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Düsseldorf: Prozess: CO-Pipeline auf dem Prüfstand

VON JÖRG JANSSEN - zuletzt aktualisiert: 24.05.2011 - 02:30

Düsseldorf (RP). Jetzt geht es beim Streit um eines der wichtigsten Industrieprojekte in NRW, der in der Region umstrittenen Kohlenmonoxid(CO) -Pipeline des Bayer-Konzerns, ums Ganze. Begleitet von TV-Kameras und dem Blitzlichtgewitter dutzender Fotografen eröffnete gestern Morgen das Düsseldorfer Verwaltungsgericht die mit Spannung erwartete Hauptverhandlung über die bereits verlegte, nicht jedoch in Betrieb genommene Gasröhre.

67 Kilometer lang ist die Leitung, die die Bayer-Standorte Dormagen und Uerdingen miteinander verbindet. Aus Sicht des Chemiekonzerns ein unverzichtbarer Leitungsverbund, ohne den eine stets abgesicherte Versorgung der Kunststoff-Produktion mit dem Rohstoff Kohlenmonoxid nicht möglich ist. Nach Meinung der zahlreichen Gegner entlang der Trasse bedeutet eine Inbetriebnahme dagegen ein inakzeptabel hohes Risiko. Sie haben Angst vor dem geruchlosen, hochgiftigen und explosiven Gas und sprechen von einer "Todeszone". Mehr als 110 000 Bürger haben gegen die Röhre, die bis zu 20 Meter an Häuser heranreicht, unterschrieben. Stadträte, Bürgermeister und der Landrat des Kreises Mettmann kämpfen an ihrer Seite.

Drei dieser Gegner, die Langenfelder Brüder Heinz und Klaus Schiefer sowie der Monheimer Heinz-Josef Muhr, hatten fristgerecht gegen die Düsseldorfer Bezirksregierung und die 2007 von ihr erteilte Genehmigung (Planfeststellung) geklagt. "Wir prüfen aber auch sämtliche Änderungen und Ergänzungen, die es bis April 2011 gegeben hat", legte Kammervorsitzender Winfried Schwerdtfeger die Marschroute der Richter in den nachtblauen Roben fest. Vier Themen will die Kammer abarbeiten, bevor sie eventuell am kommenden Freitag ein Urteil verkündet: Erdbebensicherheit, Materialbeschaffenheit, sonstige technische sowie allgemeine juristische Fragen.

Entsprechend rückten die beklagte Bezirksregierung und Bayer Material Science als Betreiberin der Pipeline und Beigeladene des Prozesses mit zahlreichen Anwälten und Sachverständigen an. Im Mittelpunkt stand aber der vom Gericht beauftragte Gutachter Jochen Schwarz. Bis zum Abend beantwortete der Wissenschaftler vom Erdbebenzentrum der Bauhaus-Universität Weimar Fragen. Am Ende gab er kein abschließendes Urteil darüber ab, ob die CO-Pipeline erdbebensicher ist. Er erinnerte an das Beben von Roermond 1992 und verlangte die Vorlage weiterer Kennziffern, um das Restrisiko im Falle von Bodenverflüssigungen (Grundwasser weicht Erdreich auf, Hohlräume entstehen) abschätzen zu können. Schwarz' Crux: Die Leitung könnte erdbebensicher sein, die jetzige Datenbasis reicht aber für eine solche Einschätzung nicht aus. Heute um 9 Uhr wird die Verhandlung fortgesetzt.

Quelle: RP


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