche Bevölkerung" senden sollen. Es sei aber "Allahs Wille" gewesen, dass die Attentate scheiterten. Den bewaffneten "heiligen Krieg" wolle er deshalb nicht weiter fortsetzen. "Rückblickend würde ich es nicht noch einmal tun", sagte der 29-Jährige.
Im Plauderton schilderte der zum Islam konvertierte Wirtschaftsstudent aus Ulm seine Reise in ein Ausbildungslager der Mudschaheddin im pakistanisch-afghanische Grenzgebiet. Dort sei ihm von einem Anführer die Rückkehr nach Deutschland nahegelegt worden. "Mit weniger Aufwand sei dort ein größerer Schaden zu erreichen", sagte der Sohn einer Ärztin.
Als die Fahnder die Gruppe im September 2007 im sauerländischen Medebach-Oberschledorn überwältigten, sei er "baff" gewesen, sagte Gelowicz. Das Bundeskriminalamt habe seinen Job besser gemacht als der Verfassungsschutz, räumte der Anführer ein.
Zuvor hatte sich Gelowicz über die Arbeit des Verfassungsschutzes lustig gemacht. "Die Observation war so auffällig, dass man das nicht übersehen konnte." Er habe deshalb einen Mitangeklagen beauftragt, die Reifen eines Beschatter-Autos zu zerstechen. Daraufhin seien die Ermittler mit zehn Fahrzeugen abgezogen: "Die Straße danach war menschenleer", sagte Gelowicz. Die Angeklagten hatten während der Sommer-Sitzungspause des Gerichts umfangreiche Aussagen gemacht. Der Vorsitzende Richter Ottmar Breidling sagte, das Gericht sei "beeindruckt von dem Umfang und der Offenheit" der Aussagen. Die Geständnisse seien offenbar nicht "gezinkt" und könnten sich strafmildernd auswirken.
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