Reise-Chaos dauert noch mehrere Tage
zuletzt aktualisiert: 17.04.2010 - 02:30Airlines und Flughäfen rechnen auch am Wochenende mit starken Beeinträchtigungen im Reiseverkehr. Selbst wenn Teile des Luftraums geöffnet werden, wird der Flugverkehr nur äußerst langsam wieder in Gang kommen.
Wie lange dauert es nach Öffnung des Luftraums, bis alle Flüge wieder pünktlich starten?
Etwa zwei bis drei Tage – vorausgesetzt, der Luftraum wird vollständig freigegeben, sagt Christian Witt, Sprecher des Düsseldorfer Flughafens. Ein Lufthansa-Sprecher bestätigt dies: "Nach dem eintägigen Streik der Lufthansa-Piloten im Februar dauerte es drei Tage, ehe alles wieder normal lief. Das ist die einzige vergleichbare Erfahrung, auf die wir zurückgreifen können."
Warum dauert es so lange, den normalen Flugplan durchzusetzen?
Die Aschewolke hat den europäischen Luftverkehr in das größte Chaos seit dem 11. September 2001 gestürzt. Laut Eurocontrol fanden gestern 12 000 bis 13 000 der üblichen 29 000 Starts und Landungen statt. Air Berlin hatte weniger als zehn Prozent ihrer 152 Maschinen in der Luft, am wichtigsten Drehkreuz der Lufthansa in Frankfurt(1400 Flüge pro Tag) ging ab acht Uhr morgens nichts mehr, auch die 260 Flüge der Kranich-Airline ab und nach Düsseldorf fielen aus. Als Folge stecken etliche Maschinen und Crews an Airports fest, von denen sie nicht starten konnten oder auf denen sie notlanden mussten – wie der Airbus, der jetzt in Weeze steht, aber eigentlich nach Brüssel wollte. "Wir werden, wenn die Lufträume freigegeben sind, wahrscheinlich auch leere Maschinen fliegen lassen müssen, um sie dort hin zu bringen, wo sie gebraucht werden", erklärte Air-Berlin-Sprecher Hans-Christoph Noack. "Das wird für uns teuer."
Wer zahlt die Schäden?
Der Verband der europäischen Fluggesellschaften erwartet Schäden in dreistelliger Millionenhöhe. Der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen sprach von einer "nie dagewesenen Schließung europäischer Flughäfen" mit "enormen wirtschaftlichen Auswirkungen". Die genauen Einbußen seien allerdings "noch nicht absehbar". Die Belastungen müssen die Airlines wohl selbst tragen. Solch ein Schaden sei höhere Gewalt und daher nicht versicherbar, hieß es bei Lufthansa und Air Berlin.
Werden Piloten nonstop fliegen, um möglichst schnell zum normalen Flugplan zurückzukehren?
Nein. Die vorgeschriebenen Ruhephasen gelten auch in Ausnahmesituationen. Air-Berlin-Piloten und -Flugbegleiter müssen nach einer Acht-bis-zwölf-Stunden-Schicht mindestens zwölf Stunden pausieren. Bei längeren Einsätzen gilt: So lange die Schicht, so lange die Pause.
Was sollten Kunden tun?
Passagiere sollten sich bei den Airlines über den Stand ihrer Flüge informieren, ehe sie zum Flughafen fahren. Am besten im Internet – viele Hotlines sind überlastet.
Gibt es Ausweichmöglichkeiten?
Lufthansa-Kunden können sich am Check-In-Automaten ihre Flugtickets als Reise-Voucher für die Bahn ausstellen lassen. Etliche Züge waren gestern jedoch überfüllt. Der ADAC bietet – auch Nichtmitgliedern – Mitfahrgelegenheiten an (www.adac.de/mitfahrclub), ebenso das Portal "www.mitfahrgelegenheit.de". Die Fernbusunternehmen Deutsche Touring und Eurolines wollten ihre Kapazitäten deutlich aufstocken.
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